Sonderpreis „Bester sächsischer Junior“

Kuruman Gliding Camp 2015 – Erlebnisberichte

Von Max Heilmann

ohne Worte

ohne Worte

Aufbruch in mein letztes Segelflugabenteuer als Junior

Am 04.11. hob der A319-100 in Dresden pünktlich ab und ich konnte mich auf den Weg in Richtung Südafrika machen. Nach 40 Minuten erreichte ich meinen ersten Zwischenstopp in Frankfurt und von dort ging es dann, zusammen mit Gert und Petra Kalisch, weiter nach Johannesburg. Nach guten 10h Flug und wenig Schlaf erreichten wir schließlich unser Ziel. Am Gepäckband wurde es dann spannend, sind die Koffer von Dresden bzw. Leipzig mitgekommen? Mein Koffer kam relativ zügig zum Vorschein doch die Tasche der Familie Kalisch ließ auf sich warten. Gerts Schritt um das Kofferband wurde immer nervöser doch als einer der letzten Koffer kam dann auch dieser. Die organisatorischen Angelegenheiten wurden fix abgearbeitet. Dabei sprangen einen südafrikanische Sim-Karte und ein Mietwagen, vom Typ Honda Jazz, heraus.

Stufe 1 des Abenteuers waren sicherlich die ersten Meter im Linksverkehr, ich klemmte mich jedoch an Gerts Rücklicht und hatte so keine Probleme. Die Vorfahrtsregelung an Stop Kreuzungen sorgte anfangs für Verwirrung, denn es haben alle Zufahrten ein Stop Schild. Wer zuerst kommt, malt zuerst ist dabei das Motto. Nach dieser Erkenntnis verliefen die 150 km bis Potchefstroom völlig problemlos. Angekommen besuchten wir das Werk von Jonker Sailplanes. In diesem wurden wir von Gidion, ein sehr sympathischer und aufgeschlossener Mitarbeiter, herumgeführt. Der Einblick hinter die Kulissen war sehr interessant und aufschlussreich.

zusammen mit Gidion am Traumschiff

zusammen mit Gidion am Traumschiff


Dabei noch einmal einen riesen Dank an Carina, die diese Führung für uns möglich gemacht hat und uns auch noch mit gut gekühltem Wasser gerettet hat. Anschließend zeigten Gert und Petra mir die örtlichen Einkaufsmöglichkeiten. Eingedeckt mit Trockenfleisch, Rotwein und Wasser ging es dann in unser Nachtquartier.
Die erste Unterkunft

Die erste Unterkunft


Eine traumhafte Lodge am Stadtrand. Gert schloss sofort Freundschaft mit dem Hund des Hauses, welcher uns daraufhin mit seiner Gegenwart bis in die Abendstunden bereicherte. Gegessen wurde, wohl typisch für Afrika, Fleisch. Ich gönnte mir dabei ein 600g T-Bone Steak. Wir rundeten den Abend mit dem einen oder anderen Schluck Rotwein ab.

Nach guten 9h Schlaf erfolgte dann der Start in den 2. Tag meines Aufenthaltes. Auf dem Plan stand ein Trip nach Douglas mit Übernachtung in einer der lokalen Lodges. Die Fahrt selber war wenig aufregend und nach gut 500 km erreichten wir Douglas. Dort besuchten wir Martin, einen guten Freund von Gert und Petra, auf dem lokalen Flugplatz.

Flugplatz Douglas

Flugplatz Douglas

Er zeigte uns dann die Lodge für die Nacht, welche wieder hervorragend ausgestattet war. Ganz überraschend gönnten wir uns wieder ein ordentliches Stück Fleisch und dazu ein wenig Rotwein (der Geschmack ist durchaus überzeugend 😉 ).

Am folgenden Tag sollte dann endlich die letzte Etappe nach Kuruman starten. Es gab zwei Möglichkeiten, entweder den asphaltierten Weg über Kimberley (gute 500km) oder die Gravel-Road (150km). Also checkten wir kurzerhand die Ausstattung unserer Mietwagen und bewaffnet mit Wasser und Reserverädern ging es auf die Gravel Road.

Hier fängt der Spaß an :-)

Hier fängt der Spaß an :-)


Gert versuchte mir den schlaglochfreisten Weg zu markieren, doch meist verschwand  er in einer Staubwand.
den Rauchzeichen folgend

den Rauchzeichen folgend


Trotzdem schafften wir den Trip ohne Probleme und konnten so gegen Mittag die Stadtgrenze Kurumans überfahren. Angekommen in unserer Lodge, für Petra und Gert das Zuhause der nächsten 3 Monate, wurden wir herzlichst empfangen und auf Grund von noch nicht bezugsfertigen Zimmern erstmal  auf einen Gin-Tonic eingeladen.
endlich in Kuruman

endlich in Kuruman


Nach einer weiteren Runde konnten wir unsere Rundhütten dann beziehen. Leider mussten wir direkt feststellen, dass die Klimaanlagen ihren Dienst quittiert hatten. Doch darum kümmerte sich die Lodge Besitzerin kurzerhand und zum Vorschein kamen leicht verschmutze Filter.
Fütterung...

Fütterung…


Im Anschluss ging es zügig zum Flugplatz, schauen ob der Container angekommen ist. Vor Ort trafen wir dann auch Familie Wiesenthal. Der Container stand an dem geplanten Ort, doch bei Öffnung offenbarte sich uns ein Bild, wie nach einem Sandsturm. Die Flieger dick mit Sand bepackt und in jeder Ritze Staub und Dreck. Augenscheinlich ist der LKW Fahrer eine der vielen Gravelroads relativ zügig entlang gedüst. Die Reinigung verschoben wir auf den nächsten Tag und machten uns erstmal auf den Weg ins örtliche Spar um uns mit Lebensmitteln einzudecken. Daraus resultierte dann auch das Abendbrot. Gert zauberte ein wirklich schmackhaftes Lammgulasch.

Tag 2 in Kuruman nutzen wir in vollem Maße zum Entladen des Nimbus 4dm aus dem Container mit anschließender Waschung.

frisch geputzt

frisch geputzt

Allein das Waschen nahm gute 3h in Anspruch, wobei die Temperatur auf dem Hallenvorfeld unaussprechliche Werte annahm. Trotzdem war sowohl das Entladen als auch der restliche Tag relativ unspektakulär.

wir bauen uns eine Anhängerkupplung

wir bauen uns eine Anhängerkupplung


Wir haben fertig!!

Wir haben fertig!!

So konnten wir uns gegen 17 Uhr zurück in Lodge begeben. Zum Abendbrot gab es dann ein Chili con Carne a la Max. Der abendliche Blick in den OLC verriet uns dann auch noch, dass Hans Wiesenthal immerhin einen 600km Ausflug unternommen hatte.

gewappnet für große Taten

gewappnet für große Taten

Der dritte Tag startete relativ früh, da wir uns vorgenommen hatten, endlich in die Luft zu kommen und den Tag zu nutzen. Die Prognosen waren auch nicht schlecht, doch leider brauchte die Blauthermik ein wenig um in Schwung zu kommen.

Kuruman Hills

Kuruman Hills


Wir entschieden uns für einen Flugweg in Richtung Südosten, durch ein bis dato gesperrtes Gebiet. Dabei verglich ich immer wieder die auf der Karte eingezeichneten Airfield mit denen in der Wirklichkeit und musste konsterniert feststellen, dass auf dem ganzen Flug nur ein einziger Platz in Reichweite war, welcher für unseren Nimbus geeignet wäre. Der Flug an sich war geprägt von unrunder und teils schwacher Blauthermik. Wir flogen bis km 150 in den Südwesten. Die dortige Bergkette brachte leider nicht die erwünschte Thermik. Also folgten wir einer anderen Bergkette in Richtung Nordwest, doch leider trafen wir auch da auf kein vernünftiges Steigen.
Abwechslung in der Einöde

Abwechslung in der Einöde

Wir machten uns immer wieder Mut nach dem Motto, Blauthermik fliegen ist wie wenn eine Biene durch einen Wald fliegt, irgendwann trifft sie einen Baum. Irgendwie lief es aber nicht so richtig. Wieder im Flachland angekommen durfte Gert sich in einem sehr engen Bart austoben und ich lernte den Nimbus im darauffolgenden 0,3 m/s Bart richtig kennen. Nach 4h entschlossen wir uns dann für die Landung, schließlich hatten wir mehr geschwitzt als wir trinken konnten. Kaum im Endanflug auf Kuruman treffen wir natürlich wieder einen wirklich guten 3 m/s Bart. Wie immer wenn man kein Steigen mehr braucht ;-).

Flugplatz und Basislager in Kuruman

Flugplatz und Basislager in Kuruman

Am Ende standen etwa 350 km auf der Uhr. Der Tag wurde mit einem Gin-Tonic in der Lodge abgerundet.

Tag 4 sollte dann endlich wirklich gutes Wetter bringen. Die Modelle sprachen von guter und hochreichender Cumulus-Thermik. Thermikbeginn sollte gegen 10 Uhr loc sein. Wir standen dann 10.30 Uhr auf der Bahn und warteten auf die ersten Wolken oder wenigstens ein paar Ablösungen. Kurz bevor unser Gar Punkt in Richtung „done“ ging, entschieden wir uns für den Start. 11.35 Uhr konnte der Motor eingefahren und thermisch gestiegen werden. 10 Minuten später erfolgte der Abflug und es ging 112 km in Richtung Süden. Dabei trafen wir auch die ersten Wolken, welche aber noch im Aufbau und daher nicht so richtig ergiebig waren.

das Wetter beginnt sich zu entwickeln

das Wetter beginnt sich zu entwickeln

Es folgte ein 300 km Schenkel bis Mafikeng mit einem schmalen blauen Loch von etwa 150 km. Doch dank der super Gleitleistung des Nimbus konnte uns das nicht stoppen. Ein Nachrechnen der Schnittgeschwindigkeit ließ auf etwa 850 km hoffen. Für die 1000 km Marke fehlten uns in Mafikeng etwa 75 km um im Zeitplan zu liegen. Doch zu unserer Überraschung liefen die folgenden Schenkel hervorragend und wir konnten unseren Schnitt stetig erhöhen.

endlich im guten Wetter angekommen

endlich im guten Wetter angekommen


Leider fiel unser Oudie aus und wir mussten die geflogenen Kilometer händisch abschätzen. Dabei unterlief uns wohl ein kleiner Fehler, so sollte es die Endabrechnung zumindest zeigen. Die Schenkel 4 und 5 konnten wir unter einer super entwickelten Wolkenstraße mit Basis 5200m msl zurücklegen.
Wolkenstraße in 5000m msl

Wolkenstraße in 5000m msl


Dabei zeigte der Nimbus welche Qualitäten die Offenenklasse im Geradeausflug hat. Das Spiel mit den Wölbklappen muss ich zwar noch ein wenig präzisieren, trotzdem konnte ich die Wolkenstraße gut ausfliegen. Punkt 19.00 Uhr loc (Sunset) setzten wir dann in Kuruman auf.
Endanflug auf Kuruman

Endanflug auf Kuruman


Wir hofften auf 1000 km, doch bei Auslesen kam dann die Ernüchterung, es reichte „nur“ für 995 km. Trotzdem waren Gert und ich absolut zufrieden, da keiner mit einer solchen Distanz für diesen Tag gerechnet hatte.

Hier unser Flug

Die Zusammenfassung der letzten Tage kann relativ schnell erfolgen. Wir hatten etwa eine Woche mit wunderschönem Urlaubswetter zu kämpfen. Dabei gab es jeden Tag eine realistische Chance auf flächige Streckenflüge, doch leider war die Luft wie angestemmt und es konnte sich, wenn überhaupt, erst zum späten Nachmittag Thermik entwickeln. Also nutzen wir die Zeit und erkundeten Kuruman, samt neuer Mall.

dezente Auswahl an südafrikanischen Backwaren

dezente Auswahl an südafrikanischen Backwaren


Die restliche Zeit wurde beispielsweise für ein typisch südafrikanisches Braii genutzt.
klassischer Grill

klassischer Grill

eine bunte Auswahl für 3 Personen

eine bunte Auswahl für 3 Personen

Trotz allem Aufessen und Wettergott anbeten, gab es keine signifikante Besserung. Selbst der Durchzug einer Kaltfront, hier nicht ganz das Selbe wie zu Hause, konnte nicht helfen.

trocken, trocken, trocken

trocken, trocken, trocken

Schließlich sollten wir dann doch mal wieder in die Luft kommen. Gestern ergab sich nutzbare Blauthermik und wir konnten gegen 11.00 loc starten. Es ging erstmal 50 km nach Süden entlang der Kuruman Hills. Danach flogen wir Kurs Osten und versuchten, am Horizont schimmernde Wolken zu erreichen. Wir wurden jedoch das Gefühl nicht los, dass diese versuchten uns immer weiter zu enteilen, doch wir ließen ihnen keine Chance und konnten diese nach etwa 190 km erreichen. Die erste Wolke ging auch ganz gut bis auf 4000m msl, doch alle folgenden verweigerten den Dienst. Also Kurs wieder ins Blau und Richtung Nordwesten. Unser Plan, ein 750km FAI Dreieck zu fliegen, ging leider nicht auf, da die vorher sehr zuverlässig Blauthermik immer schwächer wurde. So fanden wir uns nach 200km Kampf in 1000m agl über weit und breit unlandbarem Gelände wieder. Nach zähem Ringen ging es dann wieder aufwärts und wir entschieden uns für den Rückflug. Dieser war dann voll und ganz entspannt. Am Ende konnten wir 608km Fai Dreieck und 622km OLC verbuchen.

Hier der Link zu unserer Meisterleistung :-)

Heute sahen die Vorhersagen nicht allzu berauschend aus. Ein Höhentrog sollte für zeitnahe Überentwicklungen sorgen. Zu Hause sicher kein Grund einen Tag abzuschreiben, aber wenn sich hier eine Überentwicklung etabliert, kann der Rückflug durchaus unmöglich werden. Also begaben wir uns in Warteposition. Als 12 Uhr loc nur undefinierbare Fetzen am Himmel hingen, entschieden wir uns den Tag zu neutralisieren. Der darauffolgende Besuch in einer lokalen Sushi-Bar wurde zu einer Qual. Die Wolkenoptik verbesserte sich rapide und wir mussten uns zwingen nicht an den Himmel zu schauen.

Blick vom Balkon der Sushi-Bar

Blick vom Balkon der Sushi-Bar

Die Frage warum man in der Wüste eine Sushi-Bar aufsucht ist dabei durchaus nachvollziehbar, aber immer nur Fleisch ist auch hart. Außerdem ist das Preis-Leistungsverhältnis durchaus überzeugend.

Das die Entscheidung nicht zu Fliegen richtig war, zeigte das Rumoren und Donnern etwa 2 Stunden später.

Blickrichtung Flugplatz

Blickrichtung Flugplatz

Tja so werden wir uns heute Abend mal wieder dem Braii widmen und hoffen, dass wir morgen endlich wieder richtig angreifen können. Immerhin scheinen wir jetzt öfter mit Cumulusbewölkung rechnen zu können.

Nun ist es doch noch passiert. Wetter, ja gutes, schnelles und nutzbares Wetter. Der Start konnte schon 9.45 loc erfolgen. Die Optik war wirklich vielversprechend. Wie immer ging es mit Motorhilfe auf 1000m agl, doch da hatten wir auch die Basis beinahe erreicht. Ich hatte Gerts Regel, nicht unter 1000m agl im Hinterkopf und machte mir beinahe Sorgen. Aber schon der erste Bart, machten die Sorgen zu nichte, denn es ging mit guten 4 m/s nach oben. Die Optik erlaubte lange Flugstrecken ohne Kreis, so kamen wir trotz der niedrigen Basis gut voran. Das abfallende Gelände kam uns da natürlich auch entgegen. Unser erster Schenkel führte uns über Hozatel in Richtung Botswana. Nach 194 km setzten wir unsere erste Wende, etwa 25 km hinter der Grenze Botswanas.

welcome to Botswana

welcome to Botswana

Die Basishöhen sind auf dem ganzen Stück leider nicht angestiegen und so hatten wir nur 2500m msl zur Verfügung. Der zweite Schenkel führte uns dann in Richtung Südosten. Gert hatte die Hoffnung das die Langen Berge im Winde reihen, doch leider war das nicht der Fall, aber wir konnten trotzdem hervorragend geradeaus fliegen. Gegen 13 Uhr stieg die Basis endlich auch über 3000m msl an und so stieg auch unsere Schnittgeschwindigkeit.

Kalaharisand Wolken

Kalaharisand Wolken

Nach 250 km setzen wir dann unseren zweiten Wendepunkt in Postmansburg, wobei wir hier kurzfristig 4700m Basis nutzen konnten. Der Anfang des dritten Schenkels wurde dadurch deutlich beschleunigt, da wir nur durch hohe Geschwindigkeit unter die fallende Basis gelangen konnten. So setzten wir 1000 Höhenmeter in Kilometer um. So ging es 314 km in Richtung Nordwesten und wir konnten noch weiter nach Botswana hinein fliegen. Gegen Ende des Schenkels trafen wir dann endlich auch gute Bärte. So erwischte ich erst einen 5 Meter Bart und Gert deklarierte diesen schon zum Bart des Tages, doch die beiden folgenden waren noch deutlich besser.

brauchbares Steigen

brauchbares Steigen

Mit 6 m/s zentrierte schlussendlich Gert den Bart des Tages. Am Wendepunkt war klar, dass wir die 1000 km Marke knacken, wenn wir nach Kuruman fliegen würden. Doch waren wir ja schnell und der Tag hatte auch noch ein paar Stunden zu bieten. Leider trat dann das ein, wovor alle Wettermodelle gewarnt hatten. Überentwicklungen in Richtung Heimat.

Blickrichtung Kuruman...

Blickrichtung Kuruman…

Diese Labilität war auch der Grund für den allgemein westlich gelegten Flugweg. Genau im Endanflug auf Kuruman wurde es nachtschwarz. Weder Gert noch ich konnten einschätzen wie die Wettersituation am Platz war. Mehere Versuche jemanden per Funk zu erreichen blieben ohne Erfolg, also entschlossen wir uns eine Lücke im Dunkel zu nutzen und flogen in Richtung Kuruman.

Anflug auf Kuruman

Anflug auf Kuruman

Dort angekommen stellten wir fest, dass der schlimme Niederschlag schon vorbei war. Am Horizont konnten wir nach wie vor Blitze beobachten und die Landebahn, silbern schillernd, zeugte von den starken Niederschlägen. Das Ende des Flugs war so problemlos umsetzbar und wir landeten sicher nach 1054 km. Nach der Landung wurden wir umgehend mit einem erfrischenden Kaltgetränk von Kuruman-Boden, Petra, versorgt.
Rückwirkend waren sicher 150 km mehr drin, doch ohne Gewissheit über die Wetterverhältnisse am Platz war es die beste Entscheidung entspannt zurückzukehren. Die Situation nach der Landung machte uns jedoch deutlich, dass die 1200 km Marke absolut in Reichweite lag. Nichts desto trotz konnten wir mit Stolz und Zufriedenheit auf einen super Flug zurückschauen. Immerhin der erste 1000er für mich!!! Danke Gert für die Gelegenheit dafür.

Der Flugweg :-)

1000 Kilometer? check!

1000 Kilometer? check!

Aber wie sollte es anders sein, die Modelle machten uns für den Folgetag wieder Hoffnung. „Es ist wohl besser die dicken Socken anzuziehen…“, Gerts Kommentar zum Wetter. Die Wettersituation wenige Stunde später holte uns dann aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn von wegen super Wetter, erst passierte bis 12.30 gar nichts und dann kochten die Wolken innerhalb von 1 Stunde über. Damit war an Fliegen nicht mehr zu denken. Also mal wieder in die Mall und kurioser Weise stand ich plötzlich vor einen Regal voller Weihnachtsbäume.

Baumschule?

Baumschule?

Hier laufen die Uhren wirklich anders. Draußen 35 °C und in der Mall Weihnachtszeit.
Für morgen ist dann der Durchzug einer Kaltfront prognostiziert, was hier meist leider nicht zu einer geilen Rückseite wie in Deutschland führt. Also bleibt wieder nur Aufessen und Wettergottanbeten.

 




 

Kuruman Gliding Camp 2014 – Erlebnisberichte

Von Dennis Zettwitz

Südafrika, Dezember 2014. Ideales Segelflugwetter, traumhafte Wüstenlandschaften, unendliche Streckenkilometer und exotische Lebensweisen. Soviel steht zumindest im Prospekt. Eine glückliche Fügung verhalf mir dazu, einen Aufenthalt in Gliding Camp Kuruman zu „gewinnen.“ Wie kam es dazu? Nun ja, zunächst einmal muss man dazu wissen, dass eine weitbekannte, hocherfolgreiche Koryphäe des Segelflugs, namens Gert Kalisch, seit einigen Jahren seinen Winterhorst in Südafrika situiert. Dieser liegt in einem kleinen, typisch südafrikanischen Provinzstädtchen an einer Oase der Kalahari mit Namen Kuruman. Nun war der gute Gert so freundlich, einen Preis für den punktbesten sächsischen Junior 2014 nach DMSt-Rangliste auszuschreiben. Ich habe das Vergnügen, diesen Preis durch eine unausgewogene Kombination von fliegerischer Leistung und viel Anfängerglück verliehen bekommen zu haben. Inhalt des Preises: zwei Wochen im Nimbus 4DM den südafrikanischen Luftraum unsicher machen. Die dabei vollzogenen Schandtaten und Flüge möchte ich im Folgenden einmal festhalten, und von meinen mehr oder minder bedeutenden Erlebnissen berichten.

Anreise, 11. & 12. Dezember

Alles hat ja bekanntlich einen Anfang. In diesem Fall startet das Abenteuer mit dem Versuch, einen Vertrauensbeweis zu erbringen. Getreu dem Grundsatz „Willst du gut und sicher reisen, fahre mit der Bahn aus Eisen“, wird die erste Etappe zum Flughafen Frankfurt in Gegenwart eines länglichen, schienengebundenen Vehikels angetreten. Trotz Bedenken hinsichtlich der Aktualität des Sprichwortes (es handelt sich heutzutage ja eher um eine Bahn aus Plastik …) und der möglichen Präsenz eines unüberwindlichen Hindernisses in Form einer Schneeflocke, gelingt es der Deutschen Bahn doch tatsächlich, den Fahrplan mit gerade mal fünf Minuten Verspätung einzuhalten (Beweis vorerst erbracht). Ich bin völlig baff und weiß erstmal gar nicht, was ich mit der nun überflüssigen Reservezeit von immerhin gut sechs Stunden anfangen soll. Also zunächst mal zum Check-in, um die mitgeführte Textilkollektion loszuwerden. Der Airline-Mitarbeiter grinst mich blöd an: „Wie jetzt? Sie kommen jetzt schon? Wir erwarten die ersten Fluggäste erst in 3 Stunden.“ Ignorieren, Gepäck abgeben und einen zweideutigen Spruch zurückgeben, erscheint mir da die sinnvollste Reaktionsmethode zu sein. Fünf Stunden später, nachdem ich das Abflugterminal per Abschreiten genauestens kartografiert und eine miserabel schmeckende, völlig überteuerte Suppe genossen habe, geht es endlich an Bord des Hauptreisegerätes, in diesem Fall ein A340-600. Fliegerisch verläuft diese zweite Etappe ohne besondere Vorkommnisse. Lediglich eine statische Entladung, die beim Durchflug einer ausgedehnten Wolkenschicht im Anflug auf Johannesburg kurzeitig die Außenlichtverhältnisse radikal intensiviert und mit bombastischem Soundeffekt einige Passagiere zum Kreischen bringt, sorgt für etwas Abwechslung. Der lakonische Kommentar des Piloten: „Ladys and gentleman, the loud bang you just heard was a lightning on the outside of the aircraft.” Ich glaube der Mann hat den richtigen Job. Kurz darauf kommt der Personenfrachter auf dem Flughafen Johannesburg OR Tambo zum Stehen. Zielgerichtet werden einige hundert Währungseinheiten auf einige tausend erweitert und die Kommunikationsfähigkeit mit einer örtlichen SIM-Karte in ein akzeptables Preisniveau gerückt. Die dritte Etappe wird gleichzeitig die interessanteste: mit dem Mietwagen 560 km quer durch Südafrika nach Kuruman. Unmittelbar nach dem Losfahren wird das erste Problem offensichtlich: das schönste Segelflugwetter offenbart sich als Dauerregen. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll … Zusätzlich fährt hier jeder grundsätzlich auf der verkehrten Straßenseite. Ganz zu schweigen vom eingeschränkten Verständnis des Reißverschlussverfahrens bei eingeengter Fahrbahn. Das wird hierzulande durch viel Gehupe und Gefluche ersetzt. Einfach munter mitmachen. So kommt es dazu, dass die ersten zehn Kilometer auf Grund eines Unfalls auf der Autobahn, welcher drei der vier Spuren versperrt, in einer rekordverdächtig kurzen Zeit von zwei Stunden zurückgelegt sind. Danach geht es erstaunlicherweise ohne große Probleme weiter, und nach hundert Kilometern kommt auch das versprochene Wetter in Sicht. Sofort entsteht die Frage, warum ich zum Mietwagen keine Flügel dazu gebucht habe?

Unterwegs nach Kuruman

Unterwegs nach Kuruman

 

Mit diesem Anblick geht es über die nächsten fünf Stunden weiter, nur unterbrochen von gelegentlichen Ausweichmanövern wegen am Verkehr teilnehmender Esel und Kühe. Kurz nach Sunset ist dann die Shomatobe Lodge, Wahlheimat für die nächsten 18 Tage, erreicht. Ich werde von Petra, Gert, Georg, Gerhard, Filip und Jens mit einem göttlichen Kesselgulasch herzlich empfangen. Dabei ernte ich schallendes Gelächter, als ich beim Einparken zweimal den treuen Hyundai i10 abwürge. Okay, 40 Stunden ohne vernünftigen Schlaf machen einen eben doch kirre, so dass es nach dem Abendessen gerade noch für eine halbe gerissene Rolle in Rückenlage aufs Nachtlager reicht.

Akklimatisierungstage, 13. & 14. Dezember

Pünktlich um 7:00 Uhr reißt mich die lokale Weckerautomatik aus dem Schlaf und eröffnet so den ersten Tag in Südafrika. Die dabei erklingenden Töne erinnern stark an eine quäkende Katze, allerdings mit fünffacher Lautstärke und Ausdauer.

Die lokale Weckerautomatik (ein Pfau, falls es jemandem entgangen sein sollte)

Die lokale Weckerautomatik (ein Pfau, falls es jemandem entgangen sein sollte)

 

Zum Frühstück werden die Wetteraussichten für den Tag eifrig diskutiert. Gert ist der festen Überzeugung, dass heute die Labilisierung in der Höhe gutes Wetter verspricht :-D. Folglich geht es zügig zum Flugplatz, wo die vier Langlöffel (Arcus, ASW 22 und 2 x Nimbus 4DM) sowie „Opa Wiesenthals“
DG-800 mit den Hufen scharren. Das Wetter hält, was es verspricht, und alles begibt sich zum „backtracking“ auf Piste 02. Eifrig wird die Seglerkolonne von „Kuruman Groundcontol“ in die Luft dirigiert. Obwohl Gert zunächst mit seinem abgesoffenem Motor die Aufmerksamkeit des südafrikanischen Piloten Mannie McLauchlan auf sich zieht, und diesem mit exzellentem Englisch und Gestensprache innerhalb einer halben Stunde beibringt, was „abgesoffen“ denn bedeutet (nebenbei legt er den Treibling noch trocken, um die nötige Zeit zu rechtfertigen), kommt er noch vor 11:00 Uhr loc in die Luft.

12-Groundcontrol

„Kuruman Groundcontol“ beim Prüfen der Startvorbereitungen (es handelt sich hier natürlich um Petra, die gute Seele des Gliding Camps)

 

Nachdem nun alle Beherrscher der Lüfte mit Ihren Glasfaser-Rössern über die Kalahari reiten, bleibt ein wenig Zeit, sich die Stadt etwas genauer anzusehen. Petra chauffiert mich zielstrebig durch Kurumans Straßen, vorbei am „Eye Of Kuruman.“ Unterwegs wird die Bevölkerungsstruktur erörtert, die im Wesentlichen aus zwei Spezies zu bestehen scheint: „homo reichus corpulentus“ und „homo armus magerus.“ Überhaupt scheint das örtliche Schönheitsideal ein Schwimmring zu sein. Ein Zwischenstopp im örtlichen Supermarkt zeigt auch warum: traumhafte Auswahl und niedrigste Preise für alle Arten von Fleisch lassen jeden noch so verbitterten Schlankheitsfanatiker schwach werden. Wer also Geld hat, zeigt seinen Reichtum in diesem Land der eifrigen Fleischverzehrer mit fülligem Auftreten. Nach Beendigung der Supermarktbesichtigung demonstriert Petra noch Ihre überlegenen Fahrkünste mit einem perfekt ausgerundetem Linksvollkreis auf dem örtlichen Busbahnhof, worauf jeder Fahrlehrer stolz wäre.

Kurz vor Sunset kommen alle mit teils breitem Grinsen wieder sicher in Kuruman an. Es stehen zwischen 931 km und 1042 km auf dm Zähler. Zum Abend wird der Tag bei deftigem Kesselgulasch ausgewertet.

Der nächste Tag beginnt wieder mit dem gemeinsamen Frühstück vor Petra‘s und Gert‘s Hütte. Heute gibt es frische Eier, von Filip mit höchster Güte zubereitet. Da drängt sich mir sofort das Verlangen auf, die Eier auf Druckfestigkeit zu prüfen, was zur ersten Sauerei des Tages führt. Im Folgenden wird mit handbrecherischen Manövern versucht, die verbleibenden Eiweißreste aus den Trümmern zu retten. Es folgt die obligatorische Stippvisite des Flugfelds, wo allerdings nur Beine in den Bauch gestanden werden, da das Wetter „ä bissl bleede“ aussieht. Letztendlich wird der Flugbetrieb für heute abgesetzt.
Als Alternative wird eine Talkrunde einberufen, die wenig später auf Grund einsetzender Regenfälle im Schilfbunker verschwindet. Staunend beobachten wir innerhalb weniger Minuten die Umwandlung der Lodge-Wege in ein Flusssystem. Zusätzlich angereichert wird das Erlebnis durch einen, mit lautem Getöse, fremdbetätigtem FI-Schalter, der versucht die Blitzauswirkungen zu negieren. Der kurioseste Teil ist jedoch ein stillschweigend ausgetragener Wettbewerb zwischen Niederschlag und Rasensprenger, die um die höchste Wasser-Fördermenge konkurrieren. In den Abendstunden wird nach Abklingen des Gewitters auf Einladung von Filip und Jens die „Red Sands Country Lodge“ angesteuert, um die beiden in würdevoller Umgebung zu verabschieden.

Warten auf Flugwetter oder das Umschiffen des Lagerkollers, 15. bis 18. Dezember

Nachdem Filip und Jens mit der Bemerkung: „Jetzt wo wir deinen Flieger freigemacht haben, wird’s Wetter sch…“, abgereist sind, geht das Gliding Camp für mich erst richtig los. Irgendwie scheint jedoch der Abreisekommentar der beiden mit einer Bestechung des Wetters einhergegangen zu sein, das jetzt zunehmend fluguntauglich wird. (Nichts für ungut, falls Ihr zwei das lesen solltet ;-).) Also wird nach anderen Aktivitäten gefahndet. Georg ergreift kurzerhand die Initiative und greift sich Gerhard und mich für einen Ausflug zur 40 km südlich gelegenen Wonderwerk Cave, einem prähistorischen Ausgrabungsort. Vor Ort beweisen wir der Führerin, dass wir keine Höhlenmenschen sind, indem wir erst mit dem gefühlt zwanzigstens Hinweis erraten, was die Höhlenmalereien darstellen sollen (einen Elefanten). Auch interessant: zwischen 1900 und 1907 wurde diese Höhle von einem Pionier besiedelt, der zwei Höhenmeter maß und 200 kg wog!

Eingang zur Wonderwerk Cave

Eingang zur Wonderwerk Cave

 

Zum Abschluss statteten wir noch dem Örtchen Danielskuil einen Besuch ab und bewundern die örtlichen Steinwerke aus der Ferne, welche weit und breit die einzigen Industriekomplexe zu sein scheinen. Der Abend lief durch das verzögerte Grillen wegen mehrfach regengelöschten Feuers eher langsam an. Trotzdem konnte der Tag mit ein paar Witzeleien gut zu Ende gebracht werden.

Der Dienstag kommt mit etwas zu viel Höhen-Labilisierung daher, sodass heute wieder externe Beschäftigung nötig ist. Diesmal geht es zusammen mit Gerhard nach Kimberley zur alten Diamantenmine mit dem schillernden Namen „Big Hole.“ Die dabei zurückgelegten 460 Straßenkilometer zeichnen sich durch einmalige Abwechslung aus. Ganze zwei Mal muss man auf der Strecke abbiegen, um zum Ziel zu kommen. Ansonsten immer stumpf gerade aus ohne jegliche Abbiegemöglichkeit. Ich komm mir schon blöd vor, weil ich das Navi eingeschaltet habe … Vor Ort besichtigen wir diverse alte Technik und erfahren viel über Geschichte und Lebensbedingungen der Arbeiter um 1900, die einem KZ gleichkamen. Besonders fällt mir die historische Stadt ins Auge, die in kleinen Teilen erhalten wird und besichtigt werden kann. Da gibt es doch tatsächlich ein (historisches) Unternehmen mit Namen „Stromberg Carburetors“ … – also, ich find den Branchenwechsel toll, aber ob ich da kaufen würde??? Abends machen wir uns bei den Campteilnehmern unbeliebt, da wir erst 18:07 Uhr wieder in der Lodge eintreffen, obwohl 18:00 Uhr geplant ist, um in der Oryx Lodge essen zu gehen (ja, der Hyundai kann halt nicht so schnell und ja, wir sind zu spät losgefahren weil‘s so toll war). Das Essen besteht für mich aus einem Straußensteak, was sich als erstaunlich gut erweist. Nebenbei stellt sich die gesamte Rentierherde des Lodge Besitzers am Zaun vor und lässt sich mit Toastbrot abfüllen.

Der Mittwoch bringt die gleiche Wetterlage und erfordert erneut eine Ausflugsidee. Es geht in eine Reißbrettstadt in Reinform, mit Namen Kathu. Petra, Gert und ich machen die Einkaufsmall unsicher und verwirren das Kassenpersonal, als Gert einen Handfeger ohne die dazu gehörende Schaufel erstehen möchte. Petra okkupiert gleichzeitig für eine halbe Stunde den Servicepoint im Baumarkt, um sich ein Mosaik auszusuchen, dass zu Hause eine Säule verkleiden soll. Es bildet sich dadurch eine ordentliche Schlange im sonst leeren Geschäft. Weiter geht es zum „Pick‘n Pay“ (Supermarkt), wo Gert zu allererst einmal die halbe Belegschaft fotografiert (verkappter NSA Agent?:-D).

Das von Gert primär verdächtigte Subjekt, rechts natürlich!

Das von Gert primär verdächtigte Subjekt, rechts natürlich!

 

Ein Zwischenstopp im Kuriositätenladen fördert einige Mitbringsel zu Tage, die an der Stelle aus Datenschutz- und Überraschungsgründen aber nicht verraten werden. Zum Abschluss geht es in die Pizzeria mit Ausblick auf die mächtig gewaltige Shishen Mine. Dieses riesige Tagebauloch dient der Förderung von Eisenerz und erscheint aus der Luft als sehr nützliche Orientierungsfläche, ähnlich der Tagebaue in Brandenburg. Zum Abendbrot gibt es ein hervorragendes Eisbein mit exzellentem Sauerkraut, was über Nacht die Bettdecke in einen Gasballon umfunktioniert.

Der Donnerstag – ja genau, die gleiche Wetterlage wie die letzten Tage auch … – sieht Georg, Gerhard und mich auf Safari im Naturreservat bei Vryburg. Bereits die Anreise hält das erste Highlight für uns bereit: Ein Lkw, in Fachkreisen auch Leicht-Kraft-Wagen genannt, fährt vor uns. Auf der Rückseite thront in auffälligen Farben die Aufschrift: „Please report bad driving“ und dazu die Telefonnummer der Spedition. Das hätte ich gerne in Deutschland auch. In Vryburg eingetrudelt, beginnt die Suche nach dem Park, der laut Gert nicht zu übersehen sein soll. Wir finden tatsächlich ein massives Tor mit aufgenagelten Lettern „Jon Talgaaren Nature Reserve“. Die Nachfrage beim Torwächter erschließt jedoch die Erkenntnis, dass es sich um den Ausgang handelt und der Eingang im Stadtzentrum ausgeschildert sei. Georg‘s Kalesche gesattelt und weiter. Nach etwa zehn Suchkreisen in der Stadt, mit 5 km Radius, gelingt es schließlich doch ein Schild zu entdecken, hinter einem Festival Plakat. Wenig später rollen wir durch das Park-Tor und sind gespannt. Leider entpuppt sich der Park als recht leer, und wir haben ganze fünf Begegnungen, wovon die spektakulärste ein Strauß ist, der mit wildem Gerenne und eigenartigen Gesten auf sich aufmerksam macht. Dies führt zu Georgs wissenschaftlichem Moment des Tages: „Aaalso, die Tragflächen sind viel zu klein und die Flächenbelastung viel zu hoch, der kann net fliegen. Aaach Geil.“ Von den versprochenen Nashörnern und Giraffen kommen leider keine in Sicht. Heute Abend wird wieder gegrillt und eifrig ins Bett gekrochen, da sich für morgen endlich gutes Wetter anbahnt.

Die ersten Flüge und ein gemeiner Zwischenfall, 19. & 20. Dezember

Freitag, endlich, Gert schmiert sich seine Bemmen, es ist Flugwetter. Zeitig geht es auf den Flugplatz, um das erste Mal den Nimbus zu bewegen. Angesagt sind gute Steigwerte und Basishöhen bis 18000 ft MSL. Die wolkigen Bärte lassen jedoch auf sich warten, sodass keiner so recht als Erster „raus“ will und regelrecht strategische Manöver gefahren werden, um bloß nicht die Pole-Position zu bekommen. Wer bekommt die Pole? Natürlich Gert und ich. Wir versuchen, durch taktisches Warten eine Verbesserung der Wetterlage abzuwarten und nicht als Wetterschnüffler missbraucht zu werden. Es nützt jedoch alles nichts. Der Druck von hinten wird so stark und herausfordernd, dass wir schließlich mit der getarnten, durchsichtigen Thermik vorlieb nehmen müssen. Das geht die ersten 50 km so weiter und sorgt für einige Fäkalausdrücke im Cockpit. Aber dann sind die ersten Wolken erreicht und es geht direkt auf 14000 ft hoch, was mich vor das nächste Problem stellt. Die nächsten zehn Minuten verbringe ich damit, die Nasenkanüle des Sauerstoffgeräts zu positionieren. Schließlich ist eine stabile Endlage der Kanüle erreicht und ich kann mich darauf konzentrieren, nicht ständig S-voraus zu fliegen. Im flotten Galopp von 180 km/h IAS geht es nach Süden bis zum Ende der Bewölkung. Eines ist sofort festzustellen: Offene Klasse ist eben doch was ganz anderes als Standard. Wie wirkt sich das aus? Nun ja, der Nimbus versucht mit merkwürdig torkelnden und oft schiebenden Fluglagen in Bärten von teils 6 m/s und mehr an Höhe zu gewinnen. Ich bin ja der Meinung, dass ein Flugzeug gesteuert werden will (wahrscheinlich zu viel Jantar geflogen ;-)), aber der Nimbus scheint alles selber machen zu wollen, sodass wir teils in verschiedene Richtungen und damit ins Saufen steuern. Zudem ist die Masseträgheit des Geräts für mich noch sehr gewöhnungsbedürftig. Trotz dieser Eskapaden wird nach der ersten Wende zügig nach Nordwesten gelenkt. Es geht vorbei am „Schießgebiet“ und den Minenkomplexen von Sishen und Black Rock. Die Basis steigt dabei auf 17000 ft an. Der Ausblick ist einfach nur phänomenal, zusätzlich garniert vom Eintreffen der Dünen-Wüste unter uns. Wenig später ist der ausgetrocknete Grenzflusslauf nach Botswana erreicht. Dort ist nun im wahrsten Sinne des Wortes gar nichts, außer einer Asphaltstraße, bei der wir uns fragen, wer die wohl benutzt? Kaum 30 km in Botswana, ist unsere Lieblingsthermik (die sichtbare) aber auch schon wieder alle. Also kehrt und zurück Richtung Kuruman. Mit einem 153er Schnitt geht der dritte Schenkel direkt zum Absaufer bei Hotazel: Gert’s dicke Wolke entpuppt sich leider als ein Schauer, der eine 90-Grad-Biege erfordert und den ganzen Meister am Steuer erfordert (also nicht mich). Nicht genug der Probleme: Plötzlich entschließt sich das umliegende Wetter auch noch Feierabend zu machen. Wieder hochgehungert aus 7500 ft (ca. 1000 m GND), im „Holzhackerbart“ (zit. G. Kalisch, 19.12.14), gelingt es uns wieder Anschluss an eine tragende Wolkenstraße zu erlangen, die uns nochmals auf 15000 ft hebt. Und jetzt kommt das Beeindruckende: 130 km/h und gleiten, gleiten, gleiten. Über Kuruman hinweg, bis wir eine Ankunftshöhe von 500 m angezeigt bekommen und kehrtmachen. Das Ganze dauert knapp eine Stunde und bringt die Letzten der 858 km am heutigen Tag ein. Fazit des Tages: Ein sehr schöner erster Flug, der mir einen Überblick über die Umgebung verschafft und die Eigenheiten von örtlichem Wetter und Langlöffeln (hier ist noch Verbesserungsbedarf) verschafft hat.

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Der Samstag beginnt 01:30 Uhr mit einem lauten Knall, den ich im Unterbewusstsein irgendwie registriere, aber gleich wieder wegdöse. 01:40 Uhr, ich wache erneut auf und stelle eine geöffnete Tür und damit Zirkulation im Hüttenraum fest. Scheinbar war die Spendensammelorganisation für Altelektronik vor Ort und glaubte, dass meine gesamte Elektronik zum Ausrangieren wäre. Jedenfalls ist die nun weg. Immerhin waren die Herren so freundlich, mir die Identität und andere wichtige Utensilien wie Kreditkarten und Rückflugticket, fein verpackt in einer entleerten Schachtel meiner Lieblingsmüsliriegel, im Gebüsch liegen zu lassen. Dass keine Spendenquittung ausgestellt wurde, finde ich dann aber doch reichlich daneben. Da ich den Verdacht hege, wo eine Spendenorganisation ist, sind auch andere, wird die restliche Nacht mit erhöhter Wachsamkeit und genau null Stunden Schlaf verbracht. Am Morgen wird das Ereignis detailliert mit einem sehr freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter der Spendengegenbewegung (wird teils auch als „Polizei“ adressiert) diskutiert und in örtliche Datenbanken aufgenommen. Dies ist auch der Grund, warum Bilder ab hier leider etwas dünner gesät sein werden.

In Anbetracht dieses Zwischenfalls wird von Gert rücksichtsvollerweise die Entscheidung getroffen: Wir fliegen heute!!! Okay, steige ich eben völlig übermüdet und mit eingeschränkter Sicht, da die Nasenfahrräder auch weg sind, ins Luftsportgerät. Lediglich die gute Karin Wiesenthal, die mir zumindest eine Sonnenbrille leiht (Danke!!!), schafft etwas Abhilfe. Zur Entschädigung geht es heute zügig los, und auch nach oben. Die Wolken dirigieren uns wieder nach Süden, diesmal gute 130 km bis es blau wird. Nach geschätzt 80 km bemüht sich Gerts PDA schließlich dazu, sein Tagwerk aufzunehmen, was später noch von großer Bedeutung sein wird. Nach Umrundung des Südpunktes der folgenschwere Satz vom vorderen Sitz: Und nu? Einzige Möglichkeit: den gleichen Pissbogen zurück nach Kuruman.

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Dort angekommen scheint uns das Glück hold zu sein, als sich in westlicher Richtung Quellungen zeigen und beim Abbiegen in diese Richtung als passable Luftstraße entpuppen. An gleicher Stelle treffen wir den Nimbus mit Georg am Knüppel, der den gleichen Kurs eingeschlagen hat. Wieder vorbei an den Minen geht es in großen Höhen um 15000 ft gegen den Wind nach Westen. Meine mittlerweile unterirdische Beherrschung des Fluggeräts vernichtet den Höhenvorteil gegenüber Georg von gut 500 m innerhalb 30 km auf Null. Lediglich das Eingreifen des Kompetenzzentrums für Streckensegelflug auf dem Führersitz verhindert die totale Blamage des Tieferkommens und lässt mich wieder aufatmen. Aber dann!!! Nach der Wende im Westen geht es mit dem Wind unter der nun voll entwickelten Wolkenstraße retour 270 km nach Osten, mit einem 166er Schnitt. Im Osten gewendet, kommt der Clou: Gert ist sich über die Länge der geflogenen Strecke nicht im Klaren (PDA Spätstart). Ich sowieso nicht, da mein Hauptaugenmerk beim Offenhalten der Augen liegt (die dafür vorgesehenen Lidhölzer sind auch abhandengekommen …). Aber wir sind uns einig, dass wir mit dem letzten Schenkel 930 km erreichen können. Das geht auch wunderbar der langsam sinkenden Sonne entgegen. Nach letztmaligem Passieren von Kuruman auf Westkurs wird der Umkehrpunkt bei 500 m Ankunftshöhe festgelegt. Ich habe die Ehre, den Final Glide auszuführen und erreiche Kuruman mit ordentlicher Reserve in 800 m GND. Nach der Landung werden wir von allen mit Fragen überschüttet, wie: Habt Ihr die 1000 vollgemacht? Gert verneint entschlossen und beschwört alle: „Heute war kein 1000-km-Tag.“ Der abendliche Blick in den OLC gibt ihm Recht: 20.12.2014, Nimbus 4DM, Besatzung: G. Kalisch, D. Zettwitz, zurückgelegte Strecke 999,19 km …

Das Abendprogramm besteht aus einem Facepalm nach dem anderen, aber gut. Wahrscheinlicher Grund für diesen Fauxpax: Ich musste heute mit ATK-Hut fliegen, der nicht 1000 km zugelassen ist, da mein Kuruman-Deckel ebenfalls gemopst wurde.

Labilitätsintermezzo, 21.-23. Dezember

Gähn, endlich wieder mal ausgeschlafen. Und ohne Augenringe dämmert der Sonntag heran. Nach den zwei höchst ansprechenden Vortagen scheint uns das Wetter heute, eine taktisch prägnante Aufgabe aufzuerlegen. Obwohl die ganze Truppe voller Hoffnung auf den Flugplatz gestürmt ist, wechselt das Diskussionsthema innerhalb einer Stunde vom Erörtern der besten Streckenwahl auf „Fliegen oder nicht Fliegen?“ Dafür verantwortlich ist eine doch recht beachtliche, fremdinduzierte Strömung, die quer zur Landebahn steht.
Alle schauen sich in die Augen und beschließen augenblicklich die einzige Alterative: Überleben. Um genau zu sein: Grillen. Das gesamte Personal quetscht sich wieder in die Rechtslenker und bläst zum Sturm auf Spar und Fleischerei. Ein Glück, dass man in Südafrika sonntags nicht an verschlossenen Türen hängenbleibt und dann blöde dasteht… Nach erfolgreichem Plünderzug durch die Regale und Evakuierung der Einkauftruppe ans Heiligtum des Überlebens, kommen wieder Zweifel an der Führung. Überleben, ja, Grillen bei zwischenzeitlich aufkommenden Regen, äh naja… Allerdings fehlt in der Gleichung noch die Kompetenz des Grillmeisters, gelegentlich Gert genannt. Nun ist es nämlich so, Fleisch auf dem Grill ist immer gut. Ein Grill der im Regen steht und ständig ausgeht, eher weniger. Aber auch hier scheint das alles irgendwie geplant zu sein. Nach dreimaligem Neuanzünden und zwischenzeitlicher Räucherung sowie Waschung des Grillgutes, ist der Regen durch und lässt ein wenig Zeit zur Finalisierung der exotischen Zubereitung. Erstaunlicherweise ist das Alles für mich aber sogar geschmacklich exzellent, was Gert dazu verleitet, der Meinung zu sein, ich sei ein Antigourmet. Wo er Recht hat, hat er Recht :-D. Ganz zu schweigen, dass ich negativ auffalle, weil ich ständig Gert`s geliebten Wein abweise und stattdessen „literweise von diesem schwarzen Zeug saufe“ (G.K.).

Naja gut, versuche ich eben anderweitig zu beeindrucken, schweife beim abendlichen Gespräch in die Staatstheorie ab (von der ich eigentlich gar keine Ahnung hab ;-)) und versuche, die Idee der Stochastokratie zu erörtern. Wie sich auf den Gesichtern in der Runde bald zeigt: erfolglos. Als dann Georg anfängt, mit mir über Werke und Schaffen des Arthur C. Clarke zu reden und Gert davon zu überzeugen sucht, es gäbe schwarze Löcher, weicht die geistig hochanspruchsvolle Diskussion einem verzweifelten Blickeaustauschen und einer fluchtartigen Bewegungen in Richtung Schnarchstätte.

Tja die Früchte des unbeschäftigten Geistes sind immer für Überraschungen gut …

Montag, wenn das Elend wieder von vorne beginnt. Nein so schlimm ist es nicht ;-). Trotzdem herrscht nach dem Frühstück wieder gedrückte Laune, als das Briefing evaluiert wird. Kurz: Es ist mit starker Tendenz zur Überentwicklung zu rechnen. Der Grund dafür ist die Luftmassengrenze, die bereits letzte Woche die Fliegerei zumindest einem Vabanquespiel gleichsetzte und bereits gestern für den flotten Wind gesorgt hat. Leider hat sich diese Grenze nach kurzem Zielrückausflug Richtung Nordost dazu entschlossen, uns wieder ein bisschen mit Ihrer übertriebenen Labilität den Tag zu versauern. Neben dieser Tatsache ist heute auch der letzte Urlaubstag für Georg angebrochen und die KG wird vorrübergehend eingepackt und mittels zweier gewichtiger Wasserkanister sturmgesichert.
Was wäre so ein Urlaub ohne ständigen Einkaufsbummel? Also beschließt Georg kurzerhand, dem Wetter davonzufahren und die Mall von Kathu unsicher zu machen. Weiterer Motivationspunkt: Im Camp wird seit einiger Zeit der Staubsauger vermisst, was mangels Anwesenheit hellhaariger Reinigungskräfte hier in der Wüste unerklärlich scheint … Also losgedaddelt, und ich gleich mit: Die Gelegenheit einen neuen tragbaren Fernsprecher und passende Pedalstampfer (fliegen mit meinen BW-Kindersärgen hat doch eher für Geknarze als Wirkung in den Steuerseilen gesorgt :-/…) zu erstehen, lass ich mir nicht entgehen.
Das Verkaufsgespräch im Schuhladen entwickelt sich zu einer einstündigen Odyssee, da man ständig versucht, mir alle möglichen Arten von Sportschuhen zu verkaufen, denen ich noch nie was abgewinnen konnte. Nachdem die Verkäuferin mindestens zehnmal ins Lager gerannt ist, kommen endlich ein paar Treter zum Vorschein, die unkonventionell genug für mich sind: schön stabil aus Leder und sie sehen hundealt aus. Man merkt dem Personal die Erleichterung sichtlich an, als ich mich dafür entscheide. Dafür gibt’s dann sogar noch Einlegesohlen, Waschmittel und ein Müffelprotector-Spray als Rabatt dazu. Entweder waren die saufreundlich oder wollten mich loswerden, wer weiß? Auch ein Fernsprecher ist schnell gefunden und Georg kann einen Staubsauger aufstöbern. Und jetzt zurück: „Am ersten Kreisverkehr – die erste, zweite, ja welche denn nu?“ Mmh, verfahren. Okay, schnell das Navi einschalten. Leichter gedacht als getan: Nachdem wir dreimal über den gleichen Kreisverkehr gefahren und fünfmal in einer Sackgasse geendet sind, dämmert mir allmählich, dass die Karte nicht eingenordet ist und sich ständig mitdreht (ist schon blöd wenn man das anders gewöhnt ist). Jedenfalls ist das Tagesziel damit erreicht, und man bringt den Abend gemeinsam in Gerts Hütte zu Ende, wo zu Georgs Abschied, unter Blitz und Donner, die Gläser kurbeln.

Der Dienstag geht als historischer Moment in meine Geschichte ein, war ich doch das erste Mal in meinem Leben in einer Polizeistation. Dort wurde mit Hilfe von Markus Geisen noch einmal nachgestochert bezüglich des Polizeiberichtes über den Einbruch, zumindest erfolgversprechend. In Anbetracht des weiterhin schlechten Wetters wird wieder nach bodenständigen Aktivitäten gesucht. Ein Primärziel ist die Beschaffung eines neuen Sichtoptimierers für meine Wenigkeit, denn unscharfes Fliegen ist ganzschön besch…ränkt. Aber was muss man feststellen? Beim Optiker klebt doch tatsächlich ein Schild am Schaufenster: bis 5. Januar geschlossen. Das mit dem Autofahren zum Flughafen könnte interessant werden :-/. Überhaupt ist die Stadt menschenleer und in der Lodge gibt es noch ganze drei Bewohner. Da liegt es nahe, mal im etwas größeren Umkreis zu schnüffeln. Gesagt, getan: Wir unternehmen einen Vorstoß über die imaginäre Mauer ins schwarze Ausland. Was man dort so findet, erklärt so einiges über die drei Meter hohen, stacheldrahtbewährten Mauern der Anwesen im „weißen Inland“. Die riesigen Hüttensiedlungen sind zwar keine Wellblechslums, aber auch nicht viel besser. Man möchte hier nicht ohne Sprit liegenbleiben. Trotzdem ist es faszinierend, wie sich lokale Autowerkstätten darstellen: Im Vorbeifahren sieht man Überdachungen mit einem Schweißgerät, einem Dutzend Rädern und dazu noch eine Handvoll Arbeiter, die einem erwartungsvoll entgegenblicken. Auch die örtlichen Telefonanbieter, namentlich Vodacom, wissen mit hochmodernen Filialen, in Form eines Containers, die Bedürfnisse der Bevölkerung gesichert. Dass da des Öfteren mal eine Truppe zum „Spendensammeln“ auszieht, ist eigentlich leider schon fast selbstverständlich. Zum Abend folgt die nächste Exkursion, diesmal in den Gourmetbereich, wo ich meine Unbedarftheit wiedermal zum Ausdruck bringe. Gert ist endgültig davon überzeugt, dass ich die Personifizierung des Antigourmets bin, als ich zu den (hervorragenden) Avocados mit Moppelkotze bemerke: gut essbar, aber zu aufwändig und nicht mein Fall. Dafür bin ich von Petras Kartoffelsalat hin und weg (wer da eine Chance hat, zugreifen!!!), was sich in einer enormen Schwundrate bei den Kartoffeln niederschlägt. Nach dem ausgiebigen Schlemmerabend wird aber zeitnah der Rückzug in die Pforzmulle geordert, da sich gutes Wetter anbahnt.

Weihnachten mal anders, 24. & 25. Dezember

Der folgende Mittwoch ist weltweit ein besonderer Tag, an dem viele Familien eine gemeinsame Auszeit nehmen: Weihnachten. Nur in Kuruman und ein paar anderen Orten der Südhalbkugel stellt sich eine ganz bestimmte Gruppe Verrückter quer: die Segelflieger. Gutes Wetter geht bei uns ja bekanntlich über alles, und wenn sich dann 1.000 km ankündigen, kann man ja nur noch fliegen gehen. Es geht auch verhältnismäßig zeitig um 10:30 Uhr lokal los. Kaum ist der Rotax verpackt, kommt auch schon die erste Ernüchterung: Die noch spärlichen Bupfen stehen in nur knapp 3.500 ft GND, einzig und allein über den Kuruman Hills. Also rutschen wir zunächst in unbequemer Höhe über den Hügelzug. Steigwerte kaum über 1 m/s lassen zunächst nichts Gutes erhoffen und lassen uns vorsichtig mit 130 km/h vorwärts schleichen. Das ist auch die erste Gelegenheit, bei der ich die Spitze des Funkmastes zwischen Kuruman und Danielskuil, fliegenderweise über mir vorbeiziehen sehe . . . Auch Gert ist mit der Lage nicht wirklich zufrieden und lässt so einige „Ooch nö’s“ und „Das gibt’s doch nicht!“ verlauten. Als sich etwa 15 km vorm Höhenzug auch Cumulanten zeigen, wird kurzerhand 45° abgebogen und dort gesucht. Eine weise Entscheidung, wie die danach auf gute 10.000 ft. angestiegene Basis und 3m/s Bärte beweisen. Endlich kann ich aufhören nach landbaren Äckern zu schauen, die zwar nicht unauffindbar aber doch recht selten sind (Macht der Gewohnheit). Gerts Anweisung nach dem Aufstieg: „Obenbleiben!“ So wird der Weg zur ersten Wende doch noch etwas beschleunigt. Und es kommt noch besser: Zurück auf Nordkurs zeigen sich merkwürdig zerrupfte Wolkenformationen, längs zu den Kuruman Hills und quer zum Wind. Ich denk mir erstmal nix dabei und flieg mitten durch, mit zunehmender Fahrt und Höhe :-D. Postwendend fängt Gert an, mit seiner Kamera rumzufuchteln und nach Passieren des Phänomens gratuliert er mir doch tatsächlich zum ersten Konvergenzflug!

Aber kaum sind wir daran vorbei, vergesse ich wieder gemäßigter zu fliegen und breche erstmal Gerts goldene Afrikaregel: „Nie unter 1.000 m!“ Das darauffolgende Rumgeeier nahe Kuruman findet dann aber doch noch mal im 3-Meter-Bart ein Ende. Zurück am Steuer hab ich wieder Gelegenheit, meine Handhabung des Großraumtransporters zu üben. Teilweise gelingen mir hin und wieder sogar nicht-schiebende Kurven und so langsam scheine ich auch beim Wölben, auf die richtige Spur zu kommen. Bei der Vorflugtaktik unter der von Kuruman in Richtung Nordwest verlaufenden Wolkenstraße, perfektionieren wir unsere Kommunikation von: „Bissl mehr rechts! Ja!“ auf: Gert fuchelt mal kurz links oder rechts und gibt bei Gefallen den Daumen. Funktioniert erstaunlich gut. So fliegen wir NW bis die Wolken dünner werden und schließlich gute 50km in Botswana ganz verschwinden. Da kommt natürlich nur ein Jojo in Frage, also kehrt und die Straße geschwind zurück nach Kuruman mit Steigwerten von 4-5m/s und Basis bei 16000ft. Gewendet wird wieder etwa 40km südlich Kuruman. Das konstant gute Wetter ermöglicht uns einen weiteren Schenkel mach NW bis auch hier die Wolkenstraße endet. 18:00 Uhr sind wir dann noch gute 50 km NW von Kuruman und haben gute Aussichten, die Wolken über dem Platz zu kriegen und die letzten 1,5 h vor Sonnenuntergang auszufliegen. Tatsächlich trägt uns die mäßige Abendthermik nochmals auf 15.000 ft und lässt uns die letzte Stunde und 120 km abgleiten. Obwohl es mit der tiefstehenden Sonne im Rücken auch leicht zu frösteln beginnt, immer wieder ein Genuss! Und tatsächlich: nach dem Ausrollen ist der erste echte Tausender (1.027,9 km) geflogen.

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Gert, das war definitiv das schönste Weihnachtsgeschenk dass ich bis jetzt erhalten habe. DANKE!!!

Zu guter Letzt, da heute ja Weihnachten ist, wird wieder einmal die Red Sands Lodge beehrt. Seit einer Weile die erste Gelegenheit, den Hyundai mal wieder zu nutzen. Ich stelle immer wieder fest, dass man als Antialkoholiker ein sehr beliebtes Kneipen Schuttle betreiben kann. Beim Essen habe ich zunächst vor, mir ein großes Steak zu gönnen, was ich aber nach einem Blick in die Speisekarte (großes Steak 600 g, klein 350 g) doch recht schnell nach unten korrigiere. So geht das erste Weihnachten ohne beleuchtetes Waldimitat zu Ende, auch mal ganz schön.

Der erste Weihnachtsfeiertag bringt wieder Flugwetter mit sich. Da die Zeit schon etwas fortgeschritten ist, wollen Gert und ich jede Chance nutzen, und bugsieren unser Gefährt mit beginnender Routine auf die 02. Gestartet wird noch zeitiger, 10:00 Uhr loc. Wir legen den ersten Schenkel nach Richtung SO in Richtung der sich bereits gut entwickelnden Wolken, kommen erstaunlich gut weg und fliegen einen 150-er Schnitt auf dem ersten Schenkel. Alles scheint sich prächtig zu entwickeln, lediglich eine etwas sehr schwarze Wolke erleichtert sich geringfügig, als wir sie unterqueren. Wir wenden an Kimberleys Luftraum direkt nach West, wo es es allerdings schon etwas überentwickelt ausschaut. Auch die Basis geht langsam von den ohnehin nicht üppigen 10.000 ft herunter. Gert setzt dem ganzen dann noch die Krone auf, als er auf die Frequenz von Douglas umschaltet. Das erste was wir da zu hören bekommen, ist eine nicht sehr zuversichtliche Meldung eines gewissen Benno B. über eine Flughöhe von 380 m. Die Lage spitzt sich zu. Als wir kaum 100 km nach Westen gekommen sind, wird es blau, und hinter uns hat jemand die Kochplatte ganz aufgedreht. Also hilft nur, wieder nach Norden Richtung Kuruman ausweichen und hoffentlich rechtzeitig am Platz sein. Wenn da nicht dieses Schießgebiet auf Kurs wäre …
Wie wir da wieder raus gekommen sind? Tja, die Geschichte ist hier fehl am Platz 😉 Trotzdem sind wir natürlich in Platznähe angekommen und überlegen, den Flug fortzusetzen. Ein kurzer Rundumblick und Meldungen des nicht abgesoffenen Herrn B. erübrigen aber auch das schnell: Rundum Schauer mit zunehmender Ausbreitung veranlassen uns nach gut 450 km zur baldigen Transferierung der Traglast von Flügel auf Gummirolle.

Die Überentwicklung vom Dienst (ÜVD), 26. & 27. Dezember

Zweiter Weihnachtsfeiertag. Nachdem wir gestern unseren Luftkampf wegen strategisch ungünstiger Entwicklung der Wetterlage vorzeitig abgebrochen haben, wird der Wetterbericht heute ganz besonders kritisch beäugt. Der Afrikaner sagt neuerdings immer das Wetter von gestern voraus, ist schon auffällig … Trotzdem wird der Flugplatz aufgesucht und eifrig mit Hans diskutiert, der sich bei Wetter-Jetzt informiert hat. Auch dort wird für heute nur heiße, hochschießende Brühe vorhergesagt. Also muss ein Alternativplan her. Der erlösende Vorschlag kommt diesmal von Markus: Wir versuchen uns am Kessel und projektieren eine Soljanka. Damit steht das Nachmittags- und Abendprogramm. Davor bleibt noch ein bisschen Zeit, in der ich die Flugplatzbibliothek durchforste und das Handbuch für Segelkunstflug herausangele. Mit der Lektüre und entsprechenden Manöver- und Gleichgewichtsübungen am schwenkbaren Liegestuhl vergeht der Tag doch recht fix und alles konzentriert sich darauffolgend auf die köstliche Soljanka. Markus, gute Idee!

Samstag. Bereits früh morgens hängen mittelhohe Wolkenfelder über der Lodge, was unsere Hoffnung auf einen Start schnell negiert. Das Satellitenbild zeigt die Grenze der Felder etwa 100 km südwestlich. Die Vorhersage kündigt keine Verbesserung für heute an. Tatsächlich entschließen wir uns direkt dazu, heute den Flugplatz auszulassen und direkt nach Kathu zu fahren. Dort wird die Mall unsicher gemacht und ich mockiere mich beim örtlichen Händler für Fernsprecher über die mangelnde Speicherkapazität des neu erworbenen Gerätes. Nach kurzem Disput drückt dieser mir doch glatt eine Speicherkarte für umsonst in die Hand.

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Trotz der mittelhohen Bewölkung setzt kurz nach Mittag die Thermik ein, und nach kurzer Zeit quellen sämtliche Löcher zu. Zurück in der Lodge sehen wir auf einmal einen Arcus über der Stadt kreisen. Zunächst angestellte Vermutungen, dass Hans doch nochmal gestartet ist, stellen sich als nichtig heraus.
Es handelt sich um einen Sportsfreund von außerhalb, den wir dann auch am F-Schlepp-Seil wieder abreisen sehen. Nun gut, wenn schon mal ein Kurumaner in Douglas einkehrt, warum soll das nicht auch andersrum funktionieren?

Die finalen Flüge, 28. & 29. Dezember

Der Sonntag beginnt, zur Erleichterung des Gemüts, mit blauem Himmel. Auch sagt der Afrikaner halbwegs taugliche Bedingungen voraus. TopMeteo hat sich das Wetter von gestern auf die Fahnen geschrieben. Bei der Fahrt zum Flugplatz sieht man im Nordosten allerdings bereits die Luftmassengrenze mit hochaufschießender dichter Advektionsbewölkung. Wir hoffen auf die goldene Mitte und ergreifen trotz der immer noch hochlabilen Lage die Chance, gegen 10:00 Uhr loc einen frühen Start zu wagen. Altbewährt wird Südkurs entlang der cumulierten Kurmuan Hills eingeschlagen. Nach 50 km zeigt sich aber bereits die (zu) hohe Labilität an tiefschwarzen Wolkenstraßen, kaum 1,5 h nach Thermikbeginn.
Wir entwischen weiter nach Süden und wenden etwa 140 km südlich Kuruman. Der Blick nach Norden ist, gelinde gesagt, interessant. Im Osten, das gleiche schwarze Gebräu mit integrierter Spränkleranlage. Süd und West: Blau. Da bleibt nur eins übrig: vorsichtig nach Kuruman zurücktasten. Überhaupt scheint heut alles quer zu laufen.
Meine Steuereingaben werden zusehends suboptimaler, was Gert am Abend mit „das war dein schlechtester Tag heute“ zutreffend umschreibt. Man kann halt nicht immer oben fliegen ;-). Dann sagt der Nano endlich „null Meter schwarz“ auf Kuruman. Die zwei Schauer auf Kurs sind aber anderer Meinung. Wir versuchen über den total abgeschatteten Hills tragende Linien zu finden und kurbeln des Öfteren im Nullschieber, um Zeit zu gewinnen. Da entdecke ich einen aufsteigenden Kondensbupfen und steche an, in voller Überzeugung dort Steigen zu finden. Vergebens. „Tja denkste!“, kommt von vorn. Statt Steigen kommt jetzt die negative Version bei uns an. Nur winzige vereinzelte Sonnenlöcher lassen uns unter der 8/8 Bedeckung noch hoffen. Tatsächlich, Gert fädelt kaum 800 m über den Hügeln 2 m/s ein und bringt uns so über den Gleitpfad. Am Platz angekommen lässt sich nur noch feststellen, dass da gerade verbreitet kostenlos geduscht werden kann. Auch Beleuchtung und Elektrizität ist immer wieder mal umsonst vorhanden. Ein Traum für jeden Mieter, schlecht für uns, da wir eigentlich landen wollen.
Also dirigiere ich: „Fliegen wir eben weiter.“ Gert gesteht mir darüber am Abend folgenden Gedankengang: „Hat der immer noch nicht die Schnauze voll?!?“ Nach Nordwest wird es lichter und geht auch auf 12.000 ft hoch. Eigentlich gar nicht schlecht. Somit verlagern wir den Standort nochmal 120 km nach Nordwesten, wo es aber kurioserweise blau wird. Kaum gewendet, sehe ich wie Gert anfängt, rechts unten im Cockpit herumzufuhrwerken. Sofort verschwindet das Hintergrundrauschen, was vorher keinem so richtig aufgefallen ist. Damit wir uns verstehen: Nach 400 km haben wir uns dann dazu entschlossen, das Fahrwerk einzufahren … Ein Glück, dass wir heute allein unterwegs waren :-D.
Sofort erscheint uns alles einfacher und wir erreichen nach 530km Kuruman. Zwar rutschen wir bei der Landung über die klitschnasse Piste, aber dafür ist zumindest jetzt die Sonne da. Das Anbinden und Beziehen des Geräts erfolgt, wegen weiterer drohender Energieentladungen von oben, in solcher Hast, dass ich beinahe die von Gert geliehene, äußerst hochwertige, edle Uhr, Fabrikat Hirsch, im Gebüsch verliere. Der Grund: ein gerissenes Lederarmband. … Und, wie hilft sich der Segelflieger in diesem Fall? Genau, mit Universalreparaturtape von Nitto!

Montag. Eigentlich ist das Trainingslager heute für mich vorbei. Aber da wir doch eine recht magere Ausbeute an Flügen hatten und ich eh noch da bin, überzeugt Gert sich davon, den heutigen Tag noch dranzuhängen. Danke! Das Wetter sieht heute wirklich vielversprechend aus und bietet eine ausgedehnte Zielstrecke nach Botswana Richtung NW an. Der obligatorische Südschwenker am Morgen endet unter meiner Gestängeverschiebung zweimal im Keller. Trotzdem holen wir uns bei mäßiger Thermik so die ersten 150 km. An Kuruman vorbei mit Kurs 320° geht es dann aber geschwind auf die Grenze zu, die wir kurz nach halb zwei überfliegen. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, rammel ich sofort unter ersten guten Wolke in einen 6,5-m/s-Bart, was der Nimbus mit einem Ächzen und Gert mit „Ahhh, nicht so schnell!“ kommentiert.
Viel schlimmer noch: Bereits den ganzen Flug über hat uns ein penetrantes Pfeifen bei negativer Wölbung den Nerv geraubt und schlägt jetzt die ganz hohen Töne an (später wird festgestellt, dass wir das komplette untere Spaltdichtband an der linken Wölbklappe verloren haben). Dafür schaffe ich es zur Abwechslung mal, den Bomber stabil und zentriert im Kreis zu halten und bis an die 11.500 ft Basis zu steigen. Wenn das so weiter geht wird das ein richtig guter Flug, und ich presche mit 180 km/h weiter vor. 100 km hinter der Grenze übernimmt Gert das Steuer und ich versuche mich mal in „old school Navigation“, d.h. Karte hervorkramen. Der Abgleich Karte zu Landschaft führt nach einigen Minuten und mehreren Rundumblicken beim Kurbeln auf folgendes Ergebnis: Eindeutig und einheitlich leer, nix zu sehen. Erst der Abgleich mit den Koordinaten vom Nano zeigt die wahre Position. Okay, habe mich um 50 km verschätzt, aber bei den üppig vorhandenen Orientierungspunkten möge man mir verzeihen. Dafür staune ich nicht schlecht, als 20 min später die Ortung einen Flugplatz unter uns ausweist. Alles schaut nach unten und sieht: eine Salzpfanne, gut und gerne 20 km² groß und mit Namen als Platz in der Karte vermerkt: „Jackies Pan.“ Der einzige Minuspunkt: ohne Hotel und Autobahnanbindung für Rückholtouren :-/.
Jetzt habe ich aber einen besseren Ausgangpunkt als nix und kann so die nächsten Punkte voraussagen: eine Gruppierung aus drei Ortschaften (Lehututu, Hukunntsi, Tshane) mit je einer landbaren Salzpfanne bleiben links und eine kreisrunde Pfanne rechts liegen. Dazwischen verläuft eine Asphaltstraße mit etwa einem Fahrzeug im 100-km-Radius. Wir sind etwa 420 km NW Kuruman und Gert steuert weiter mutig auf den in der Karte vermerkten Rand der Erdscheibe zu. Dann sind drüber hinweg und stellen fest: die Welt geht weiter, unglaublich! Ja man kann tatsächlich von Karten runterfliegen obwohl man am gegenüberliegenden Ende gestartet ist :-D.
Es wird Zeit für die Wende, welche dann 50 km neben der Karte und 480 km NW Kuruman um viertel vier erfolgt. Und weil wir so bequem mit 20 km/h Rückenwind und im Schnitt 4-m/s-Bärten hier hoch geflogen sind, dürfen wir zurück mit 30 km/h Gegenwind und Ausbreitungstendenz mit max. 3 m/s auskommen?! Oha. Zitat G.K.: „Und dann brach die Kommunikation im Cockpit zusammen.“ Der Grund: Vorne werden Bestleistungen im Vor- und Kurbelflug verbracht, während sich hinten ständig eine einfache Gleichung aus den Variablen verbleibende Zeit, Strecke und Durchschnittsgeschwindigkeit als unlösbar erweist, da der Zeitpunkt für Sunset vergessen wurde …
Ich kann daher bloß schätzen und weiß, das wird eng. Wir mogeln uns immer weiter notgedrungen mit klassischem McCready über die einzelnen Bärte und lange Gleitstrecken an die Grenze heran, die dann 18:00 Uhr passiert wird, immer noch knapp 200 km von Kuruman entfernt. Die Wolken werden immer spärlicher und die letzten sind 19:00 Uhr 100 km vorm Platz passiert. Als Gert auf einmal Kurs nach Hotazel einschlägt, denke ich schon, wir statten da mal einen Besuch ab. Aber nein, die Geheimwaffe kommt zum Einsatz und zerpflückt die abendliche Ruhe mit dröhnendem Zweitaktgeknatter. Ja, so kann man sich die letzten 1000 m nach Hause ganz gut miteinpacken, wenn mal kein Kraftwerk auf dem letzten Schenkel vorbeikommt. Mit dem umgesetzten Kraftstoff können wir nochmal anstechen und rauschen um 19:40 Uhr über das Zielband zur Landung bei roter Sonne. Zehn Minuten später ist es dunkel und Petra holt uns schon mit eingeschaltetem Scheinwerfer von der Bahn.
Am Abend steht fest: neuer persönlicher Streckenrekord für mich mit 1.058,2 Wertungskilometern und neuer (Pionier-) Rekord im Zielrückflug nach Nord. Da oben war wohl vor uns noch keiner. Gert da muss ich an der Stelle noch mal ein ganz großes Dankeschön aussprechen. Dieser Flug wird bei mir eingerahmt im Wohnzimmer hängen.

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Die Rückreise, 30. & 31. Dezember

So, wie bekanntlich die Wurst zwei Enden hat, muss auch diese Reise zumindest ein Ende haben. Nachdem ich meine verbleibenden Habseligkeiten wieder in den Hyundai gezerrt und den Inhalt meiner neu befüllten Monetenschachtel beim Lodge-Eigentümer ausgekippt habe, geht es zum letzten Mal auf den schon vertraut wirkenden Flugplatz zur Verabschiedung. Alles wünscht mir gute Heimreise und umarmt nochmal. Gert schwöre ich darauf ein, die Veranstaltung weiterzuführen. Die Junioren werden sich freuen. Dann verlasse ich jedoch endgültig das Städtchen Kuruman über die N14 in Richtung Johannesburg. Die Fahrt verläuft problemlos und zum Glück habe ich eine mehrstündige Zeitreserve. Das Fehlen einer adäquaten Brille macht sich dann doch bemerkbar als ich auf einmal vor dem falschen Flugplatz zum Stehen komme … Egal, fahren wir eben nochmal quer durch die ganze Stadt, warum auch nicht. Im Flughafengebäude wird die Dreckwäsche verfrachtet und ein wesentlich preiswerterer Snack als in Frankfurt eingenommen. An Bord des Airbus habe ich diesmal einen Kanadier als Nachbarn, mit dem ich meine englische Sprache auf die Probe stelle. Es reicht immerhin dafür aus, sich gemeinsam über die zweistündige Abflugverzögerung auf Grund der Ersatzteilbeschaffung für die defekte Steuerung der Klimaanlage eines Frachtraumes aufzuregen. Der Flug über Nacht verläuft sehr ruhig und ich döse mit klassischer Musik schnell weg.

Mittwochmorgen landen wir in Frankfurt und trennen unsere Wege. Rodger, so hieß er, fliegt weiter nach Kanada, und ich vertraue erneut auf die Bahn von Eisen. Kaum bin ich dem Terminal entflohen, will ich sofort wieder zurück: Von 35° und cumuliertem Himmel zu -5° und grauem Himmel ist einfach nur besch…eiden. Aber gut, wenigstens fährt der Zug zeitnah, 40 min nach Ankunft des Fliegers.
Noch schnell zu Hause die Ankunft ankündigen. Nächster Stolperstein: Mobilfernsprecher bekommt mit ZA-Simkarte kein Netz. Okay, Münztelefon, macht sich sehr gut ohne Euro-Cents. Schließlich funktioniert es beim dritten Versuch mit Kreditkarte an der Telekomsäule. Für 2 min Gesprächszeit 1,80 EUR. Damit ist diese Hürde aber auch gemeistert. Ankunft in Bautzen. Große Wiedersehensfreude mit dem Schöpfer. Natürlich soll ich die Kalesche nach Hause lenken und steige gleich erstmal rechts ein. …Und wiederum fährt jeder auf der verkehrten Straßenseite, nicht auszuhalten. Silvester steht mit lautem Geballer vor der Tür und leitet das neue Jahr für mich in Deutschland ein. Damit endet mein Erlebnisbericht zum Kuruman Gliding Camp 2014.

Fazit

Zunächst möchte ich noch einmal ein ganz großes Danke an Petra und Gert richten, die mir diesen wunderschönen Urlaub ermöglicht haben. Eins ist sicher: Alleine hätte ich mir das nicht leisten können und wäre in Südafrika verloren gewesen (dass das fast wirklich passiert wäre, lassen wir mal außen vor, dafür könnt ihr ja nix ;-)).
Gert, von dir habe ich mir auf den gemeinsamen Ausflügen viel abschauen können und viel wertvolle konstruktive Kritik an meinem Flugstil aufgesogen. Ich bin gespannt, wie ich das in Zukunft umsetzen kann, unter anderem die Quax-Weisheit der zwei Finger. Auf jeden Fall hatte ich neben dem Lerneffekt einen Riesenspaß und definitiv den bisher besten Urlaub meines Lebens. Petra, Deine Rundumbetreuung ist über jede Bewertung erhaben. Erhalte dir deine unbeschwerte Art! Alleine die Tatsache, dass ich gut und gerne 2-3 kg zugenommen habe, spricht Bände über deine Verpflegungsmanufaktur. Zusammen seid ihr ein Spitzenteam und ich kann nur jedem wärmstens empfehlen, bei euch mal vorbeizuschauen!
Ach, und alle Junioren, die tatsächlich bis hierhin lesend durchgehalten haben: Dieser Preis ist nicht vergleichbar, weder mit einer Medaille noch einem Pokal. Er ist wesentlich einzigartiger, erstrebenswerter und kann von jedem, der wenig Zeit und älteres Gerät hat, errungen werden. Mir haben 3 x 500 km deklarierte FAI-Dreiecke (2.498 DMSt-Punkte) zu diesem Preis verholfen. Es ist nicht zu schwer, nutzt diese einmalige Chance!