Aktueller Bericht


Bericht Dr. Dina Hannebauer, Ulf Gohte

6000km in knapp 60h

Kuruman again, so dachten wir, würde unser fliegerisches Erlebnis Ende November/Anfang Dezember 2017 werden. Vor 2 Jahren erlebten wir Kuruman von seiner besten Seite. Doch weit gefehlt.
Der 1. Flug begann im A380-1000 gestartet in London, sollte uns diese geile Zahl die ganzen 14 Tage begleiten, landeten wir im strömenden Regen am Samstag früh bei 14° in JNB!
Einen Makel hatte dieser Flug allerdings und der heißt Sven und war ständig bei uns – der private Sklave unseres verehrten Meisters, Gert Kuruman.
Der Regen begleitete uns bis Vryburg, 150km vor Kuruman. Die trockenen Salzpfannen waren gefüllt mit Wasser, Pfützen an der Strassenseite spritzen an den Autotreifen hoch. Zum Glück erhöhte sich die Außentemperatur auf gutgelaunte 28°C. Jeder Segelflieger weiß jedoch um die thermische Beschaffenheit bei derartiger Feuchte im Boden…
Bevor wir Kuruman erreichten, wurden wir von den Kuruman Crews Gert (NX) & Klaus (HA) abgefangen zum Abendessen in die Redsand Lodge. Denn es hieß: „Stärken für die nächsten Tage“, und bereits am Sonntag hoben wir ab zum Einfliegen mit der PK Nimbus 4 DM, ab.
Kleinen hübschen Wolken folgend flogen wir gen Vryburg, um der Feuchte des Bodens Tribut zu zollen. Ca. 17.00 Uhr schaltet Petrus die Thermik ab und wir nahmen Schleichfahrt ein gen Kuruman. Logo ein hübscher Landeplatz zeigte Gerts hübsches LX noch als möglichen Ausweichort an. „Logo“, lachte uns Gert verschmitzt abends mit einem Castle Lager Bier aus, ist nüscht, ein Platz im Nichts aus Nichts….
Und der RUN begann…Montag 800km, Dienstag 850km, Donnerstag ein starkes 545km Dreieck, Freitag 850km, Sonntag 911km, Mittwoch 670km, Donnerstag 90km,Freitag 200km und Samstag 950km. Fast alle Tage waren geprägt von anfänglicher Blauthermik, späteren hohen schnellen Wolken, Gewittern, Turbulenzen und langen Endanflügen.

geile Wolken

Um in Fahrt zu kommen nahm uns HAi (Klaus) am Dienstag in Schlepptau und im betreuten Fliegen ging es nach Douglas, wechselte unser Edelbetreuer den Kurs auf 320°. Hier bildete sich eine Schauerlinie, der wir 380km folgten. Die Schauerlinie surften wir ca. 200km an seiner Vorderseite entlang im Schatten des HAi.

Schauerlinie

Der Hai fraß sich an seinem Ende durch eine Schauergardine und nahm dann Umkehrkurs. Die Schauer schienen undurchdringlich gen Heimat, so dass wir 100 weitere km nach Süden flogen. Dort tief angekommen, schnappte sich der HAi seinen nächsten Happen und schoss durch einen Regenvorhang gen Hotazel. Wir kniffen den Arsch zusammen und bogen 90° rechts ab nach Sischen, einem Verkehrslandeplatz 50km westlich. Der HAi holte sich hinter dem Vorhang seinen letzten Bart nach Hause und vollendete seine 900km, wir zogen den Motorjoker und trugen 850 begleitete km nach Hause. Beim Ausrollen eilte uns der Leibeigene Sven freudig erwartend mit einem Bier entgegen und es machte … Zisch, als er das Bier öffnete.

Sonnenuntergang

Schon am Vorabend des folgenden Mittwoch schmierte sich Gert Bemmen, ein Omen für 1000+ km. Das Briefing war vorverlegt, 10.00 Uhr Startbereitschaft auf Runway 02.

Startaufstellung

Gert startete als Erster. Quälende Blauthermik bis maximale 1000m GND machte den schwarzen Knüppel schweissnass, es kamen Erinnerungen an Roitzschjora 2001 und die goldene Anhängerkupplung auf. Heiße 1 ½ h wurden Runden um Kuruman gedreht. Aus den meteorolügischen 1000km zogen ziemlich alle 9 Piloten ca. 600km heraus. Gert sei Dank.
Die Übung hatte ihr Gutes. Zum Bergfest, am Sonntag, hatten wir unser Hoch. Sven war wie immer hilfsbereit, holte die O2 Flaschen, schmierte Gert die Bemmen, stellte das Bier kalt und zielt schon nach einer Woche den Edelhelferstatus an :). Schon eine halbe Stunde nach Start trauten wir uns einen blauen Abflug gen Spitzkopf (125° SO) zu. Die blauen Bärte vermuteten wir an den Farmen, die an weißen Sandflächen lagen und hin und wieder hob sich dort auch die Fläche in turbulenter Warmluft. Nach 100km bogen wir ab zu den ersehnten Wolken. 260km Konvergenz in die botswanische Savanne waren purer Genuss. Nach dem betreuten Fliegen und väterlichen Ratschlägen von Gert und Klaus, machten wir unsere Meister stolz. Nach 2h querten wir den Grenzfluss zu Botswana, mussten jedoch wenden, da eine weitere Front im Norden stand. Die Konvergenz verpasste uns mit Rückenwind einen weitere Kick und einer Durchschnittpower von 170km/h bis Höhe Kuruman. Richtung Kuruman standen Lentis am Himmel. Weiter Fahrt nach Süden hob sich die Basis dank Scherwellen von 4.500m MSl auf 5.400m MSl. Unserem Tagesglück entgegen glitten wir 165km nach Kuruman ab. Was für ein geiler Tag.

Dina&Ulf

Bis zum Ende unseres wirklich schönen Urlaubes begleiteten Gewitter unsere Tagesplanung, die je nach Tageslaune und Risikoschwelle mehr oder weniger genutzt wurden. Safety First war unser Motto.
Nicht vergessen werden darf unser Kulturtag zur Big Hole, der ältesten Diamantenmine in Südafrika, in Kimberley. Zusammen mit Sven hatten wir einen lustigen und interessanten Tag in Afrika.
Besonderen Dank gilt unseren Freunden Jutta und Sven, die unsere Tage mit Fürsorglichkeit und Herzlichkeit bereicherten. Wein, lekker Steaks und „He Lehne“ versüßten unsere Abende.

gemütlicher Abend
Den gesamten Urlaub und die wirklich interessanten Flüge hätten wir mit Sicherheit ohne Klaus und Gerts Unterstützung nicht umsetzen können. Das ist schließlich die wirklich schöne Idee am Kuruman Gliding Camp: Du wirst hier nicht allein gelassen!

Dina und Ulf – wir kommen wieder!


Bericht Dieter Prang  HD

Von Konvergenzen, rosa Wolken und kräftigen Schauern …

Als Südafrika-Neuling war ich ganz besonders gespannt was mich hier in Kuruman erwarten wird. Nach 16 Flugtagen mit insgesamt 107 Stunden und jeder Menge Kilometer kennt die Begeisterung nach wie vor keine Grenzen! Zwar will sich die ‚klassische‘ Südafrika-Wetterlage nicht einstellen und die eingefleischten Kurumanier warten leicht ungeduldig darauf, dass es endlich richtig losgeht, aber wenn man das deutsche Wetter gewohnt ist und es nicht besser weiß, dann kann man es nur großartig finden.
Unsere ASH31mi ist wohlbehalten in Kuruman angekommen, aufgerüstet und los geht’s. Die ersten Tage waren durch Blauthermik dominiert, die hier allerdings deutlich mehr Spaß macht. Bei einer Arbeitshöhe von durchschnittlich 3000 Metern kann man auch längere Durststrecken leichter überbrücken und der nächste Bart kommt bestimmt. Dann geht es manchmal rauf wie im Fahrstuhl … und danach manchmal auch genauso wieder runter; aber insgesamt kommt man recht verlässlich voran.
Wir hatten das Glück, dass sich in den letzten Tagen mehrfach Konvergenzen aufgebaut haben. Der Weg dorthin (und von dort zurück) ist manchmal etwas mühsam, aber dafür wird man mit einer Thermikautobahn belohnt, die mehrere 100 Kilometer lang sein kann. Um erste Erfahrungen zu sammeln, wo man am besten und schnellsten unterwegs ist, fliege ich einfach mal Georg mit seinem Nimbus 4DM hinterher. Ich achte darauf, dass ich ihn bloß nicht von meinem Flarm verliere und bekomme so langsam ein Gespür für die Ideallinie. Die satten, dunklen Wolken sind zwar sehr verlockend, aber am besten geht’s an der Vorderkante, wo sich leicht zerrissene Wolkenfetzen bilden. Man steigt unter den Wolken, vor den Wolken und zwischen den Wolken und plötzlich ist man drüber. Ich habe ein spektakuläres Panorama; links Blau, rechts Regen und vor mir die nicht enden wollende Konvergenzlinie.

Es wäre langweilig, wenn die Konvergenz sich immer gleich aufbaut. Bei starkem Wind zeigt die Wolkenunterseite gerne eine wellige Struktur. Allerdings musste ich auch lernen, dass es dort nicht zwangsläufig nach oben geht.

Am meisten Spaß macht es am 4. Dezember, wo ich unter einer Konvergenz ganze 270 Kilometer nach Nordwesten bis an die Grenze Botswanas fliegen kann. Ich lerne, dass man die Klappenstellung 1 der ´31 auch im Vorflug gut verwenden kann und dann und wann warnt mich mein LX, dass wir zu schnell sind. Das hätte gerne noch ein paar Stunden so weitergehen können, allerdings hat das Wetter bereits am Nachmittag abgebaut und wir treten den Heimweg an.

Neben den Konvergenzen habe ich auch besondere Freude an den rosa Wolken. Bei starker Thermik wird viel roter Kalahari-Staub mit nach oben transportiert. Das gibt den Wolken einen besonderen Charme und ist auch recht nützlich, weil man eine Indikation hat wo sie besonders gut ziehen. Leider filtert meine Sonnenbrille das Rosa weitgehend raus und so setze ich sie dann und wann mal ab, um das Spektakel in Originalfarbe zu genießen.

Die Feuchtigkeit ist die ‚Seele der Thermik‘ und ohne Feuchte hätten wir hier keinen Spaß. Allerdings ist es manchmal auch zu viel des Guten und während des hiesigen Winters bilden sich gerne Schauer und Gewitter. Sie bilden sich schnell und man muss darauf achten, dass man auf der ‚sicheren‘ (trockeneren) Seite der Luftmasse fliegt (sonst ergeht es so wie Harry, der unfreiwillig in Fryburg übernachten musste). Zum Abend brechen die Schauer aber auch zügig zusammen und wenn man nicht zu weit vom Platz entfernt ist, dann steht einer entspannten Landung normalerweise nichts entgegen.

Die Schauer haben ein anderes Bild als gewohnt. Durch die große Höhe in der man fliegt erscheinen sie lokal begrenzt, auch wenn das vom Boden aus ganz anders empfunden wird. Und wenn es regnet, dann sieht es aus, als würde jemand den Stöpsel aus der Wolke ziehen. Man kann erkennen, dass von dem Regen der oben aus der Wolke rauskommt, nur wenig am Boden ankommt. Ach ja; und wenn man mal in so einen Schauer reinkommt, dann prasselt der Hagel gegen die Haube. Man möchte auf Mindestfahrt runter, aber das bringt einen ja auch nicht wirklich weiter.

Meine ersten 3 Flugwochen neigen sich dem Ende und in 3 Tagen geht’s zurück nach Deutschland; der Glühwein ruft. Meiner Bruder Helmut übernimmt unsere `31 bis ich Anfang Januar 2018 in das dritte Drittel der Saison starte. Ich bin zwar noch gar nicht weg, aber kann es bereits kaum erwarten, wieder anzukommen.

Bericht Dieter Prang


Bester Junior Sachsen – Alrik Dargel
28.11.17
Über Kuruman

Der rechte Flügel hebt sich deutlich und die Thermikblase erfasst den Flieger. „Jetzt rechts rein!“ denke ich. Der Pilot unseres 20-sitzigen Passagierflugzeugs denkt offenbar anders, denn er fliegt einfach weiter Richtung Johannesburg. Kurze Zeit später tauchen wir in die Wolke, durch die Wolke und aus der Wolke heraus. Ich erhasche einen letzten Blick auf Kuruman Airfield, dann wird mein Blick von der äußerst attraktiven Stewardess abgelenkt, die mir etwas zu Trinken anbietet.

Ich habe mir extra einen Platz vor dem Flügel ausgesucht damit ich die letzten Blicke auf Südafrika genießen kann, aber ich muss mich sehr anstrengen, um am riesigen Triebwerk vorbeizugucken, das sich unerfindlicher weise genau vor meinem Fenster befindet.

Es schiebt sich eine Gewitterwolke hinter dem Triebwerk in mein Sichtfeld. Kurz drauf meint der aus Segelfliegersicht völlig untalentierte Kapitän, dass sich unser Anflug auf Johannesburg wegen schlechten Wetters verzögern wird. Wir drehen einige Kreise am Rande der riesigen Wolke und kommen jedes mal an Mammatus vorbei, die von nahem recht unspektakulär aussehen. Langsam werde ich unentspannt, weil meine Umsteigezeit in Johannesburg nicht zu üppig ist und ich auch noch einchecken muss. Endlich setzen wir unseren Flug fort und es geht unter die Wolke. Über Johannesburg ist gerade Weltuntergang. Der Himmel ist finster und über dem Zentrum steht eine graue undurchsichtige Wand, aus der hin und wieder klar konturierte Blitze zucken. Nun überkommen mich ernsthafte Zweifel, ob wir auch auf dem Internationalen Flughafen landen, den ich nirgends erblicken kann. (Es gingen zuletzt noch Gerüchte über einen zweiten Flughafen in Johannesburg um.) Als wir an den großen Leitwerken vorüber schweben, fällt mir ein Stein vom Herzen. Wenn er auch beim Thermikfliegen versagt hat, landen kann er, unser Kapitän.

Auf dem Flugplatz angekommen eile ich zum Check-In und weiter zur Passkontrolle. „What happend to your passport?“ fragt mich der Schwarze Grenzbeamte. Es wird wirklich Zeit, dass ich das Teil mal erneuere denke ich und stammele wieder irgendeine Entschuldigung.

29.11.17
Madrid International

Da sitze ich nun seit 4 Stunden und warte, dass auf der riesigen Anzeigetafel mein Flug überhaupt erstmal angezeigt wird, von einem „Please go to the gate“ mal ganz abgesehen. Ich habe mich irgendwie bei der Rückreise verbucht und habe nun 10h Aufenthalt in Madrid. Völlig übermüdet hänge ich auf einem Wartebank. Übermüdet, aber insgesamt zufrieden.

Ich denke nochmal zurück wie Krapottke mir Anfang September mitgeteilt hat, dass er den Afrikapreis vom Landesverband nicht beanspruchen wird und wenige Tage später der „Heinza“ mich anrief, um mir zu sagen, dass ich der Glückliche bin. Wenige Tage später war ich bei Gert zum ersten kennen lernen. Dann Flug buchen. Damals habe ich die Weichen für meinen 10 stündigen Aufenthalt gestellt, schießt es mir durch den Kopf. Tja und nun sitze ich hier und kann auf drei wunderschöne aber auch kontrastreiche Wochen zurückblicken, in denen ich viel gesehen und gelernt habe.

Berlin Tegel

Ich trete aus der Schiebetür und die eisige Berliner Winterluft schlägt mir ins Gesicht, naja wenigstens nicht der Zollbeamte, sage ich mir und mache mich auf den Weg in die Tristesse meines hiesigen Alltags.
23.11.2017
Im 4DM mit Klaus

Ich sitze heute wieder bei Klaus im Nimbus nachdem wir an Gerts Nimbus bei der Vorflugkontrolle die Motorklappe dauerhaft geöffnet haben. Zu meinem Glück brachte mich Gert bei Klaus unter und widmete sich allein der Reparatur. Als ob ich es geahnt hätte, habe ich 10min vorher schon alle Sachen zu Klaus Nimbus getragen, dann aber festgestellt, dass ich mich im Flieger geirrt habe und alles zum richtigen Flieger gebracht, um es anschließend wieder bei Klaus einzuräumen.
Wir fliegen wieder in Blauthermik am Waal River entlang und östlich stehen wunderschöne dreistöckige Leticularis. Meine Kamera hat ärgerlicher Weise am zweiten Umzug nicht teilgenommen und leistet nun Gert bei der Reparatur Gesellschaft. Die Lentis stehen leider im Luftraum von Kimberley und sind damit für uns nicht nutzbar.


Landwirtschaft am Waal River ohne Lentis

Später versuchen wir und einer Mischung aus Cumulus und Lenticularis Steigen zu finden, aber uns fehlt die Zeit, um uns eingehender mit diesem Phänomen zu beschäftigen und wir fliegen weiter.
Wir kommen um 18 Uhr am Platz an und verlängern die Strecke mit der verbliebenen Höhe. Da wir allerdings kein Steigen mehr finden, sind wir gezwungen umzukehren, um noch sicher zum Platz zu kommen. Als wir wieder am Platz ankommen, fehlen noch 25km zu den 700 und wir finden leichtes Steigen. Da unsere Schenkel verbraucht sind, müssen wir allerdings den letzten Schenkel verlängern und damit 25km vom Platz weg, um die 700 vollzumachen. Danach müssen wir allerdings auch noch sicher zum Platz zurückkommen. Außerdem sitzt uns der Sonnenuntergang im Nacken, denn 19:00 geht die Sonne unter.
Das Steigen lässt und wir fliegen ab. Noch 20 Minuten bis Sunset und mit der Höhe, die wir gewonnen haben, wird die Strecke gerade so zu schaffen sein. Ganz vorsichtig gleiten wir ab und ich freue mich über jede tragende Linie, die uns Höhe schenkt. Im Endanflugrechner tickt die Ankunftshöhe am Flugplatz schnell runter. Bei +300 wollen wir umdrehen, um noch etwas Sicherheit zu haben. Noch +426m und es fehlen noch 3km. Jetzt wird es spannend. Das reicht nie. Bei +350m fehlt noch 1km und ich übergebe Klaus das Steuer, damit er selbst entscheiden kann, wann wir umdrehen. Er sitzt es aus und mit +250m haben wir die 700km im Kasten und befinden uns im Endanflug auf Kuruman. Doch es bleibt spannend, denn wir haben noch 25km vor uns. Selbst wenn wir Steigen finden, können wir es nicht annehmen, schon jetzt schaffen wir es gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Immer weiter schrumpft unsere Sicherheitshöhe zusammen. 5km vor dem Platz atme ich auf. Mit der Höhe schaffen wir es definitiv.
Als wir aussteigen, sieht man nur noch das Abendrot hinter den Kuruman Hills. Zufrieden nehmen wir das „After Landing Beer“ von Jutta in Empfang und tüten den Flieger ein. Was für ein geiler Flug!


Die Kuruman Hills

24.11.2017
Kuruman Airfield, 12:00

Wir beobachten Dieter in seiner 31 wie er sich langsam über dem Platz emporschraubt. Er meldet 3300m Basis und gutes Steigen, aber es ist ein weiter Weg durchs Blaue bis zu der Wolkenlinie am Horizont, an der man heute entlangfliegen sollte. Dazu kommt kräftiger Wind, der den Rückweg erschwert und die niedrige Arbeitshöhe von 2000m über Grund. Abbruch, wir packen den Flieger wieder ein.
Plötzlich kommt Gert auf die Idee, dass er ja die 22 noch aufrüsten kann, mitten in der größten Hitze des Tages. Wiederwillig folgen wir ihm zum Container und bauen die 22 Stück für Stück zusammen, wobei ein Stück schwerer ist als das andere. Als ich dann die manuellen Ruderanschlüsse betrachte, kommt mir unweigerlich der Gedanke, dass dieses Flugzeug nicht zum Aufrüsten gemacht ist.
Als wir fertig sind, haben Teile meiner Haut eine rötliche Färbung angenommen, die mich auch in den nächsten Tagen noch beschäftigen sollte.

06.08.2017
Schwarzheide

Nachdem ich am 3.7. nochmal ein schönes Dreieck geflogen bin fehlt mir nun noch ein guter Flug für die drei DmST-Flüge. Dieser muss allerdings deutlich besser sein als die letzten, denn es fehlen noch einige Punkte auf Krapottke und dieser fliegt natürlich heute auch. Heute ist vorrausichtlich einer der letzten guten Tage im Jahr. Der Rest der Saison ist bei mir auch ausgeplant, also muss es heute klappen. Ich schreibe ein 500km FAI Dreieck aus.
Ich verzettele mich direkt auf dem ersten Schenkel und wie vorhergesagt macht das Wetter am ersten Wendepunkt zeitig Schluss und die Aufgabe ist nicht mehr schaffbar. Ich lasse Afrika sein und mache mit Fabian einen schönen Teamflug unter kilometerlangen Aufreihungen. Am Ende stehen 500km auf der Uhr aber eben nicht ausgeschrieben und nicht im Dreieck. Krapottke hat seine Aufgabe auch nicht geschafft, also hätte auch weniger Strecke gereicht, aber was solls. Man wird sicher auch so nochmal irgendwie nach Afrika kommen.

25.11.2017
An der Konvergenz

Heute bin ich wieder mit Gert unterwegs. Wir haben uns 100km durch das Blaue gebastelt und haben es nun endlich mal mit Wolken zu tun. Die heraushängenden Fetzen bei den Cumulus weisen auf eine Konvergenz hin, also ein Bereich, an dem zwei unterschiedliche Luftmassen aufeinandertreffen. Diese bieten meist auf einer schmalen Linie gutes Steigen.
Wir gehen ran und nun geht es neben (und auch durch) Wolkenfetzen entlang der Konvergenz Richtung Norden. Teilweise geht es im Geradeausflug mit 4-5m/s nach oben. Im Norden frischt der Wind erheblich auf und wir drehen schleunigst wieder um und folgen der Konvergenz nach Süden. Als die Konvergenz einen scharfen Knick nach Osten macht, biegen wir ab und arbeiten uns gegen den Wind wieder nach Hause.

Kurs auf die Konvergenz

An der Konvergenz nach Süden

Das war mein letzter Flug mit Gert, ab morgen wird der Nimbus verchartert, aber ich darf noch zwei Tage bei Klaus mitfliegen. Aus den versprochenen zwei Tausendern ist leider nichts geworden, aber ich hatte dennoch schöne Flüge mit Gert.
Um Gert etwas zu fordern, habe ich festgelegt, dass ich meine wuchernden Bart erst nach dem Tausender rasiere. Vor zwei Tagen bin ich schwach geworden und sozusagen in Vorleistung gegangen, aber auch das hat nichts genützt. Das Wetter spielte einfach nicht mit.

26.11.2017
Nachmittags

Wir fliegen mal wieder unsere „Standardstrecke“: südlich nach Douglas, dann nach nordöstlich am Waal entlang und wieder nach Kuruman. Diesmal kommen uns auf dem zweiten Schenkel erfreulicherweise Wolken entgegen und wir fliegen zur Abwechslung mal Wolkenthermik. Ich habe mich bereits so daran gewöhnt, im Blauen geradeauszufliegen bis das Steigen kommt, dass ich völlig überfordert bin, als das Steigen durch die Wolken markiert wird. Ich fliege an den ersten drei Bärten irgendwie vorbei und erst nach der Wende komme ich in Fahrt und nehme nur noch über 3m/s integriert an. Den Rest lasse ich stehen. Das klappt ziemlich genau zwei Bärte lang. Danach baut das Wetter schon wieder ab und wir müssen uns mal wieder nach Hause basteln. Ich übergebe das Steuer wieder an Klaus, damit wir auch eine Chance haben.


Unsere Lodge von oben

Wasserlassen vor der Landung

27.11.2017
Vor Danielskuil, mittags

Ich genieße die afrikanische Landschaft mal von nahem, während Klaus vorne schwitzt und nach Thermik sucht. „Na sage mal“ sagt Klaus jetzt schon mindestens zum dritten Mal, nachdem sich mal wieder ein Bart nach einem Kreis als Niete erwiesen hat. Wir haben noch 800m über Grund und sollten wirklich langsam mal wieder „Einen einrühren“. Während wir im Blauen kämpfen, stehen im Sperrgebiet neben uns die schönsten Wolken. Über dem Kieswerk in Danielskuil finden wir endlich wieder gutes Steigen und es geht an der Wolkenkante nach Westen.

Nach Westen Richtung Uppington, nachmittags

Jetzt schwitze ich, denn ich habe das Steuer übernommen und muss an Gert in seiner 22 dranbleiben. Dieser rast mit einem Affenzahn die Wolkenkante entlang. Ich gerate in einen Konflikt zwischen der von Klaus vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit von 170km/h und dem wachsenden Abstand zu Gerd, der offenbar schneller fliegt.

Unterwegs mit der 22

In unserer Höhe besteht schon ein signifikanter Unterschied zwischen der angezeigten und der wahren Fluggeschwindigkeit, der in der geringeren Luftdichte begründet ist. An Tagen mit so gutem Steigen wie heute, sollte man maximal mit der Böengeschwindigkeit von 180km/h (wahre Geschwindigkeit) vorfliegen, da es sonst zur Überlastung der Struktur kommen kann.
Im nächsten 5m Bart hinter Uppington hat Gert deutlich besseres Steigen und lässt uns stehen. Wir fliegen also alleine weiter nach Botswana und wenden dort 16:30.


Oranjeriver vor Uppingt

Hammerwetter in Botswana
Nach Süden Richtung Kuruman, abends
Das Wetter baut schneller ab als erwartet und wir müssen teilweise weit gleiten, um wieder gutes Steigen zu bekommen. Um 18:10 rührt Klaus den Endanflugbart ein und wir steigen nochmal 2000m mit 2m/s integriert. Ich habe schon wieder Sorgen, dass wir rechtzeitig zum Sunset in Kuruman eintreffen, denn wir wollen noch ein Stück nach Westen verlängern. Mit 4500m beginnen wir den Endanflug. An der Endleiste vom Querruder hat sich vom Eis gebildet, weil etwas Wasser aus dem Wassertank ausgelaufen ist. Das Wasser im Tank fließt aber noch ab, also kein Grund zur Sorge.
Eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang wenden wir Richtung Kuruman und über den Kuruman Hills zählen die Kilometer langsam hoch: 997…998…999…1000. Ein kleiner Jubel bricht aus im Cockpit des Nimbus. Wir haben es an meinem letzten Tag doch noch geschafft.

1000!

Fliegen verbindet!

Ich bin überglücklich, dass ich jetzt doch noch den 1000er miterlebt habe und sogar in Botswana gewesen bin, auch wenn es dort außer Büschen und Sträuchern wirklich gar nichts mehr zu sehen gab. Aber das konnte man ja vorher nicht wissen.
Gert hat heute seinen 100. 1000er geflogen, auch wenn er laut eigener Aussage mit der neuen Technik stark zu kämpfen hatte. Umso erstaunlicher ist das Flugergebnis.
Abends lade ich Gert, Jutta und Klaus zum Essen ein, um mich für die tolle Zeit zu bedanken. Morgen Nachmittag geht es dann wieder heim, während die anderen noch bis Anfang Februar bleiben.

Abschiedsessen

19.11.2017
Ich fliege heute wieder mit Klaus, weil bei Gert eine Motorklappe offensteht und erst repariert werden muss. Glücklicher Weise bot sich die Ausweichmöglichkeit auf Klaus Nimbus. Wir haben wieder Blauthermik doch heute mit höherer Basis und besserem Steigen. Wir fliegen wieder nach Süden Richtung Douglas und dann wieder den Vaal River hinauf. In der Nähe des Flusses wird die Steppenlandschaft von kreisrunden, grünen Feldern durchbrochen. Um die landwirtschaftlichen Nutzflächen sind großräumig Siedlungen der Schwarzen Bevölkerung angeordnet, die auf den Feldern, die Arbeit machen. Diese Siedlungen sind von oben gut an den lose angeordneten Hütten mit glänzenden Wellblechdächern auf staubigem, rotem Boden zu erkennen.

Eine Siedlung der Schwarzen Bevölkerung am Stadtrand von Kuruman
Östlich des Flusses lassen die Steigwerte stark nach und wir gleiten wieder nach Westen Richtung Kuruman. Das Steigen und auch die Basishöhe wird wieder besser und wir nehmen Kurs auf den letzten Wendepunkt Nordwestlich von Kuruman. Es ist schon 17:30 und Thermik wird seltener. Über einer Mine ziehen wir nochmal einen Bart auf 4800m und haben theoretisch die Endanflughöhe für den Rest der Aufgabe (noch 150km) erreicht. Wir wagen es doch vor dem letzten Wendepunkt sinkt die Ankunftshöhe in Kuruman auf 500m und die hat man auf 100km Gleitstrecke doch schnell mal eingebüßt. Wir wollen schon abdrehen, als aus den felsigen Bergen unter uns nochmal ein guter Bart abgeht. Wir machen nochmal hoch, nehmen den Wendepunkt und gleiten mit ordentlich Sicherheit die letzten 100km nach Kuruman ab. Das Resultat kann sich sehen lassen: 860km und 750km FAI Dreieck.

21.05.2017
Königsdorf, abends
Fabian und ich sind gerade beim Alpenfluglehrgang der Idaflieg und lassen den Abend nach einem schönen Flugtag ausklingen. Ein Blick ins OLC zeigt, dass auch in Schwarzheide gutes Wetter war (nachträglich betrachtet der beste Tag im Jahr). Krapottke fliegt eine ausgeschriebenes 600km Dreieck und rutscht damit auf Platz 1 in der Juniorenwertung der Clubklasse in Sachsen. Wenn ich nach Afrika will, muss ich da nochmal ordentlich einen hinlegen, aber das wird schwierig, denn Krapottke hat sich die Saison zum Fliegen freigenommen und er wird jeden guten Tag nutzen.

20.11.2017
Von 1000 auf 0km in unter 2h.
Das Wetter ist heute hammermäßig vorhergesagt. Die Luftmassengrenze soll nahe des Platzes von Nord nach Süd verlaufen und damit für einen langen Steifen mit Wolkenthermik, gutem Steigen und hoher Basis sorgen, der weite Flüge ermöglicht. Leider ist auch starker Wind vorhergesagt.
Alles ist vorbereitet, wir sitzen im Auto, der Flieger hängt an der Schleppstange doch es bilden sich keine Cumulus. Wir warten eine Stunde. Endlich bilden sich weit entfernt erste Quellwolken, die langsam in unsere Richtung aufbauen. Wir ziehen raus. Draußen angekommen bilden sich auch nahe des Platzes schon einige Wolken, aber die vorhergesagte Entwicklung bleibt aus. Dazu kommt der starke Wind am Boden, der den Start und vor allem die Landung nicht ganz ungefährlich machen. Nach einigen Überlegungen ziehen wir schweren Herzens wieder rein. Beim Anziehen der Flieger haben wir auch mit dem starken Wind zu kämpfen, der uns die Bezüge aus der Hand reißen will und den Flieger und uns mit feinem roten Staub bedeckt.

Kritischer Blick an den Himmel vor dem Einräumen
Bedient fahren wir ins Restaurant und bestellen eine Runde Gin Tonic. Wir setzen uns unter ein Sonnendach, von wo aus man den inzwischen Wolken bedeckten Himmel nur schlecht einsehen kann.
21.11.2017
Irgendwo über der südafrikanischen Steppe, zu lange vor der Landung
Warum geht es mir so dreckig? Weil mir die Benzindämpfe einer undichten Spritleitung zu Kopf gestiegen sind und ich nun Kopfschmerzen habe!
Gert gibt richtig Stoff, denn er will heute seinen hundertsten 1000er fliegen. Bisher haben wir schon 300km auf der Uhr und es ist gerade mal 13 Uhr.

Endlich mal Wolken
Es läuft also gut, nur das Wetter scheint schon Feierabend zu machen. Über uns befindet sich geschlossener Altostratus und die Dichte der Cumuluswolken ist dementsprechend gering. Mir ist das alles relativ egal, denn ich habe Kopfschmerzen und fühle mich nicht wohl. Ich esse einen komplett zerbröselten Muffin und schlafe eine Viertelstunde. Das Piepen des Varios und das Geschaukel haben tatsächlich eine entspannende Wirkung.
Als ich wieder aufwache, geht es mir wieder etwas besser, aber das Wetter sieht noch schlechter aus. Abbruch! Wir drehen um und ich fliege uns nach Hause. Im Osten steht noch eine schöne Konvergenz, unter der Klaus gerade seinen Spaß hat, aber wir haben beide keine rechte Lust mehr.

Die Kovergenz baut sich auf und das Wetter ab
In Kuruman steht der Wind mit 30km/h quer auf der Bahn. Wir sind also gezwungen die neu angelegte Querbahn zu benutzen. Ein etwas spannendes Unterfangen, doch Gert bringt uns sicher runter.
Wir nutzen die Zeit, die wir durch die frühe Landung gewonnen haben, um das Leck zu finden und somit künftige Flüge angenehmer zu machen.

Erfolgreiche Landung auf der Querbahn
22.11.2017
Kuruman, Lodge
Heute machen wir mal Pause, weil das Wetter nicht so vielversprechend ist und holen Schwung für die nächsten Tage, die deutlich besser werden sollen. Heute ist auch der erste Tag mit einer Pause beim Alkoholkonsum (Ich kann da allerdings nur für mich sprechen).

14.11.2017
Kuruman, Lodge
Heute sollten die Container kommen, in denen neben den Flugzeugen auch allerlei nützliche Haushaltsgegenstände, Wechselsachen und natürlich das gute Wetter verpackt sind. Sie kamen aber nicht, wir warten also auf morgen. Die Temperaturen erinnern hier eher an zu Hause. Tagsüber 15°, nachts 4 und das soll die nächsten Tage so bleiben. Wir sind für die Mahlzeiten schon ins Haus umgezogen, weil es draußen zu kalt ist und wo sind die warmen Sachen? Genau, im Container.
15.11.2017
Kuruman Flugplatz
Wir stehen seid um 11 in eisigem Wind auf dem Platz und warten auf die Container, die tatsächlich um 17 eintreffen (mit lediglich vier Tagen Verspätung). Wir überwachen noch das Abladen und fahren wieder in unsere warme Hütte. Das Ausladen machen wir morgen. Wettertechnisch verpassen wir ohnehin nichts.

Die Container werden abgeladen

Kurzer Blick in die Container
16.11.2017
Irgendwo in Kuruman, morgens
Nachdem wir nun schon den vierten Tag in Folge versucht haben jemanden aufzutreiben, der den Grasstreifen neben der Bahn abmäht, damit wir starten können, greifen wir nun mit unserer Weißen Lodgebesitzerin an. Bisher waren alle Versuche jemanden zu organisieren gescheitert, obwohl wir gestern sogar eine Zusage bekommen hatten und Gert nun schon zweimal vergebens morgens am Flugplatz war, um dem Mäher das Tor aufzuschließen.
Wir fahren zunächst zu einem Schrottplatz wo wir einen Traktor für 6000 Rand auslösen sollen, damit die Gemeinde mähen kann. Das machen wir nicht, also geht es weiter zum Camping Platz, wo uns das Schiebetor von einem Schwarzen Angestellten geöffnet wird, der offenbar nur zu diesem Zweck dort angestellt ist. Offensichtlich haben wir uns aber in der Hausnummer geirrt und es geht weiter zum Bauhof der Gemeinde. Auch hier schiebt uns ein Schwarzer das Tor auf. Wir fahren hinein und es bietet sich ein Bild des Verfalls. Überall stehen kaputte Maschinen und Nutzfahrzeuge herum, die scheinbar nach einem Defekt einfach stehengelassen wurden. Unsere Vermieterin fährt mit ihrem X5 direkt zu einer Gruppe Schwarzer Arbeiter und nach kurzer Diskussion wird eine Autobatterie zu einem Traktor getragen und das Problem ist gelöst.
Kuruman Flugplatz, nachmittags
Noch ein Nimbus-Innenflügel! Der vierte und letzte für heute und das ist auch gut so, denn die Teile sind höllenschwer und schon das Entladen aus dem Container ist ein Akt. Aber wenn man dann außen steht während die Kräfte langsam schwinden und dann doch erst noch die Teflonhülse aus dem Loch für den Hauptbolzen entfernt werden muss, bevor Besagter einen endlich erlöst, kann einen schon mal der Mut verlassen.
Neben uns bricht Otto (ein Teamkollege aus Österreich) gerade sein Auto auf, weil er den Schlüssel darin vergessen hat und die automatische Verriegelung zugeschlagen hat.
Der Nimbus 4DM von Gert ist das letzte von vier Flugzeugen aus dem ersten Container und der Flieger, in dem ich mitfliegen werde.
Nachdem alles gerüstet ist, fahren wir die Flugzeuge auf die neu planierte Abstellfläche und verzurren sie. Otto hat sein Fahrzeug inzwischen aufbekommen.
Als wir abends die Halle zu machen, muss Otto sein Auto erneut aufbrechen. Wir fahren irritiert nach Hause.

Alles aufgerüstet (im Vordergrund unser „Schiff“)

Die Flieger im Schlafanzug auf der Abstellfläche
17.11.2017
Kuruman Flugplatz, vormittags
Ja wir sind jetzt öfter hier denn die Flugzeuge sind fertig, das Wetter wird wieder besser und es wird endlich geflogen. Heute wird es nur ein kleiner Gewöhnungsflug, da wir es mit Trockenthermik und „nur“ 3500m Basis zu tun haben. Ich fliege heute mit Klaus in seinem Nimbus, da Gert noch mit dem Entladen des zweiten Containers beschäftigt ist.
Während wir uns vorbereiten, wird vor der Halle eine DG400 gerüstet (und wir sind sehr lange mit unseren Vorbereitungen beschäftigt.) Immer wenn wir vorbeikommen steht jemand anderes am Hauptbolzen und die Flächen wurden mittlerweile auf Flächenstützen abgelegt.

Thermikbeginn! In diesem Falle durch einen Steppenbrand verursacht

Im Nimbus4DM mit Klaus, nachmittags
„Stall, Stall“ sagt die freundliche Dame im LX8000 und weist mich damit auf meinen überzogenen Flugzustand hin. Ich komme mir vor wie ein Flugschüler bei seinem dritten Flug. Der Faden hängt irgendwo außen, durch den Schiebezustand hat es die Fahrwerksklappe aufgeklappt und es pfeift. Ich bin völlig überfordert mit den 26,5m Spannweite. Der Flieger ist äußerst träge und braucht auch noch im Kreis Seitenruder. Ich muss mich sehr konzentrieren, um sauber zu fliegen und dabei fällt die Thermik gern mal hinten runter. Doch Klaus ist sehr geduldig und lässt mich machen.
Am Ende des Fluges gelingt es mir mit Wölbklappenstellung 1 schon halbwegs sauber zu kreisen. Als wir abends landen, sind wir 450km geflogen und auch die DG400 ist aufgerüstet. Es ist also alles in Ordnung.

Endlose Steppe mit kleinen Bäumen. Hier mit ein paar buckelartigen Felsen durchsetzt.

Wir verlassen die Felsen in Richtung Heimat

Eine riesige Mine für Eisenerz
18.11.2017
Im Nimbus 4DM mit Gert, Mittags
Katastrophe: Bei Gert wird mit WK2 gekreist und der Ärger geht von vorn los. Die Querruder sind total weich und das Riesenschiff damit nur noch bedingt steuerbar. Der Faden hängt wieder irgendwo und ich habe keine Ahnung wie ich den wieder in die Mitte bekommen soll. Wenn ich Gegenseitenruder nehme, rastet Gert vorne völlig aus und mit dem Querruder passiert nicht so viel. Obwohl am Vorabend noch verkündet wurde, dass ein halbwegs begabter Pilot den Nimbus nicht ins Trudeln bekommt, musste Gert eben dieses gerade für mich ausleiten.

Gemeinsames Kurbeln mit Klaus
Wir befinden uns im Anflug auf Douglas, wo Gert sein Bordbuch abliefern muss. Nachdem das Letzte auf dem Postweg verloren gegangen ist, haben wir uns entschlossen, dieses per Expressversand via Luftpost selbst zuzustellen.

Sichere Übergabe
Nachmittags
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Douglas ging es weiter nach Norden am Vaal River entlang.
Gert habe ich mittlerweile gar geflogen und ich gebe mir nochmal richtig Mühe, sauber zu fliegen, was mir auch einiger Maßen gelingt.
Am Ende kommen wir bei insgesamt 600km raus, für Blauthermik und eine Zwischenlandung gar nicht so schlecht.

13.11.2017
R31 Richtung Kuruman, nachmittags
Der Motor heult auf: 4000rpm, 30km/h. Ich schalte in den zweiten Gang und ein Ruck geht durch das Fahrzeug und bremst mich wieder ab. Jetzt schalte ich zügig in den dritten Gang und über den Vierten und den Dritten schließlich in den fünften Gang. Zum Glück bin ich alleine auf der Straße und im Auto. Ich befinde mich auf dem Rückweg von einem Soloausflug zur Wondercave (Gerts Tagesaufgabe für mich). Er hat mir sein Mietwagen überlassen, aber ich bin mir nicht sicher, ob er es nochmal tut, wenn er das hier liest. (Wie sich später herausstellen sollte, bin ich heute der Einzige von den vier Fahrern unseres inzwischen siebenköpfigen Teams ohne Reifenschaden.) Nachdem ich mich kurz zuvor auf der rechten Straßenseite ertappt habe, bin ich nun sogar wieder auf der gleiche Seite wie alle anderen, die in meine Richtung wollen, unterwegs. Die Sonnenblende habe ich heruntergeklappt, denn der Anblick des wolkenbedeckten Himmels ist unerträglich (heute wäre mein erster Flugtag gewesen).
Die Höhle, die ich besichtigt hatte, war ungefähr 100m tief 20m breit und 4m hoch. Sie gilt als eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten im südlichen Afrika und diente ab der Steinzeit als menschliche Unterkunft. Ein Schwarzer Angestellter tobte mit mir durch die Höhle, nuschelte an einigen Stellen einen erklärenden Satz auf Englisch und rannte dann wieder zu seiner Suppe, von der ich ihn unbeabsichtigt weggeholt hatte und die nun unbeaufsichtigt vor sich hin kochte. Nachdem seine Schritte auf den Holzstegen verhalt waren, nahm ich mir die Zeit und schaute mir alles nochmal genau an. Als ich fertig war, sagte ich Bescheid, dass er wieder abschließen kann. Ich war vermutlich der erste und letzte Besucher für heute.

Wonderworkcave mit abgestecktem Raster für die Ausgrabungen
Der Hügel hinter der Höhle reizte mich als alten Wanderbegeisterten, also zog ich mir meine Wanderschuhe an, um etwas unanfälliger gegen Schlangenbisse zu werden und erklomm den Hügel. Es war weniger die Hitze, die durch einen starken Wind kaum spürbar war, als die starke Sonneneinstrahlung, die mir ernsthafte Sorgen bereitete. Ich hatte mich zwar eingecremt, aber irgendwann hatte mich die Lust verlassen und Arme und Schienbeine waren etwas kurz gekommen. Aber auch die eingecremten Stellen sahen schon leicht rot aus. Zum Test drückte ich auf meinen Arm und beobachtete, wie weiß die Stelle wird, wenn ich den Finger wieder wegnahm. Auch das Ergebnis war nicht zufriedenstellend. Egal, die Landschaft war so schön und die Aussicht wurde auch immer besser, also weiter. Ich klatschte regelmäßig in die Hände, um die ortansässigen Schlangen von meiner Präsenz in Kenntnis zu setzen. Eine Begegnung wollte ich in jedem Falle vermeiden. Schließlich war ich auf dem Kamm der Hügelkette angekommen und es eröffnete sich eine gute Aussicht in alle Richtungen. Ich setze mich in den Halbschatten eines Buschs, verschlang mein Wegbrot und machte mich auf den Rückweg, bevor die Sonnenaufnahmefähigkeit meiner Haut erschöpft war.

Unterwegs in den Kuruman Hills

Ausblick auf das steppenartige Flachland, den oberen Teil des Bildes kommentiere ich nicht weiter
Einschub:
Ich wurde nach meinem ersten Bericht darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung „Schwarze“ politisch nicht korrekt ist, da es eigentlich keine Rolle spielt welche Hautfarbe die Menschen haben. Hier sieht die Realität aber anders aus, denn sozialer Status und Hautfarbe sind hier eng miteinander verknüpft. Vor der Abreise sagte mein Vater noch zu mir: „Falls du die Schwarzen nicht erkennst: Das sind die, die dort die Arbeit machen.“ Das trifft es eigentlich auf den Punkt, denn während die Schwarze Bevölkerung zum Großteil aus Angestellten besteht, sind die Weißen diejenigen, die anstellen. Entsprechend dieser Verhältnisse ist auch der Wohlstand auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen verteilt. Der Umgang mit den Angestellten ist in größeren Städten sicherlich mit europäischen Verhältnissen vergleichbar, aber erinnert auf dem Land doch eher an vergangene Zeitalter.
Die Unterscheidung von Schwarzen und Weißen Menschen in diesem Bericht ist nicht rassistisch motiviert sondern ein stilistisches Mittel, um auf die geschilderten Verhältnisse aufmerksam zu machen.


Bester Junior Sachsen – Alrik Dargel
8.11.2017
London Heathrow, kurz nach 21:00: Nach einer kurzen Anrollphase gibt der A380 vollen Schub. Ich werde leicht in den Sitz gedrückt. Wenn man sonst Windenstarts gewohnt war, ist der Sitzdruck doch vergleichsweise gering, aber die Geste zählt, oder was? Wie auch immer, jetzt geht es los: Das Abenteuer, auf das ich seit Anfang der Saison hingearbeitet habe. Zwei Wochen Segelfliegen in Südafrika als Preis für den besten sächsischen Junior, gesponsert von Gert Kalisch (mit dem ich auch zusammen fliegen werde) und vom LSV Sachsen. Um den Preis zu gewinnen, braucht man drei richtig gute DMST-Flüge und drei etwas weniger gute Flüge der Konkurrenz.
Gut gelaunt und abflugbereit
20.04.2017
Schwarzheide, abends: Wie so oft an diesem denkwürdigen Tag, war auch heute das Wetter konträrer Weise wieder sehr gut: Kaltluft! Ich flog ich ein ausgeschriebenes 470km FAI Dreieck um Leipzig herum. Fabian verzockte sich auf dem Fläming und brach die Aufgabe ab und Krapotke schrieb zu wenig aus in seinem CS. In Pirna fliegt Patrick noch ein etwas größeres Dreieck. Aber dennoch bin ich gut platziert und Afrika also ein ganzes Stück näher.
9.11.2017
6:00: Langsam wird es hell unter unserer doppelstöckigen Sardinenbüchse. (Die anfängliche Begeisterung für unser Transportmittel ist infolge einer Nacht unter beengten Platzverhältnissen mittlerweile vollends geschwunden.) Ich bin hundemüde, aber ich zwinge mich dennoch aus dem Fenster zu schauen. Wir befinden uns gerade mitten über Afrika, einem der unruhigsten Erdteile überhaupt, zerrissen von Bürgerkrieg, Armut, Unterdrückung und Ausbeutung. Kein Ort an dem man sich gerne aufhalten würde, es sei denn man ist Waffenhändler, Söldner oder eben Unterdrücker. (Auf mich trifft alles nicht zu. Was mache ich hier?) Von hier oben sieht alles friedlich aus. Eine nahezu geschlossene Wolkendecke verhüllt, was wir nicht sehen wollen. Langsam schieben sich linienartig angeordnete ambossförmige hellgraue Gewittertürme in mein Sichtfeld. Daraus zucken Blitze hervor, die stumm im Hexenkessel unten verebben, von hier oben ein atemberaubendes Panorama. Die Gewitterzellen reichen fast bis in unsere Höhe, verschleiern kurzzeitig die Sicht und erzeugen einige unerwünschte Turbulenzen. Ein Stewart weist mich an die Fensterklappe zu schließen.
9.11.2017
Johannesburg or Tambo, Passschalter, 10:30: “What happened to your passport?” Fragt mich der schwarze Grenzbeamte vorwurfsvoll und hält mir meinen Reisepass vor die Nase, der sich vor 2 Jahren in meinem Rucksack mit einem Stück ausgelaufener Butter zusammengetan hat. Sämtliche Seiten sind von dem Fett dunkel gefärbt und leicht muffig. Ich kann den Geruch ranziger Butter bis hierher riechen. Das muss eine rhetorische Frage sein, schießt es mir durch den Kopf, dennoch stammele ich irgendeine Antwort. Immer noch fassungslos sucht sich der Grenzbeamte eine der saubersten Seiten heraus, um mein Visum hinein zu stempeln. Noch einmal gibt er mir zu verstehen, dass er es nicht versteht, wie man seinen Pass so behandeln kann.
9.11.2017
irgendwo in Johannesburg auf einer Nebenstraße, Mittags:
Wir fahren gerade mitten durch einen Slum. Am Straßenrand stehen überall Schwarze hinter Ständen mit Obst, Brettern, Radkappen und Schläuchen und anderen Dingen, die wir in Deutschland schon längst entsorgt hätten. Dahinter erheben sich aus Müllbergen selbstgezimmerte Verschläge aus Brettern, Decken und Wellblech. Die Behausungen erinnern eher an ein Gemälde von Picasso, als eine menschliche Behausung. Hier und dort brennt ein Müllfeuer und hüllt die Umgebung in schwarzen Rauch.
Wir haben uns verfahren! Ich sitze mit Gert und seinem iPhone (ohne Internet) in einem roten Mietwagen in der gefährlichsten Stadt der Welt und wir haben nicht die leiseste Ahnung wo wir uns befinden. Anhand einer halb geladenen Karte auf Gerts Handy versuche ich uns durch das Großstadtchaos zu navigieren. Der Linksverkehr trägt nicht zu Vereinfachung der Situation bei.
Wir kommen an einer Autowerkstatt vorbei: An einem Baum hängt ein Schild, welches darauf hinweist. Darunter stehen zwischen zwei weiteren Bäumen drei Schwarze und eine Europalette am Straßenrand. Sonst nichts. Da unser Auto nicht kaputt ist, fahren wir weiter, aber wir wären vermutlich auch in ersterem Falle weitergefahren.
Langsam fitzen wir uns wieder heraus und nach mehreren U-Turns befinden wir uns tatsächlich wieder auf der Autobahn Richtung Potchefstroom, wo wir auch unser erstes Nachtquartier aufschlagen werden.
9.11.2017
Oudrift Lodge, abends:
Wir sind in einer wunderschönen Lodge mit riesigem grünen Garten untergekommen. Damit auf dem roten trockenen Boden überhaupt etwas wächst, muss stundenlang der Rasensprenger laufen. Abends essen wir im zugehörigen Restaurant. Für mich gibt es als Vorspeise Schnecken und zum Hauptgang Oxtail. Beides eine neue aber leckere Erfahrung. Nach dem anstrengenden Anreisetag fallen wir alle erschöpft ins Bett.

Lodge mit grünem Garten und Vogeltrinkschale
 
10.11.2017
Unterwegs auf der N12 Richtung Westen
Wir fahren wieder! Es geht über kilometerlange schnurgerade Straßen durch vertrocknete Graslandschaft mit mannshohen grünen Büschen. Die Straße ist zweispurig mit Standstreifen auf jeder Seite. Auf diesen weichen die langsameren Fahrzeuge meist aus, um uns vorbeizulassen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht das Ausweichen mit dem Warnblinker als Dankeschön zu quittieren. Ich muss sehr oft Blinken, denn Gert fängt langsam an unsere 80PS auszureizen.
Gelegentlich kommt eine Ortschaft mit dem obligatorischen Slum am Ortsende. Immerhin stehen dort meistens die Mandela-Hütten: kleine Steinhäuser mit Wellblechdach und kleinem Grundstück mit Toilettenhäuschen. Am Straßenrand stehen oft Schwarze, die mitgenommen werden wollen. Mir als altem Tramper tut es natürlich weh, dass wir sie stehen lassen.
Beim Durchqueren der Ortschaften fällt auf, dass um ausnahmslos jedes Grundstück ein hoher Zaun oder eine Mauer gezogen ist.

[caption id="attachment_886" align="alignnone" width="800"] Eine Siedlung am Wegesrand

Der Verkehrsfluss wird gelegentlich von einer Baustelle unterbrochen, an der die Straße einspurig wird. Am Beginn der einspurigen Strecke steht eine Ampel und mehrere Schwarze von der Straßenbaugesellschaft, die mit roten Fahnen bewaffnet sind, um die Wirkung der Ampel verstärken.

10.11.2017
Douglas, Abends

Da Gert noch ein Briefing für dieses Jahr brauchte, haben wir einen Umweg über Douglas gemacht. Dort waren wir direkt mit den ansässigen Fliegern auf einer Farm Abendessen. Auf dem Hinweg über eine Schotterstraße gerieten wir kurz in IMC, als zusätzlich zu dem Staub des vorrausfahrenden Fahrzeugs auch noch der Staub des entgegenkommenden Fahrzeugs uns die Sicht auf Straße und Verkehr vollends verdeckte. Das machte auf alle Fälle Lust auf die 100km Schotterstraße, die Gert am nächsten Tag fahren wollte. Bevor es leckeres gerilltes Fleisch gab, durften wir noch die Kudus im Garten füttern, die sogar aus der Hand fraßen.

Freunde kann man sich kaufen

11.11.2017
Kuruman, Mittags
Die 100km Schotterstraße haben wir gut überstanden und als wir in Kuruman ankommen, haben wir endlich auch ein weißes Auto.

Gegenverkehr auf der Gravelroad mit leichten Sichteinschränkunge

In der Lodge in Kuruman dürfen wir im ehemaligen Haus der Lodgebetreiber wohnen, welches gewisse Ähnlichkeit mit einem Gefängnis hat: die überdachte Terrasse ist komplett vergittert und auch im Haus selbst befindet sich nochmal eine Gittertür. Hier stellt sich mir die Frage wer glücklicher ist. Die Weißen, die zwar viel besitzen aber auch in der ständigen Angst leben, dass man Ihnen etwas wegnimmt oder die Schwarzen, die wenig besitzen und denen man dementsprechend auch nichts wegnehmen kann.

Das Haus bietet für unsere Belange alles was wir brauchen und wir beginnen uns häuslich einzurichten. Nun heißt es also auf die Container mit den Luftsportgeräten warten, die mit zwei Tagen Verspätung am Dienstag eintreffen sollen (heute ist Samstag).

12.11.2017
Kuruman, wieder mittags
Nachdem ich von Gert erneut gedrängt wurde endlich mal einen Bericht zu verfassen, raffe ich mich auf. Bei der Hitze hier (35°C) erfordern Aktivitäten, die nicht im Schatten auf einem Liegestuhl stattfinden, große Motivation und auch Kondition der Ausführenden. Ein Versuch gestern Abend bei Sonnenuntergang laufen zu gehen endete nach läppischen 2km wieder hier in Lodge. Nun sitze ich also hier in unserem Käfig und schreibe. Ab und zu kommt mein neuer Freund der Pfau vorbei und guckt was ich treibe. Ich habe ihn heute Morgen mit einer Scheibe Toastbrot für mich begeistern können. Mit ihm bin ich auch deutlich besser beraten, als mit der dicken Katze von gestern Abend, die es nicht einmal für nötig gehalten hat zu gucken wer sie streichelt und einfach weitergegangen ist.

Langsam könnte man den Eindruck gewinnen, dass ich zum Tiere füttern hier bin.

Bericht Alrik Dargel 12.11.2017


Es geht los!
Am vergangenen Wochenende wurden die Flugzeuge verladen. Ein Container geht nach Douglas und zwei nach Kuruman. Gert und Norbert haben wohl schon ordentlich Vorarbeit geleistet und die Träger und Bodenplatten, soweit nötig, modifiziert.

Dennoch beschleichen mich als „Newbie“ gewisse Zweifel, dass da 5 oder 6 Motorsegler – darunter einige Dickschiffe – reinpassen sollen.
Die Anweisung von Gert lautet:  „Nicht nachdenken! – Machen!“.
Seine Erfahrung von mehr als einem Dutzend Ein-/Ausräumaktionen will ich auch nicht in Frage stellen.
Er ist der Chef.
Bei Anreise am Samstagnachmittag konnte ich mich ja noch mit einem Bier locker zurücklehnen und das geschäftige Treiben beobachten. Aber am Sonntag war dann auch der andere Container unter anderem mit unserer `31 dran.
Leider hat es bis Mittag geregnet, aber es sind keine Flächen oder Füße weggerutscht … nur ledern mussten wir immer wieder.
Obwohl schon ein Flugzeug drinstand dauert es schon den ganzen Tag bis alles niet- und nagelfest verstaut und verzurrt war.
Dennoch kommt keine unnötige Hektik auf.

Als am Ende die Türen geschlossen werden stehen 4x Offene Klasse und 1x 18m-Klasse mit entsprechendem Zubehör im Container.
Dazu noch so etwa 8 Transportboxen und gefühlt eine halbe Werkstatt.

Am Donnerstag hebt ein Kran die Container auf die bestellten LKWs und dann geht es von
Bremerhaven durch den Atlantik nach Süden. Am 11.11. erblicken unsere Schätzchen dann das
Licht der Kalahari. Hoffentlich! Na dann schon mal: Helau & Alaaf!

Helmut Prang 05.10.2017


Saison 2017-2018

Der Count down läuft !!

Noch 80 Tage bis zum Einpacken der Segler.
Die Vorbereitungen laufen, die Container werden auf die zu erwartenden Flugzeugtypen modifiziert.

In diesem Jahr werden 10 Flugzeuge in Kuruman an den Start gehen.

3 x Nimbus 4 DM
1 x ASW 22 BLE
1 x Ventus cM
1 X DG 400
2 X ASH 31
1 X ASG 32 Mi
1 x Arcus M

Damit haben wir eigentlich nur noch einen freien Containerplatz zu vergeben. Die Auslastung der Flugzeuge könnt ihr unter dem Button „Charter“ anschauen.
Restliche freie Chartermöglichkeiten gibt es noch.
Auch am Airfield in Kuruman werden speziell für die „Segelflieger“ sicherheitsrelevante Arbeiten vorbereitet:
-Verbreiterung der Querlandebahn auf ca. 45 m
-Planierarbeiten im Abstellbereich der Segler

g.k. 08.07.2017


Bilanz 2016/2017 – Wieder ein besonderes Jahr

Die Einheimischen sind sich nicht sicher, gab es so viel Regen zuletzt vor 20 oder 80zig Jahren?!
Es ist uns im Grunde genommen auch egal, wir waren weder vor 20 noch vor 80 Jahren hier. Und auch dieses Jahr haben wir die sintflutartigen Regenfälle im Januar besser aus 300 km Entfernung, in der Augrabis Lodge ( Wasserfall des Orange River ) beobachtet. Dieses Elendswetter kam mit Ansage und so hatte sich der größte Teil der anwesenden Mannschaft irgendwo hin in die Sonne verzogen. Vier Tage ununterbrochener Dauerregen haben die Kalahari zum Grünen und Blühen gebracht.
Auf der Rückreise waren Vergleiche der Kalahari mit der Mecklenburger Seenplatte nahe liegend. Der weise Spruch von unserem Gastgeber Fritz  „ wenn in der Wüste die Frösche quaken ist bestimmt kein gutes Wetter für euch“, sollte für den gesamten Januar doch so wahr sein.
Nun der Reihe nach :
Die Saison begann am 13.11. gleich mit einem fast Tausender, die Optimierung machte uns wieder mal das finale Ergebnis kaputt. Danach entwickelte sich der November überdurchschnittlich gut. Basishöhen über 6000m, die wir eigentlich bisher nur ab Mitte Dezember bis weit in den Januar hinein kannten, machten uns sozusagen glücklich. Nur der doch noch relativ kurze Tag bremste uns etwas. Trotzdem gab es eine Reihe von sehr guten Flugtagen (siehe OLC).
Der Dezember fügte sich nahtlos in diese positive Konstellation ein. Allerdings waberte auch da schon gelegentlich die Troglinie gefährlich nah an Kuruman heran.
Das bedeutet im Klartext: Gewitterwahrscheinlichkeit bei 40 % und damit das Risiko beim abendlichen Heimflug den Tanz mit dem Feuer oder besser gesagt mit den Gewittern zu erleben. Davon gab es dann auch ein paar Tage die dem einen oder anderen die Haare zum Stehen brachten. Alle haben diese Herausforderung bestens gelöst. Ein Lob an dieser Stelle ist sicher angemessen.
Der Wetterumschwung kam dann ab 01. Januar. Das begann mit 3 Tagen, an denen die Gewitter bereits am Mittag begannen und somit ein Flugfenster von 3-4 Stunden ermöglichten.
Das macht für längere Strecken keinen Sinn. Auf dem Rückweg von unserer Sightseeing-Tour nahmen wir mit Verwunderung zur Kenntnis, dass die Wüste voller kleiner Seen und Lachen war.
Damit war uns klar, dass es viele Tage dauern würde bis dieses Wasser wieder weg ist. Die darauf folgenden Tage entwickelte sich das Wetter fast wie in Deutschland. Mit Thermikbeginn gegen 10 Uhr, 6/8 Cu mit Basis bei 800m, ab Mittag lokale Schauer. Somit ist das Fliegen in dem überwiegend unlandbaren Gebiet ausgeschlossen oder suizidal.
Nur sehr langsam stieg die Basis in den Folgetagen auf akzeptable Höhen und ermöglichte erst am 19.01. den einzigen Tausender im Januar. Das war dann sozusagen das Finale der Saison.
Unterm Strich hatten wir dann 5 Tage im November, 9 Tage im Dezember und 1 Tag im Januar an denen 1000 km Flüge möglich waren. Ich gehe mal davon aus, dass an Tagen, an denen mit Arcus/Ventus 900km geflogen wurden, die OK sicher Tausend schaffen kann. Der Tag im Januar war ein 1000 km Dreieck, welches entlang des Grenzverlaufes zu Botswana führte. Dabei konnte ich lange Zeit den Molopo  (Grenzfluss zu Botswana) sehen. Auch da hatte ich wohl ein einmaliges Erlebnis – der Fluß führte Wasser. Das gab es dort das letzte Mal vor 30 Jahren.

Fazit:
Mit einem normalen Januar wäre uns eine tolle Saison gelungen !!!

Was bleibt, ist der Ausblick auf die Saison 2017 / 2018

Verladung der Flugzeuge    spätestens    30.09. / 31.09.17
Beginn Camp                                                11.11.2017 oder 04.11.2017
Ende Camp und einpacken                       27.01. / 28.01.18

Wir werden 2 Container mit max. 12 Flugzeugen mitnehmen.
Zeitnah werden wir auf http://kuruman-gliding-camp.de einen neuen Button zum Stand der Auslastung der Container und bestehende Chartermöglichkeiten / Mitflugmöglichkeiten einstellen.
Preise dann auf Anfrage.
g.k. – 01.02.2017 –


Cumuli von Kalahari bis Kgalagadi
Reisebericht von Robert Krahe und Olaf Rehme vom HAC Boberg

Nachdem wir erste Erfahrung in Südafrika 2015 in Gariep Dam sammeln konnten, hatten wir nun für den Januar 2017 in Kuruman einen Nimbus 4DM (PK) gechartert, ein Segelflugzeug der offenen Klasse mit 26,6 m Spannweite. Bei Ankunft in Johannesburg erwartete uns eine geschlossene Wolkendecke und Regen aber während der knapp sechsstündigen Fahrt nach Westen Richtung Kuruman wurde das Wetter stets besser. Dennoch mussten wir erfahren, dass nach einem guten Saisonstart im November mit bereits mehreren 1000 km-Flügen nun seit Wochen eine für Südafrika sehr ungewöhnliche Wetterlage mit viel Regen bestand. Das erklärte auch die bereits auf der Anfahrt beobachtete unglaublich grüne Steppenlandschaft.

So regnete es während unserer ersten vier möglichen Flugtage, so dass wir zunächst mit Sightseeing begannen und z.B. die Diamantmine „Big Hole“ in Kimberley sowie spontan entstandene, regenwasserverschlingende Öffnungen im Boden besichtigten. Danach aber entwickelte sich das Wetter gut und an acht aufeinander folgenden Tagen konnten wir fast täglich die Kilometerleistung auf unseren Flügen steigern. Aufgrund des ungewöhnlichen Wetters hatten wir jedoch stets eine für bekannte südafrikanische Verhältnisse niedrige Basis (1000 m AGL bei Abflug und 2300 bis 2500 m AGL auf Strecke) und gutes Steigen wollte oftmals erst mühevoll gefunden werden. Ab und zu erfreuten uns dann aber doch Bärte mit 4 bis 5 m/s Steigen, einmal sogar mit 6 m/s und spät am Tag fand sich oftmals noch ein „Feierabend-Dreier“. Im Funk wurden wir einmal sogar Zeuge von einem 8 m/s-Bart.

Unsere Flüge erlaubten uns die unendlichen Weiten der Kalahari zu genießen. Im Süden bis Douglas, im Nordosten bis südlich Mafikeng, im Westen über den Langeberg hinaus, im Nordwesten bis Askham und im Norden tief nach Botswana rein bis zum Kgalagadi Transfrontier Park, wo sich der „syphillisfreie“ Löwe und die Hyäne Gute Nacht sagen. Hier sind aus der Luft keinerlei Spuren von Zivilisation geschweige denn Außenlandemöglichkeiten mehr erkennbar. An den anderen Orten wechselt sich die Landschaft durchaus interessant ab, so z.B. Hügelketten westlich von Kuruman, Salzpfannen im Westen und im Norden, viel steppenartige Farmen im Süden und Osten sowie intensiver Ackerbau mit den typischen kreisrunden Äckern im Nordosten. So abwechslungsreich wie das Bild am Boden war auch die Optik in der Luft. An manchen Tagen wurden wir Zeuge, wie sich riesige CB’s mit 200 km und mehr Durchmesser bildeten und haben mit gebührendem Abstand und stets einem Blick auf den Weg zurück nach Kuruman das Spektakel mit Schauern und Blitzen von oben genossen.

Während der meisten Flüge hatten wir eine Arbeitshöhe von „nur“ 3600 m MSL (Kuruman liegt auf 1350 m MSL), so dass wir nicht vollständig vom Vorteil einer erhöhten True Airspeed (die mit der Höhe steigt) profitieren konnten, dennoch gelangen uns in über 63 Stunden Flugzeit Flüge bis über 900 km einschließlich eines 850 km FAI-Dreiecks, wobei es hilfreich ist, wenn man zwischendurch einfach mal 80 km geradeaus fliegen kann ohne zu kurbeln. Erst am achten Flugtag durften wir dann tatsächlich eine Basis von 4500 m MSL erleben, jedoch erst nach unserem Endanflug auf Kuruman. Murphy lässt grüßen. Ebenso durften wir auf einem der Flüge erleben, dass nach der letzten Wende in Botswana und mehr als 200 km Distanz auf Kuruman, die Thermik auf Kurs komplett einbrach. Dank der hervorragenden Gleitleistung der PK und dem Mitnehmen von kleinsten Aufwärtsbewegungen der Luft schafften wir es bis auf 80 km an Kuruman heran, wo wir an einer Reliefkante noch mal ca. 0,3 m/s integriert fanden. Leider fehlten für die Endanflughöhe 200 m, so dass es dann hieß: „Gleitet ihr noch oder zündet ihr schon?“ Dies war das einzige mal, dass wir – von den Starts abgesehen – den Motor zu Hilfe nehmen mussten.

Nach einem Pausentag am Pool aufgrund der bereits für mittags vorhergesagten Gewitter hatten wir noch einen neunten Flugtag, den wir jedoch als einziges Team bestritten. Grund dafür waren die eher norddeutschen Bedingungen mit sehr niedriger Basis (2700 m MSL), jedoch kurzen Wolkenabständen, bei denen auch fast jede Wolke zog. Auch hier konnte man bis zu 25 km geradeaus fliegen, natürlich immer im Gleitbereich von Flugplätzen, weil das Gelände insbesondere für ein Flugzeug mit einer Spannweite der PK absolut unlandbar ist.
Wer Südafrika kennt, weiß dass hier kulinarische Highlights warten, insbesondere für Fleischliebhaber. Wenn wir nicht selbst gegrillt oder im leckeren Steak-Restaurant um die Ecke gegessen haben, hat man uns auch in der Red Sands Lodge angetroffen, wo wir unsere Gaumen mit Chateau Briand, Venison Carpaccio oder Caveman Kebap verwöhnt haben. Absolut ebenbürtig zum Black Beast in Gariep Dam.

Zu guter Letzt rundeten wir auf dem Weg zum Flug zurück nach Deutschland unsere Reise mit einem Besuch bei Jonkers Sailplanes ab, wo wir das Werk besichtigen und die JS1 und JS3 aus der Nähe bewundern durften. Vielen Dank an Petra und Gert für die tolle Organisation, die herzliche Aufnahme ins Camp und die schöne Zeit, die wir in Kuruman hatten.


6 Tage Kuruman!

Nach der Anreise am 27.12.16 und der im Gepäck befindlichen (bescheidenen) Wetterprognose für die folgenden Tage fuhren wir trotzdem mit anscheinend neuen Informationen um 8:45 zum Flugplatz!
Zum Deklarieren bräuchte es mehr, also sehen wir, ob „Genuss Feeling Segelflug“ aufkommen will…
Nach einem verhältnismäßig frühen Start passiert erstmal das Gegenteil! Tiefe Basis, dafür aber wenigstens 70% „Wassersäcke“ zwischen den paar Wolken die dann doch ziehen… nach fast einer Stunde sind immerhin 79km im Sack, schließlich fliege ich die große Klasse (ASW22??)!


Es entwickelte sich dann noch zu einem 880 km mit reichlich über 130 km/h fast-Knaller-Tag, wenn der schäbige Anfang und das im Funk propagandierte nasse Ende nicht gewesen wären! 1000 waren gut machbar, Zeit dazu wäre noch ausreichend gewesen! Zum Glück konnte man ohnehin nichts dem Logger entlocken!

Es folgte ein Tag Pause wegen heftiger Gewittertätigkeit…
Hierbei muss man als Segelflieger allerdings die Gänze der Grausamkeit feststellen! Im „benachbarten “ Douglas bestanden anscheinend keinerlei Probleme oder Ängste, fliegen zu können!
Am folgenden Tag waren sich überraschender Weise mal die Modelle von topMeteo und dem Afrikanern einig, beide bekamen allerdings nicht Recht .
Nach trägem Start und den ersten 120 Minuten untereuropäischem Wetter, konnte dann verhalten Gas gegeben werden, zum Abend hin trugen die Lange Berge ihren Namen alle Ehre, am Ende standen etwas mehr als 1000 km auf der Uhr und die „22“ setzte 40 min vor SS auf der Runway 02 auf! Drumherum alles abgesaugt durch mächtige Zellen!
31.12.! Silvester!!
Nach topMeteo wieder der Tag aller Tage!!
Hohe Basis, Cu soweit das Auge blicken kann und noch weiter und für 18m großflächig ROT !
Ich deklariere !
Die erste Wende erreiche ich, allerdings hätte auf halbem Weg dorthin schon ganz anderes Wetter vorherrschen müssen! Auf zur 2ten, etwa 500 km grob 330 Grad. Noch 2-4 mal im blauen langen Hals machen, wo eigentlich 4/8CU hätten stehen sollen, knallt es den ersten 5,7m/s raus!

… Scheint los zu gehen …
Dann noch ein weiterer guter Bart und ab geht’s, in die Gegend der gemäß Vorhersage besten Bedingungen … scheint also alles easy!
Nach weiteren 150 km schwerer Arbeit mit für die Gegend ungewohnt niedriger Basis und selten mehr als    1,9 m/s steigen sind es noch 140km zur 2ten Wende. Nun musste ich feststellen dass drum herum wie auch bei mir das Wetter gänzlich zusammen brach!?
… Ausgezeichnete Situation mit der nicht unerheblichen Distanz zum Heimatflugplatz, kaum noch nutzbarem Steigen, der sich bis dahin leider nicht entwickelten Basis und 18 km/h Wind auf der Nase!
Also: Aufgabe abgebrochen, irgendwie und selber erstaunt darüber, wie gut das ging, um 17:30 loc in Kuruman aufgesetzt! Das hab´ ich hier auch noch nicht erlebt!
Trotzdem schöner Flug (~900km)
Darauf folgte Regen, Regen, Regen…
Fazit:
Kurztrip nach Kuruman mit 3 echt anspruchsvollen aber schönen Flügen und einem, wo man sich schämt, ihn hoch zu laden.
An 4 von 6 möglichen Tagen bin ich geflogen, hat Spaß gemacht …
n.k.10/01/17


Ein Bericht der Erlebnisse von Andreas Zangl, einem Anfänger im Segelflug

Nun bin ich ja noch nicht lange unter dem „segelnden“ Volk. Meine erste Flugerfahrung machte ich auf unserer Dimona im heurigen Sommer. Und nach gut 2 Wochen Crashkurs (nicht wörtlich zu verstehen!) im Vereinsfliegerlager in Ungarn hatte ich auch meinen Segelflugschein in der Tasche. Da darin aber keine Schleppberechtigung enthalten war, ging es in der heimatlichen Basis in Graz weiter mit F-Schlepp-Übungen. Doch dann klopfte allzu früh der Herbst an die Tür, und ich musste das Fliegen bis auf weiteres aufs nächste Jahr verschieben. Doch unverhofft kommt oft!
Nach meiner Prüfung bei meinem Fluglehrer gab mir dieser die einmalige Möglichkeit mit ihm in Südafrika zu fliegen. Nach kurzer Überlegung ließ ich mich auf dieses (für mich) große unbekannte Abenteuer ein! Aber die Vorfreude war riesig. Nach einiger Lektüre über Streckenfliegen (meine einzigen Segelflüge bis dahin waren max. 20 min lang, und davon waren‘s nur 5 Stück) kannte ich die Theorie…;) Ich hoffte, dass sich Georg im Klaren war, auf was er sich da mit mir als Copilot eingelassen hat…
Dann kam auch schon der Abflugtermin. Im obligaten Grazer Nebel kam das erste Hindernis auf mich zu; der Flug von Graz nach Zürich wurde annulliert…für 3 Passagiere flogen die Schweizer wohl nicht. Nach gut einer Stunde kam die Erlösung – Flug über Frankfurt und dadurch eine um 2 Stunden frühere Ankunft in Johannesburg. Nach erstaunlich guten Schlaf (vielleicht wegen dem süffigen Bier an Bord) ging es ans Auto Mieten und die ersten Meter im Johannesburger Linksverkehr. Nach etwa 3km „Eingewöhnung“ war das aber kein Problem mehr für mich.

mit dem großen Vogel ab nach JNB

nach dem ersten „linken“ Kilometer durch Johannesburg bleibt Zeit für das erste Afrika-Selfie

Meine Ersten Eindrücke des Landes: heiß, flach, viele Kühe und sehr lange, schnurgerade Straßen.

Nach ca. 6h Fahrt mit nur einer kurzen Tankpause kam ich in Kuruman an. Die anwesenden Camp-Teilnehmer begrüßten mich herzlich. Mir fiel ein kleiner Stein vom Herzen, dass ich unbeschadet angekommen bin. Renate, KG’s Frau, lud mich gleich zu einem exzellenten selbstgekochten Hühnchen ein. Viel mehr, als mich danach ins Bett zu verkriechen, schaffte ich an diesen Tag nicht mehr

Ankunft in Kuruman

Am nächsten Tag ging‘s nach dem Frühstück gleich zum Flugplatz – Flugwetter war angesagt.
Wie gesagt, ohne Flugerfahrung konnte ich das Wetter beim besten Willen nicht einschätzen (und schon gar nicht in Afrika). Durch das tägliche Briefing von Gert konnte ich dazu Einiges lernen. Nach einer (gefühlt sehr kurzen) Einweisung durch Georg („Das ist mein Flieger, da ist der Knüppel, da ist der Fallschirm; auf geht’s!“) waren wir auch schon in der Luft – aber mit Georg als gewohntem Fluglehrer nach dem Motto ‚learning by doing‘ war das dann mein erster ‚echter‘ Segelflug! Und am Ende des Tages waren es 950km nach mehr als 8h. Und ich hatte dabei keinerlei Probleme oder Unannehmlichkeiten während dieses langen Flugs. Am Abend, als wir wieder in die Lodge zurück kamen, waren alle heilfroh…die dachten wohl ich bin über der Kalahari abgesprungen ;). Als Belohnung gab es eines der besten Steaks, das ich je gegessen habe. Übrigens ist die Küche in Südafrika sehr fleischlastig, was meinem Geschmack aber entgegen kommt.

kurz probesitzen . . .

. . . und ab in die Luft !

Für die folgenden 3 Tage war leider kein Flugwetter prognostiziert. Und so machten wir 3 (Renate, Georg und ich) uns auf den Weg in den „Augrabies Falls Nationalpark“. Wieder ein einmaliges Erlebnis für mich. Wüstenlandschaft bis zum Horizont – Giraffen, Strauße, Antilopen das erste Mal nicht hinter Zoo-Gittern …diese Eindrücke werde ich nicht so schnell vergessen.

Georg, Renate und ich im durchaus heißen Augrabies Falls Nationalpark

Zurück in Kuruman war leider noch immer mieses Wetter angesagt. Also ging es kurzerhand mit Winfried in die Diamanten-Stadt Kimberley. Dort unterzogen wir uns einem Kultur-Programm mit dem McGregor Museum, in dem man allerhand Kulturelles und Geschichtliches über die Region Nordkap erfahren konnte. Zusätzlich hatte es auch Skorpione im Waschbecken zu bieten. Wieder etwas Neues für mich. Auch die ‚Big Hole Mine‘ wurde besucht. Ein beeindruckender aufgelassener Diamanten-Tagebau. (Aber auch unter Tage wurde abgebaut…)

„The Big Hole“ in Kimberley

Gast im McGregor Museum

Endlich lud das Wetter wieder zum Fliegen ein. Mein 2. Flug mit Georg war mit ebenfalls 950km für mich auch wieder sehr erfolgreich. Mittlerweile hatte ich Georg‘s Nimbus immer besser im Griff. Wobei Kommentare von Georg wie: „Bitte das nächste Mal keinen eingesprungenen Rittberger“ oder „NICHT so schnell!“ während des Kurbelns noch immer normal waren. Trotzdem glaube ich, dass ich mich recht gut geschlagen habe.

Spaß auf über 5000m

Bis auf eine Ausnahme mit nur einer mühsamen Stunde Flugzeit folgten weitere 2 Flüge in ähnlichem Ausmaß. Leider ist einmal des Nimbus‘ Motor nicht angesprungen…wohl abgesoffen, da er nach 1h schön ansehen und gut zureden seinen Dienst ohne Mucks tat. Als Nachzügler konnten wir aber auf keine Rekordstreckte mehr hoffen. Mir kam das trotzdem zu Gute, da Georg mich einen Großteil des Fluges den Nimbus steuern ließ. Und 616km waren es dann auch noch.

ein wunderbarer Tag geht zu Ende

Schnappschuß während des letzten Fluges

Zum Abschluss dieses Abenteuers (und das war es für mich im wahrsten Sinne des Wortes) fuhren wir in den Mokala Nationalpark. Dort ergaben sich mir Eindrücke aus Afrika, wie sie dessen Klischee nicht besser erfüllen könnten! Eine Savannenlandschaft mit Wildtieren soweit das Auge reicht! Warzenschweine vor dem Swimmingpool, Zebras auf der Straße, riesige Büffelherden am Wasserloch. Da möchte ein Naturliebhaber wie ich nie mehr fort!

Giraffe . . .

. . . Büffel . . .

. . . und Co im Mokala Nationalpark

Schließlich neigte sich meine Zeit in Afrika dem Ende zu, und wir fuhren gemeinsam zurück nach Johannesburg um den Flug in die Heimat anzutreten. Nachdem man bei ca. 30°C in den Flieger (diesmal wieder der Große) einsteigt und bei -4°C in Graz aussteigt, möchte man gleich wieder ins nächstbessere Reisebüro um der Kälte zu entkommen! Aber leider muss ich auch irgendwie meine Brötchen verdienen, und das funktioniert nur hier im europäischen Winter…aber der Sommer kommt bestimmt auch hier her…

Ankunft im kalten Graz mit Schneegestöber

Mein Fazit:
Ein einzigartiges Abenteuer, sei es des Reiseziels wegen, und auch des Fliegens! Es war eine einmalige Chance für mich, erste Segelflug-Erfahrung zu sammeln, nette Menschen kennen zu lernen, gutes Essen zu genießen und ein wunderschönes Land zu bereisen.
Am Ende der Reise bin ich wohl einer der wenigen Leute, die (viel) mehr Flugstunden in Ungarn und Südafrika geflogen sind, als zuhause in der Heimat. Aber das wird sich in Zukunft hoffentlich noch ändern!

„Zu einem guten Ende gehört auch ein guter Beginn.“ -Konfuzius-


Die Kalahari: Bietet nicht nur große Strecken, sondern auch Wellen – und Sandstürme 🙂

Immerhin ist es schon meine fünfte Saison in Kuruman, am Rande der Kalahari; und meine bisherige Erfahrung dort beinhaltet neben sehr erholsamen Nichtflugtagen in der Lodge – vor allem lange Streckenflüge.
Sandstürme – teilweise sogar ziemlich heftig – hatte ich in Kuruman bisher nur am Boden erlebt; und Wellenflüge waren mir hier, in dieser mehr oder weniger komplett flachen Gegend, noch nie gelungen, auch wenn fehlende Berge kein Ausschließungsgrund für Wellen sind: Sogar die ungarische Puszta hat uns vor ein paar Jahren in einer perfekten Scherungswelle auf über 4000 m NN gebracht.
Das änderte sich alles mit dem Flug vom 05.12.2016; nach einem normalen Start kurz nach 11 Uhr geht es erst mal in eher mäßiger Thermik Richtung Süden; kurz vor Danielskuil, einem kleinen Bergbauort, dann aber die erste Überraschung: Vom Boden bis etwa 4000 m NN erscheint eine dichte Staubschicht; darüber gibt es wieder etwas klarere Luft, mit ganz normalen Cumulus-Wolken in knapp 5000 m NN und passablen Steigwerten; in dieser Höhe können wir natürlich komfortabel weiter nach Süden fliegen; nach ca. 20 km wird die Luft dann durchgehend wieder relativ klar – also weiter Richtung Douglas…

Sandsturm in der Karoo/Südafrika: ausgelöst durch Überentwicklungen und heftige Regenfälle in der Gegend von Kimberley (aufgenommen 2009 über Gariep Dam)

Sandsturm in der Karoo/Südafrika: ausgelöst durch Überentwicklungen und heftige Regenfälle in der Gegend von Kimberley (aufgenommen 2009 über Gariep Dam)

Kurz vor Douglas die nächste Überraschung: Eine neue Staubschicht, diesmal noch dichter, und wieder bis etwa 4000 m NN herauf; sieht aus wie ein Überbleibsel eines nächtlichen Sandsturmes – der aktuelle Bodenwind erscheint uns einfach nicht stark genug, um solche Effekte auszulösen. Jedenfalls haben wir keine Lust, in diese trübe ‚Suppe‘ einzufliegen, und wenden uns Richtung NW, in die dort herrschende klare Luft und – mit besser werdenden Steigwerten – gegen den nun zunehmenden NW-Wind.
Über den Cumuli erscheinen vereinzelt Andeutungen von Lenticularis-Wolken; weil mich Wellen von jeher faszinieren, und weil unser bisheriger Schnitt auch nicht gerade überwältigend ist, canceln wir den geplanten Streckenflug, und konzentrieren uns mehr und mehr auf eventuelle Wellenaufwinde. In der Gegend von Tommy’s Airfield ertasten wir erste laminare Aufwinde – anfangs zögerlich mit ca. 0.5 m/s, dann ab Wolkenunterkante zunehmend bis etwa 2 m/s.

Die typische Drehung der Windrichtung mit zunehmender Höhe ist im SeeYou schön zu erkennen; die Stärke betrug in der Höhe allerdings mehr als die hier angezeigt (ca. 60km/h)

Die typische Drehung der Windrichtung mit zunehmender Höhe ist im SeeYou schön zu erkennen; die Stärke betrug in der Höhe allerdings mehr als hier angezeigt (ca. 60km/h)

Das laminare Aufwindfeld zwischen den Wolken ist relativ großflächig; in etwa 6300 m NN wird dann das Steigen schwächer. Wir genießen die Aussicht über den Wolkenfeldern, und mein Kopilot fotografiert und dokumentiert alles ausgiebig – allerdings ohne die am Boden vergessene SD-Karte. Daher sind hier leider nur Bilder von früheren Flügen in Südafrika eingefügt – sorry 🙂

Wellenflug über Südafrika: ausgelöst durch Scherung, oder einfach als "Thermo-Onda": starke Thermik mit Cumulus-Bildung als Hindernis; die Mini-Hügel lösen keine Wellen aus . . .

Wellenflug über Südafrika: ausgelöst durch Scherung, oder einfach als „Thermo-Onda“: starke Thermik mit Cumulus-Bildung als Hindernis; die Mini-Hügel lösen keine Wellen aus . . .

Wir nutzen die Höhe für einen entspannten 150-km-Endanflug, und kurven zwischen den Wolken über die Minen von Sishen in Richtung Kuruman. Die frühe Landung beschert uns dann noch Zeit für einen genussvollen Tagesausklang im Pool der Shomatobe Lodge.

-KG- Georg Kirchner


In 1300 Metern

Was tun, wenn das Wetter Fliegen nicht erlaubt? Wenn auch sonst nichts am Flugplatz zu erledigen ist? Wenn Schwimmen im Pool und Lesen unter im Schatten der Akazien zu langweilig ist? Dann will man was tun und erleben – zur Abwechslung halt in 1300 Metern Seehöhe.

Kuruman ist aber nicht eben der Nabel der Welt, die Anzahl der Sightseeing-Möglichkeiten ist begrenzt. Es gibt nur wenige Ziele in unmittelbarer Nähe. Georg, der schon zum fünften Mal da ist, kennt sie alle. Auch für mich ist das meiste in und um Kuruman nichts Neues, ich war ja vor vier Jahren schon einmal hier. Die Broschüren des Tourist-Info-Büros helfen auch nicht wirklich weiter. Aber im Vergleich zu Gariep ist das ein höchst interessanter Winkel und bietet mehr als nur Halbwüste. In Namibia stelle ich mir das noch langweiliger vor.

Also entschlossen Georg, Renate und ich uns, ein mittelweites Ziel – 160 km – anzupeilen und nach Whitsands südwestlich von Kuruman zu fahren. Dort sollte sich ein Naturpark befinden. Relativ spät kamen wir los, aber der Verkehr war mäßig stark.

Eine Umleitung brachte uns unverhofft Glück: Wir kamen so in den Bereich der großen Minen rund um Kathu und Sishen. Es ist ja alles hier abgezäunt und abgesperrt, man kommt höchstens auf 10 Kilometer an die Anlagen und die riesigen „Erzberge“ heran. Alles ist bewacht, die Zäune werden patroulliert (mit Waffen, versteht sich), zum Teil sind die Zäune auch unter Strom gesetzt.
Vorbei ging es an riesigen Förderanlagen und kilometerlangen Förderbändern, an Abraumhalden und Eisenbahn-Verladestellen. Alles ist tipp-topp hier im Minenbereich. Schilder machen auf Gefahren aufmerksam, Schlagbäume und Zugangskontrollen regeln den Zugang. Hier regieren die Minengesellschaften.
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Knapp 90 km westlich von Kuruman querten wir Olifantshoek, das wir mehrmals heuer in der Luft passiert hatten. „Wahrzeichen“ ist dort ein lebensgroßer Elefant. Das Örtchen liegt am Fuß der „Langen Berge“, eine langgezogene Kette von Hügeln in Nord-Süd-Richtung.
Dann war es vorbei mit dem Asphalt – Schotterstraße.Wie immer leidet man mit dem Auto mit. Verkehr war keiner, die 70 Kilometer entlang der Langen Berge zogen sich aber. Auffällig auf jedem vierten oder fünften Strommasten der Leitung, die mitläuft, sind riesige Multi-Voglnester. Dutzende kleiner Vögel bauen da sozusagen eine Siedlung.
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Zu unserer Überraschung landeten wir in Postmasburg – offenbar hatten wir die falsche Sandstraße erwischt. Aber egal, wir stolperten dadurch über den Flugplatz „Tommys Airfield“.
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Ein piekfeiner Platz mit Tagesrandanschluss nach Johannesburg. Alles winzig, aber alles da und alles perfekt gepflegt: Lounge, Abflugbereich, Autovermietung, Parkplätze, Mülltrennung.
Ein dutzend Leute sind dort beschäftigt. Auch wenn sie kaum etwas zu tun haben – für sie bedeutet das Geld. Der Autovermieter bewarb sich aus Kimberley, 300 Kilometer entfernt.

Die meisten haben keine Arbeit und leben in Armut. Beim Hineinfahren in den Ort passierten wir wieder einmal die Slums. Wellblechhütten nebeneinander, dazwischen Millionen von Plastiksackern, Flaschen und sonstigem Müll. Leider übersah Georg ein ganz übles Schlagloch und kurz darauf war klar: Wir haben vorne links einen Patschen.
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Der Reifen war schnell getauscht, aber irgendwie war uns die Lust an der Weiterfahrt vergangen: Es wären weitere 70 Kilometer Staubstraße zu erwarten gewesen.

Postmasburg ist wie alle diese Mini-Städtchen aufgebaut. Überall dieselben Einkaufsmalls, die klare Trennung Schwarz-Weiß, die Reihenhäuser für die bessergestellten Schwarzen usw. Mangels großer Kirchen oder anderer markanter Gebäude fehlen echte Landmarks, jede Stadt schaut eben fast gleich aus, für Architektur wird keine Zeit verschwendet.

Also besuchten wir dort noch den lokalen Flugplatz. Erkenntnis: Für die großen Schiffe ist er wohl nicht landbar, auch wenn er drei Staub-Landebahnen sternförmig aufweist. Kommt man hier in Landenöte, wäre Tommys Field eindeutig besser.

Nach diesen eher ernüchternden Erlebnissen ging es auf Asphalt direkt Richtung Kathu. Man befindet sich hier immer im Minengebiet, immer wieder zweigen Fahrstreifen zu den verschiedenen Minen ab. Kathu, das erst seit 25 Jahren existiert, ist eine vergleichsweise schöne, reiche Stadt. Die Gewitter, die uns schon seit Postmasburg begleitet hatten, führen nur gelegentlich zu Regen am Boden. Oft verdampfen die Tropfen in halber Höhe wieder. Eine Sprengung in Sishen bekamen wir auch aus der Ferne mit. Der braunrote Staub hing noch lange in der Luft.

Nach rund 6 Stunden und etwa 350 Kilometern waren wir gegen Abend wieder in Kuruman. Ein ganz netter Ausflug, auch wenn wir unser geplantes Ziel nicht erreichten. Wirklich spannend wäre einmal eine Führung in den großen Minenanlagen, aber das muss leider Monate oder Wochen vorher vereinbart werden.
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Norbert Swoboda
Akaflieg Graz

Mein Blog, das ich auch schon vor vier Jahren in Kuruman geführt habe, ist unter norbertswoboda.wordpress.com
zu finden.


Ein 1250km JOJO sollte es werden!

Die Wetterlage hatte sich in den letzten beiden Tagen umgestellt.
Trog ade und Normalwetter sollte sich einstellen, so meinten die allbekannten Wetterprogramme. Tolle Farbdarstellungen suggerierten Fluglängen im dunkelbraunen Bereich.
Naja, der 27. und 28. gingen dann erst mal in die Hose. Die erwartete Wolkenpracht war wohl in fehlender Luftfeutigkeit verschwunden und der Wind mischte dafür kräftig mit. Am Abend des 28. hab ich dann doch noch mal das Farbenspiel der Wetterprognose über mich ergehen lassen – alles dunkelbraun !!!
Dazu alles Trocken, die ersten und einzigen Wolken am Nachmittag in der Nähe von Mifikeng, das sind 300 km von Kuruman weg.
Damit war der Weg frei für die eine oder andere Flasche Rotwein im Kreise der Camp- Truppe.
Aus irgend einem Grund habe ich dann doch das Wetterbriefing für den nächsten Tag um eine Stunde vorgezogen.
Nach einem schönen Abend und einer etwas kürzeren Nacht wurde ich gegen 6.00 Uhr durch die Bediensteten der Lodge geweckt – also sofort ran an das Wetter.
Top Meteo – das gleiche Elend wie am Abend zuvor.
Aber meine Laune verbesserte sich deutlich nach dem ich das afrikanische Modell zu Rate gezogen hatte. Über das ganze Gebiet ab 10.30 Uhr Wolken in 4500 m nur im Süden noch mäßiger Wind.

Mit angemessenem Druck die Kollegen informiert, kurzes Wetterbriefing und dann zum Platz. Startbereitschaft 10.00 Uhr.
Die Top Meteo Hardliner im Team staunten nicht schlecht als sie die Masse der Flieger bei ihrem Erscheinen gegen 9.00 Uhr fast startbereit vor fanden.
Die Startbereitschaft haben dann doch noch alle eingehalten, nun mußte bloß noch das Wetter kommen.
Ich hatte mir ein FAI JOJO in Süd-Nord Richtung westlich des Platzes deklariert.
Wetter 10.30 Uhr – keine Wolke in Sicht, erste bescheidene Windbewegungen, man konnte auch glauben Ablösungen.
Dann meldeten sich zwei Jets aus Joburg zur Landung an, also eine kleine Pause für uns.
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11 Uhr – das Top Meteo Lager beginnt Oberwasser zu bekommen. Ich entschließe mich deshalb als Erster zu starten.
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Das ging dann doch schon recht gut. Abflug in Richtung Süd um 11.30 in 4000m NN, von Wolken allerdings noch keine Spur.
Mein Wendepunkt war in der Nähe von Douglas bei 150 km.
Keine 10 Min. nach dem Abflug entwickelten sich dann recht schnell 2-3/8 Cu. Trotzdem waren 117 km/h für den ersten Schenkel sehr mäßig! Natürlich waren damit die Messen für mein aufgeschriebenes JOJO gelesen und ich mußte Plan B aktivieren – ein 1000er FAI Dreieck sollte es werden. Die verbleibende Zeit sollte reichen.
Also dann die Wende und in Richtung Mafikeng. Der Weg führt an einer Reliefkante in Richtung NO. Wenn man Glück hat bildet diese Kante auch eine markante Wolkenlinie aus, heute aber leider nicht.
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Trotzdem war bei konsequentem Geradeausflug ein gutes Vorankommen. Kurz vor Mafikeng dann die Wende in Richtung WNW. 152 km/h erzeugten bei mir dann auch ein gewisses Wohlgefühl.
Bis dato hatte ich eine Rückenwindkomponente die sich jetzt in 20km/h Gegenwind wandelte. Ein Problem oder Nachteil entwickelte sich daraus allerdings nicht. Es war die Tageszeit mit der
„besten Thermik“ und außerdem ging es jetzt in die Gegend, wo sich Schakal, Löwe und Hyäne gute Nacht sagen.
Die letzten erkennbaren menschlichen Behausungen sind weg, nur entlang des Grenzflusses
scheint es noch Zivilisation zu geben.
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Der Weg führt vorbei an der „Fischer Farm“, wo es für einen Segelflieger selbstverständlich ist, einen Ehrenkreis zu fliegen. Dann geht es rein nach Botswana.

11:00

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12:00

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14:00

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Wenn vorher nichts mehr war, ist jetzt gar nichts mehr. Straßen, selbst Sandwege gibt es hier nicht, auch Landemöglichkeiten sucht man in dieser Buschwüste vergebens. Das ist allerdings alles kein Problem, denn alle Wolken heben den Flieger bei Bedarf wieder in die gewünschte Höhe. Ich kann an dieser Stelle so weit ausschweifen, weil der Flug fast von alleine ging.
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Es war nur notwendig, den richtigen Zeitpunkt für die letzte Wende zu bestimmen. Das bedeutet, etwas kalkulieren, rechnen und die Erfahrungen der vielen Anflüge aus dieser Region einbeziehen. Ich wendete dann 16.45 Uhr, mit einer verbleibenden Strecke von 300 km und SS von 19:06 Uhr.
Oben bleiben und gute Flugwegwahl ist jetzt die Aufgabe bis zum Erreichen der Anflughöhe.
Oft genug bricht die Thermik in diesem Gebiet recht schnell zusammen. Offensichtlich wollte sich das reale Wetter (nicht die Vorhersagen) mit anhaltend guten Entwicklungen bedanken.
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Alles lief glatt und schon bei km 150 auf das Ziel hatte ich die Anflughöhe erreicht, ETA 18.36 Uhr. Wer wird da nicht in Versuchung gebracht die halbe Stunde noch auszufliegen?
Anflug völlig entspannt, Landung 19:06 Uhr bei OLC 1.135km.

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Ein toller Flug ohne eine einzige Situation, die hätte Sorge bereitet.
g.k.


Saisoneröffnung 2016/2017 in Kuruman (Südafrika)
Schon im Mai 2016 bekamen wir von Klaus Wonneberger eine Anfrage, ob wir nicht mal an einem Gliding Camp in Südafrika teilnehmen wollten. Nach kurzer Überlegung stand der Entschluss fest, das machen wir. Nach entsprechender Vorbereitung begann die große Reise zusammen mit Klaus am 10. November 2016. Von Berlin-Tegel über London und Johannesburg ging es nach Kimberley, wo wir am 11.11. gegen Mittag ankamen. Weiter ging es dann mit dem Leihwagen nach Douglas, wo wir uns mit dem Organisator des Camps in Kuruman Gert Kalisch trafen. Der wiederum bereitete gerade mit dem Campdirector in Douglas Martin Lessle das Eröffnungsbriefing für das Camp in Kuruman vor.

Martin

Martin

Wir übernachteten in Douglas in der “Villa de Ghaap Guestho” eine empfehlenswerte Unterkunft. Am Abend gab Gert für alle Teilnehmer beider Camps ein Abendessen.
Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Kuruman, der “Oase in der Kalahari”, davon ca. 100 km auf einer Schotterstraße. Über die Erfahrungen damit wurde schon im vorigen Jahr berichtet. Für uns ergaben sich ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse. Gegen Mittag kamen wir dann in Kuruman an und bezogen unsere Unterkunft in der Shomatobe Lodge.
Die Lodge besteht aus mehreren, im landestypischen Stil erbauten, mit Schilf gedeckten Häuschen, klimatisiert versteht sich. Die Inneneinrichtung entspricht europäischen Standards. Ein Swimmingpool und eine Gaststätte sind auch dabei. Der Zimmerservice ist ok, Wäscheservice, mit geringer Gebühr.
Am 13.11 fuhren wir dann nach dem Frühstück das 1.Mal zum Flugplatz. 10 bis 15 min benötigt man, je nach Verkehrslage. Die große Frage, ist im Container alles in Ordnung, konnte nach wenigen Minuten positiv beantwortet werden und das Ausladen konnte beginnen. Damit war dieser Tag voll ausgefüllt.
Am 14.11. wurden die Arbeiten fortgesetzt und die Segelflugzeuge aufgerüstet, für die Piloten, die anwesend waren. Im Laufe des Camps kommt es ja zu wechselnden Teilnehmern. Die Segelflugzeuge wurden auf dem Abstellplatz verankert und alle Arbeiten erledigt, um am nächsten Tag in die Luft zu kommen.
Der Tag endete mit einem gemeinsamen Grillfest an der Hütte von Gert und Petra.
Der 15.11. wurde der 1.Flugtag. Die Wetterprognose für Kuruman sagte gutes Flugwetter voraus, was sich im Verlauf des Tages auch als richtig herausstellte. Für die dann folgende Woche sollte das nicht so zutreffen. An diesem Tage stimmte aber alles und so wurde Startaufstellung auf der 02 genommen und gegen 11:30 Uhr gestartet. Die ersten Bärte erwiesen sich für alle Starter als nicht auszufliegen und so mussten alle noch ein zweites Mal den Motor zu Hilfe nehmen. Aber dann ging die Post ab. Steigwerte bis 7m/s, Geschwindigkeiten über Grund von 230 km/h bei Rückenwind und eine Basishöhe von über 5000 m über NN sorgten dafür, dass nach 6 Stunden 945 km Strecke erreicht werden konnten. Ein vielversprechender Anfang. An den Folgetagen drifteten die Wettervorhersagen und die Wirklichkeit weiter auseinander. Pessimistische Prognosen über die man sich hinwegsetzen musste führten dazu, dass erst am 19.11. und 21.11. weitere Flüge unternommen wurden, die jedoch die Qualität des 1.Tages nicht erreichten, was nicht weiter schlimm ist.
In der dazwischen liegenden Zeit gaben sich Gert und Petra große Mühe, dass die Kultur nicht zu kurz kommt. Ein Ausflug nach Kathu mit dem größten Erztagebau der Welt, sowie ein Besuch der „Wonderwerk Höhle“, der „Wiege der Menschheit“ vor 150.000 Jahren, ca.40 km von Kuruman entfernt, sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam.
Ein gemeinsames Abendessen in der „Red Sands Lodge“ rundete am 22.11. die flugarmen Tage ab.
Am 23.11. wurde die ASG 29 nach Douglas per F-Schlepp überführt und die ASW 22
aufgerüstet. Für die nächsten Tage ist die Vorhersage wieder besser und es wird geflogen.

Leider traf dieser Wunsch auch nicht so ein. Außer 2 Startversuchen vergingen die Tage bis zum 25.11. ohne konkrete Ergebnisse. So wurde die Zeit für kulturelle Erlebnisse genutzt.
Zum einen machten wir eine Safari in einer Wildtierfarm. Wir konnten viele Rudel dort lebender Tiere beobachten und ihr Verhalten erleben. Es waren insbesondere viele Antilopenarten, Springböcke, Gnus auch Giraffen und viele Kleintiere. Es war das Erlebnis der besonderen Art.

Safari

Safari

Am Abend besuchten wir die „Red Sands Lodge“, eine Lodge der gehobenen Art, zum gemeinsamen Abendessen.
Der 25.11.sollte dann wieder ein erfolgreicher Tag werden. Wir starteten gegen 11:30 und hatten mit Rückenwind bald 130 km in Richtung Südosten erreicht. Danach ging es in entgegengesetzter Richtung bis über die Grenze nach Botswana. Inzwischen hatte sich parallel zu unserer Flugrichtung zurück eine Schauerstaffel entwickelt, an der sich eine Konvergenzlinie bildete, an der wir ca. 80 km im Geradeausflug zwischen 3500 und 4000 m MSL erlebten. Um 15:55 Uhr hatten wir 600 Streckenkilometer erreicht, die erfahrungsgemäß für 1000 km reichen sollten.

im Flugzeug

im Flugzeug

Die Konvergenzlinie baute in den folgenden Stunden etwas ab aber wir konnten sie für weitere
350 km nutzen. Inzwischen war es jedoch 18:20 Uhr geworden und wir konnten die letzten 50 km bis Kuruman in Angriff nehmen. Mit einer Höhenreserve von 1100 m erreichten wir den Flugplatz. Diese wurde noch in Strecke umgesetzt so daß am Ende 1009 km zu Buche standen.
Für den PIC und den Co war es der erste Tausender mit diesem Flugzeug.

1000 km !

1000 km !

Eine Bemerkung zur Navigation: Die Landschaft bietet wenig markante Orientierungspunkte. Die Sichten sind oft über 100 km, aber man sieht eine gleichmäßig aussehende Landschaft. Der Stand der Sonne hilft auch wenig, sie steht meist senkrecht und neigt sich nur beim
Auf- und Untergang. Ohne moderne Navigationstechnik wäre das Flugerlebnis nicht so wie es ist.
Der nächste Tag brachte wiederum Flugwetter. Wir nahmen uns ein 1000‘er Dreieck vor, um mal wenigstens 2 Wendepunkte abzufliegen. Ein so großes Dreieck war an diesem Tag nicht drin. Der Start erfolgte auf dem Schenkel. Der 1. Wendepunkt lag 30 km südlich Douglas an einem markanten Bogen des Orange River. Hier hatten wir die besten Steigwerte mit 7 m/s und eine Basishöhe von 5000 m MSL. Dann ging es in Richtung Vryburg zum 2. Wendepunkt ca. 20 km östlich davon. Hier war die Basis wesentlich niedriger, ca. nur noch 3500 m MSL. Es würden jetzt 331 km Richtung Botswana folgen. Wie vorausgesehen reichte die Zeit dafür nicht mehr. Nach 600 km nahmen wir die Endanflughöhe und erreichten den Flugplatz nach 700 km. Weitere Flüge vielen dem starken Seitenwind am 27.11. zum Opfer.
Ein Fazit: Fliegen in Südafrika gehört mit zu den besonderen Erlebnissen im Segelfliegerleben. Dieser Bericht gibt nur ansatzweise die Gesamteindrücke, die wir von Südafrika mitnehmen wieder.
Wir danken Petra, Gert und Klaus für die Möglichkeit dieses großen Erlebnisses.

Ingrid und Horst Kubitz


Bilanz der ersten 2 Wochen
Die ersten 2 Wochen und damit auch Zeit für den „Besten sächsischen Junior 2016“, Markus Uhlig sind wie im Flug vergangen.
Leider waren nur vier erwähnenswerte Flugtage die Ausbeute. Aber auch das Kennenlernen von Land und Leuten (black and white) der afrikanischen Kultur und der hiesigen Fauna und Flora sollten für Marcus bleibende Erinnerungen hinterlassen haben.
Ein Hammertag mit einem JOJO entlang einer ausgebildeten Konvergenz über 1.140 km war sicher der fliegerische Höhepunkt.
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Dazu findet ihr zeitnah den Bericht auf dem Butten „bester Junior“
Eher untypisch für den Monat November beeinflusste der Trog mit seiner feuchten Luftmasse das Wetter der letzten Wochen. Dazu kamen Windrichtungen, die in Kuruman besser zum Nichtfliegen führen.
Insgesamt sind wir mit den gemachten Flügen nicht unzufrieden und sehen dem hoffentlich besseren Wetter der nächsten Tage entgegen.                                                                              g.k.


Der Container ist da !

Staubfrei und völlig unbeschädigt ist der Container drei Tage vorfristig in Kuruman angekommen.

Butterweich vom Seitenlader abgesetzt und ein zeitnaher Kontrollblick von Hans ins Innere beruhigte die Nerven der anreisenden Eigentümer der Flugzeuge.

der Container ist da

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Am 13.11. wurden die ersten Flieger zusammengesteckt.

Das Auspacken bei einer Wetterlage mit stabiler Trockenthermik  bei 1300m erleichterte die Arbeiten.

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14.11. – nochmal die gleiche Wetterlage gab uns Zeit für ein ordentliches Eröffnungsbriefing und Restarbeiten, hauptsächlich an der Avionik.

Ein zünftiger Kesselgoulasch ist dann sozusagen der Startschuß in die neue Saison.

Kesselgoulasch

Übrigens könnt ihr die die Eindrücke von Markus, dem „besten sächsischen Junior 2016“ auf unserem so genannten Button verfolgen.


„Verladen und Verschifft“

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Bild 2-1
Der 01.Oktober war Packtermin.

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Tolle Wetterbedingungen !! Ganztägig mehr oder weniger starker Regen.
Wir sehen das positiv – das Wetter kann nur besser werden.
Mit Einbruch der Dunkelheit hatten wir dann doch alle Flieger verstaut.

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Das Zubehör war dann am Folgetag dran. Das war ganz gut so, denn wir konnten nun bei trockenem Wetter noch mal die Feuchtigkeit aus dem Container entweichen lassen.

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Abholung am 06.Oktober

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Der 100 Tonnen Kran war dann wohl doch etwas übertrieben, wir brachten nur 9,5 Tonnen auf die Waage. Die Mission 2016/17 begann um 16:46 Uhr mit der Abfahrt des Lastzuges in Richtung Bremerhaven. Das Schiff, die „Buxcoast“, ist am 10.Oktober in See gestochen und wird am 4.November in Port Elisabeth erwartet.
Die ganze Sache kann man dann zeitnah auf dem Internet Portal „Marinetraffic“ verfolgen.

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Bild 2-6

gk 10.10.2016


„Bald geht’s wieder los … !“
Das lange Warten geht dem Ende entgegen. Noch ist eine relative Leere im Container festzustellen.
Letzte Anpassungen der Einbauten für die in diesem Jahr vorgesehenen Segler werden noch abgeschlossen.

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Das wird sich aber an diesem Wochenende ändern – wir beginnen mit dem Einladen.
6 Segler werden dieses Jahr die Reise nach Kuruman antreten, 3 x Nimbus 4 DM und jeweils eine ASW 22, ASG 29 und ein Ventus cM.

Auch in 2016 gibt es wieder den Sonderpreis für den „besten sächsischen Junior“.
In diesem Jahr hat Markus Uhlig aus Großrückerswalde mit beeindruckenden Flügen gewonnen. Er wird den gesponserten Preis von „14 Tage Nimbus 4 DM“ gleich zu Saisonbeginn erleben dürfen.
Seine Eindrücke findet ihr in einem gesonderten Blog auf unserer Seite.

g.k. 26.09.2016


Was bleibt: „El Ninio“ hat das Wetter in Afrika beeinflusst!“
Nun sind die Flugzeuge im Container verladen, alle Sachen sind gepackt! Was bleibt, ist eine Bilanz zur vergangenen Saison zu ziehen.

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Den Erfahrungen der letzten Jahre folgend hatten wir den Saisonbeginn eine Woche später gelegt.
Am 09.11. war Camp- und Saisonbeginn in Kuruman. Die Wetterbeobachtungen im Zeitraum davor bestätigten diese Entscheidung. Unser zweiter Flugtag – der 12.November – brachte dann auch direkt die erste Tausender Wetterlage. Untypischerweise für die noch junge Saison kamen im Anschluss daran auch gleich mehrere Tage, an denen die Trog Linie bedrohlich nah an unser Fluggebiet heranreichte. Das bedeutet vormittags schönstes Wetter, ab 14.00 Uhr erste Schauer im weiteren Verlauf des frühen Nachmittags mehr und mehr Schauer mit eingelagerten Gewittern.
Also schwierig zu fliegen.

Es folgten bis zum Beginn der eigentlichen „high Season“ (10. Dezember – 25. Januar) weitere 8 Tage mit Wetter für Flüge jenseits der 1000er Marke . . . eher untypisch für den Nord-West Teil des Landes.
Es deutete also alles auf eine überdurchschnittliche Saison hin.

Dies sollte sich leider spürbar ändern. In der Folgezeit verschlechterten sich die Bedingungen erheblich.
Bis Anfang Januar gab es genau einen Tag mit Wetter für solch große Flüge.
Die Ausnahme während der gesamten Hochsaison bildeten dann die ersten Januartage.

Vier Tage in Folge homogenes großräumiges Granatenwetter.

Der Höhepunkt dieser vier Tage war ein Flug über 1370 km, der bisher weiteste  Flug ab Kuruman und wohl ganz Südafrikas (unter Beachtung der Regelungen SS, unter Einhaltung des zulässigen Gewichts sowie der Betriebsgrenzen).
Leider blieben die vier Tage die Ausnahme. Bis einschließlich 14.01. waren die Tage alle gut fliegbar, es konnten Strecken bis knapp an die 1000 km durchgeführt werden.
Eine Regenperiode bis zum 22.01., die von der Region sehnlichst erwartet wurde aber uns leider nicht weiter brachte, beendete den Traum von einer super Saison abrupt.
Ab dem 23.01. normalisierte sich die Wetterlage.

Wenn man nun davon ausgeht, dass von der verfügbaren Flugzeit ab dem 21.12. -19:27 Uhr SS- bis zum 31.01. -19:22 Uhr SS- der Tag gerade einmal 5 min kürzer wird, kann man während des gesamten Zeitraumes bei vernünftigem Wetter täglich +/- 9 Stunden fliegen.
Also beste Voraussetzungen für große Strecken . . .
Leider nicht so in dieser Saison 15/16 – deshalb blicken wir erwartungs- und verheißungsvoll auf das kommende Winterhalbjahr im Kuruman Gliding Camp.

Fazit:
–          Eine gute Vorsaison
–          Die Nachsaison mit erheblichem Potential
–          Die „high Season“ deutlich schlechter als in den Vorjahren

Daraus leiten wir die Planung für 2016/2017 wie folgt ab.

Camp Beginn 11.11.2016 / Camp Ende 03.02.2017

Wir planen schon jetzt mit 2 Containern.
Eine begrenzte Anzahl von Plätzen im Container stehen noch zur Verfügung, also, schnelle Reaktion kann nicht schaden.

Chartermöglichkeiten sind sowohl auf Doppelsitzer auch auf Einsitzern vorhanden.

Ebenfalls besteht auch im nächsten Jahr wieder die Möglichkeit als Co Pilot mit nicht ganz unbegabten Piloten „Segelfliegen über der Kalahari“ in seiner ganzen Schönheit zu erleben.

Für eure Fragen stehe ich gern zur Verfügung ( gert.kalisch@t-online.de ).


Kuruman eine Weihnachtsodyssee (27.Dez.15 – 10.Jan.16)
Am Abend des 27.Dezember 2015 fanden 4+1 Schwarzheider Flugbegeisterte den Weg zur Shomatobe-Lodge in Kuruman, Südafrika.
Das Weggefährt, ein Toyota Quantum, hatte arge Mühe dem kräftigen Seitenwind zu trotzen, aber den geübten Segelflieger lässt nichts vom rechten Weg abkommen.
Gert begrüßte uns standesgemäß halbnackt im sonnenblauen Pool und nahm, bekleidet mit einem Badetuch, die Namensparade der ihm unbekannten Fliegerkollegen ab. Dieser erste Eindruck ließ auf einen entspannten Urlaub im nördlichen Teil von Südafrika hoffen.
Kuruman, ca. 600km westlich Johannesburg liegt mitten in der Kalahari und hat landschaftlich viel roten Sand, ne Menge Thermik und endlose Straßen, die gerade ausführen, zu bieten. Dank seiner Minen im Umkreis von 200km ist Kuruman eine aufstrebende Ortschaft, deren Charakter sich an deren städtischen Mall´s ablesen lässt.
Lasst Euch überraschen vom Kontrastprogramm zum Fliegen – Shopping the Mall@Checkers!.

Zunächst erwartete uns kein fliegerisches Erleben. Die Lieben zu Hause hatten Weihnachtsnachwehen bei 12°, ohne Schnee,
wir aschgrauen Himmel bei anfänglich 30°.
Ein Sprung in den Pool und die wärmende Hand von Petra, sowie 500g Rumpsteak, auf Holzfeuer bereitet vom Grillmaster, verschafften Linderung.

Bild 1 - Grill

#Bild 1-Grill

Der Himmel strahlte an den folgenden 2 Tagen saftiges grau. Gert und Petra führten uns in das Flugplatz- und Kaufverhalten ein.
Dina und Klaus erarbeiteten sich trotzdem fliegerisch in der „PK“ (Nimbus 4 DM) grandiose 125 km unter der führenden Hand vom Chef. Dem Piloten auf der „KG“ (ebenfalls Nimbus 4DM) wurde allenfalls heldenhaftes Fliegen vom Oberhaupt über die langen Schwingen bescheinigt.

Bild 2-Start

#Bild 2-Start

Geprägt von diesen Belobigungen flogen PK und KG im Verbund 627km Richtung Botswana. Das Terrain, ein endloses Sand- und Buschmeer mit wenigen Flugstrips und sich verdichtende Bedeckung ließ die Herzen leicht höher schlagen.
Wir trauten uns in die lebensfeindliche Gegend, denen nur Löwen und Hyänen tatsächlich etwas entgegen zu setzen haben. Uns gelang dies nur dank Basishöhen von 3.500 – 4000m GND, dem detaillierten Bericht von WetterMan und seinem unverzagten Fels in der Brandung, Taube Petra (altgriechisch = Fels).
Das musste im Del Rio, einem Ranchrestaurant mit Filletsteak, Snails&Cheese on Mushroom- Champions, Castel-Lager und breitem Grinsen, begossen werden.
In Brandenburg wurde es jetzt kalt und erste Schneespuren zeichneten sich ab.
Gin Tonic, Sekt, Castle Lager, Rotwein und Whiskey wurden mit dem Jahreswechsel unsere Wegbegleiter und wir rückten näher an Gert&Petra heran. Im Verbund mit Moni kredenzten sie Soljanka im afrikanischen Kesseltopf.

Bild 3 -Essen

#Bild 3-Essen

WetterMan schloss das Wetter um 07.40 Uhr, nachdem die Mannschaft um KG zum Briefing 10´ zu spät erschien. Damit waren die Grenzen abgesteckt.
Diva Gert regte am 02.Jan.16 einen großräumigen Flug an und vergaß nicht den Hinweis, hurtig den FP aufzusuchen. Unser Allvater verhieß für diesen Tag vierstellige Km.
Nach lekker Geflügelsalat aus der Gemeinschaftsküche Moni@Petra ging es aus 3.000m Abflughöhe Richtung Douglas. Hier verloren sich kurzzeitig KG und PK, da das unter Fliegern bekannte Saufen die KG in tieferes Gelände geführt hatte.

Bild 4 -Gelände

#Bild 4-Gelände

Im Funkteam ging‘s weiter und wir wendeten 30km hinter Douglas. Von dort führte uns Thermik in nordöstliche Richtung nahe Vryburg. Zum nachmittäglichen Tee, gegen halb 3 nahmen die Piloten nach 4,5h diesen Wendepunkt, mit knapp 500km auf der Uhr. Weitere 650km folgten einer mittleren Reisegeschwindigkeit von 140km/h und der 1000er war voll.
Gott sprach im breiten sächsisch: „Hasde um 16.00 Uhr 600km, schaffsde die 1000, logger“!
. . . und er behielt recht. PK dokumentierte gar ein 1000er FAI und beendete den Tag mit 1.170km.
Gott sei Dank.

Bild 5-02.01.2016

#Bild 5-02.01.2016

Am nächsten Tag ergriffen die Nimben einen Linienflug ins südliche Griekwastad, um anschließend Kristonia an der nördlichen Grenze zu Botswana zu besuchen. Die Nachmittagslinie trug 400km lang und dauert etwas mehr als 2,5h bzw. mit einem Stundenmittel um 150km/h.

Felschen und Moni shoppten sich den Leib von der Seele, in Flucht vor Sonne und heißen Temperaturen (40°C). Moni kaufte sich ne extragroße Schwimm-Nudel, WetterMan genoss die Dankbarkeit seiner Vorhersagen und Taube, ja, Petra lächelte die Hitze einfach weg.
Nur Sunset oder die Lust auf spätabendliche Ausdauer beendet in Kuruman das Rennen auf 1000km, die geflogen werden wollten und wurden.
Im Halbdunkel des Bezügerückens auf die Nimbusflächen verloren wir die Lust auf Kochen und folgten spontan dem Weg ins „Stammlokal“ Del Rio, um mit köstlich Steaks und Snail on Cheese das Erlebte zu vernaschen.

Am Urlaubstag 9 versperrte um 18.00 Uhr nach etlichen Strecken-km ein Gewitter den Anflug auf Kuruman. Die Fluglotsen des Glidingcamps empfahlen das Fliegen von Warterunden. Nach 45min Höhehalten wurde jedoch der segelfliegerische Sprit knapp.
Die Sonne neigte sich bedrohlich gen und auch auf der Südhalbkugel unter Westen und nahm den Aufwinden die benötigte Kraft.
Links und rechts zuckten Blitze und schlugen grell leuchtend in Kuruman ein. Östlich der Stadt loderte ein Savannenfeuer.
Ein kurzes Schauerloch ermöglichte den Anflug aus Süden auf die quietschnasse Runway.
Auch hier stand The CampDirector seinen Gert und lotste seine Schäfchen zurück in die Logde.

Bild 6 -Regen Fz-or

#Bild 6-Regen Fz

Nach einem Pool- und Pausentag schaffte das Camp seinen Zenit.

Bild 7-Pool

#Bild 7-Pool

Die „PK“ unter Klaus und Steward Gustl nahm Platz 6 im OLC Gesamtafrica ein – 1229 km mit den Wendepunkten Colsberg und Campbell an der botswanischen Grenze. Mit 40 Punkten weniger setzte sich die KG auf Platz 9 in der Tagesafrica-Rangliste ab.
Und ehrlich: Scheiss auf die Rangliste. Es war einfach ein geiler Flug. Zu wenden bei Gariep Dam, 6.000m absolute Höhe, ein Höhengewinn in einem Bart um 2.700m, integriertes Steigen von 6,8m/s,
19% Kreisen bei knapp 9h und 46 Aufwinde machen artig und richtig Spaß.

Satt vom Vorhersagen stieg unser Wetterfrosch die Poolleiter herab und schickte uns in den Urlaub.
Ziel unserer Gliding-Abstinenz wurde für 2 Tage der Mokala-Nationalpark.
Dort holten uns Warzenschweine, Giraffen, Rhinos sowie Gnus, Gazellen und Büffel auf das Wesentliche zurück. Fressen!

Bild 8 -Tier

#Bild 8-das Tier!

Bild 9 -Steak

#Bild 9-das Steak!

Es war einfach toll. Die Erde hatte uns wieder.

Am vorletzten Urlaubstag holten wir nochmal Schwung. Die 900 Strecken-km mussten mit Schauern und Gewittern umspült werden.
Im Osten und Norden verfestigte sich eine Schauerlinie, die uns nur teilweise das begehrte schnelle Vor-Fliegen ermöglichte.

Bild 10 -Unterwegs

#Bild 10–Unterwegs

Es war wirklich ein schöner Urlaub. Alle hatten sich lieb. Die Zutaten von Moni und Petra können kaum ermessen werden und Gott, Camp-Director Gert in Personalunion mit The Weather ist wie er ist und sein soll.

Wir kommen wieder!

Bild 11 -6.8

#Bild 11- „6.8“

von Klaus&Moni, Dina@Ulf&Ulf


Fliegen in Kuruman – Ein Traum geht in Erfüllung

Von Dmitry Timoshenko

Prolog:
In Russland geht langsam das Geld aus und der Traum von Flügen in wärmeren Ländern wird durch den Wunsch ersetzt, darüber in facebook zu lesen. Nur zwei russische Segelflieger gaben den Glauben an Flüge in Südafrika nicht auf.
Nur zwei . . .
Aber dafür den uns gewohnten Duo-Discus nach Afrika zu schicken, war undenkbar wegen der zu hohen Kosten. Damit wäre das Projekt fast gestorben… wenn nicht zur rechten Zeit von unseren deutschen Freunden Gerd Wandel und Gert Kalisch ein verführerisches Charterangebot eingegangen wäre. Und so erwartete mich und meine Co-Piloten ab Mitte Dezember ein
Nimbus-4DM auf dem Flugplatz Kuruman.

Bild 10-1

Selbst beim oberflächlichen Studium dieses Örtchens und seiner Segelflugbedingungen keimten in uns bereits große Hoffnungen auf lange Strecken.
Und – was für ein Schreck! – Kuruman war praktisch ein Garant für 1000 km! Für einen russischen Segelflieger, für den bereits ein 500 km-Streckenflug ein Geschenk ist, sind solche langen Strecken reinste Exotik. Selbst in Gariep Dam war es den russischen Expeditionen in den vergangenen drei Jahren nicht gelungen, einen Tausender zu bewältigen.
Und so haben wir beschlossen nach Kuruman zu fahren. Wir – das sind Anton Saskovets, Ivan Rudenko und ich.

Bild Ivan und Anton  „Ivan und Anton“

Den Segler sollten wir aus den Händen des großartigen Dmitriy Rakitskiy übernehmen – er hatte den Nimbus die drei Wochen vor uns gechartert.
Die letzten Tage vor dem Abflug nach Südafrika. Eine Aufregung wie die kindliche Vorfreude auf das Weihnachtsgeschenk – es erwartet uns irgendetwas angenehmes, tolles, beeindruckendes, aber was konkret ?

Kuruman:
Ein Flugplatz im Norden des Landes, 560 km westlich von Johannesburg, über verhältnismäßig nicht schlechte Straßen zu erreichen. Je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt, um so rauher wird die umgebende Landschaft. Kuruman selbst liegt an der Grenze einer der unbelebtesten Wüsten der Welt – der Kalahari. Und diese Wüste soll dann auch noch unser Fluggebiet sein! Außenlandungen außerhalb des Flugplatzes waren praktisch nicht möglich. Jede Entscheidung muss mit höchstem Sicherheitsvorbehalt getroffen werden. Wir lesen mit „Begeisterung“ die Warnung:
„Außenlandungen in Botswana sind verboten!“ 🙂
Aber eigentlich wollen wir ja auch nicht außenlanden – wir wollen fliegen! Unsere Entschlossenheit wird durch die große Anzahl von Flugplätzen in Südafrika noch bestärkt. Diese waren zwar nicht immer für eine Landung geeignet, aber zum Überleben – bitte schön!
Die Länge der asphaltierten Landebahn beträgt 1600 m. Das reicht völlig aus, um mit einem Segler der offenen Klasse mit vollem zulässigen Abfluggewicht zu starten. F-Schlepp gibt es nicht. Deshalb wird nur auf Segelflugzeugen mit Eigenstart geflogen. Das hat uns ein wenig in Aufregung versetzt – oft blies ein starker Seitenwind, wodurch es schwer war auf den ersten Metern die Richtung zu halten … In der Regel ist eine solche Situation untypisch für Kuruman, aber uns traf gerade der „schlechtere“ 🙂 Fall. Einmal mussten wir mit fast 40 km/h Seitenwind aus 90 Grad starten :).

Wetter:
Da kann man nicht meckern – einfach hervorragend!
Wir haben keine Ansprüche – stellten uns nicht die Aufgabe gleich 5 nationale russische Rekorde aufzustellen.
Wir wollten einfach nur viel fliegen und effektiv lernen. Und für solche Ziele war das Wetter großartig! Es gab keinen Tag, an dem der Kurbelanteil über 30% lag.
Dabei war der Steuerknüppel die meiste Zeit in der Hand meiner Copiloten. Und diese hatten keine Erfahrungen mit der Steuerung eines solchen Flugzeugtyps.
Die Wolkenbasis lag in der Regel zwischen 4000-5000m QNH. Steigwerte von 4 m/sec waren die Norm.
Die Flugweiten wurden lediglich durch die Tageszeit begrenzt. Die Segelflugbedingungen wurden niemals längere Zeit vor Sonnenuntergang „abgeschaltet“.
Selbst bei wolkenlosem Wetter konnte schnell geflogen werden. Trockenthermik konnte man häufig und mit starkem Steigen finden. Das waren regelrechte Treibhausbedingungen für Piloten mit geringer Erfahrung, um schnell zu guter sportlicher Form zu finden. Weil einem das Wetter alle Fehler verzeiht.
Unendliche Möglichkeiten zur Erarbeitung von Standardentscheidungen.
Aber einen Haken hatte die Sache trotzdem: Wenn ich so weit entfernt nördlich des mir aus Gariep Dam bekannten Fluggebietes flog, musste ich traurig feststellen, dass die Wolken nur über Kuruman und weiter im Norden standen. Um Gariep herum hielt sich drei Wochen lang eine beständige trockene Luftmasse. Wolken gab es nicht.
El Niño? Ob diese Sch… (Garstigkeit) im nächsten Jahr bis Kuruman reicht ? . . .

Streckenflug:
Man muss schon eingestehen, dass der Nimbus-4DM höhere Anforderungen an den Piloten stellt als ein Duo-Discus. Er verzeiht dir nicht dieselben Fehler. Umso angenehmer ist es dann, wenn es gelingt, eine gemeinsame Sprache zu finden und aus einem störrischen Mustang ein folgsames Arbeitstier zu machen.
Meine Copiloten sind damit klar gekommen.
Und so konnte ich mich den Löwenanteil der Flugzeit an der Landschaft ergötzen und faul Empfehlungen für den nächsten Streckenabschnitt geben. Und Strecken waren das ! . . . Oho !
Der erste Tag endete für Anton mit fast 600 km. Und dabei hatte der Pilot die ganze Zeit einfach nur mit dem Flieger kämpfen müssen! Nach vier Tagen schafften wir dann schon 1.000 km.

1016,4 km  18.12.2016, 1016,4km, 135 km/h

Der letzte Flugtag brachte für Ivan 950 km.
Dabei hatten wir am Morgen noch leichte Zweifel, ob wir überhaupt fliegen werden . . .
Sehr oft hängen die Ergebnisse von einem frühen Start ab. An einigen Tagen konnte man bereits gegen 10 Uhr starten. So etwas habe ich bei meinen früheren afrikanischen Flügen nicht erlebt.
Der zweite Faktor – die Kalahari. Ein Riesengebiet mit homogener Oberfläche zur Erzeugung der Aufwinde im Schachbrettmuster. Ideale Bedingungen.
Solches Wetter und ein Nimbus – eine ausreichende Kombination für 1000 km-Flüge, selbst für Piloten mit geringer Erfahrung.

Infrastruktur:
Ein Hangar, mit allem ausgerüstet, was für Arbeiten an und mit Segelflugzeugen gebraucht wird. Dazu eine Aufenthalts- und Erholungszone, wo nach dem Flug aus dem Kühlschrank wie ein Wunder ein Kaltgetränk kommt . . .
Was braucht man sonst noch, um glücklich zu sein?
Der Morgen beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück in freundschaftlicher, mehr noch – in familiärer Atmosphäre, während des Briefings bekommst Du eine Vorstellung über das kommende märchenhafte Wetter, dann fliegst Du, nimmst am Abend im Kreise deiner von der Thermik wettergegerbten Freunde wunderbare Getränke zu Dir, gehst danach schlafen in vollkommen europäisch gewohnter Qualität, damit sich dann am nächsten Tag alles wiederholt. So ein Glück !!! Aber leider nicht lang genug, zum Teufel . . .

Resume:
1. Nicht teurer als in Gariep und wesentlich billiger als in Namibia
2. Wetter vielleicht sogar besser als in Namibia
3. Offene-Klasse-Segelflugzeug – Traum vieler Segelflieger
4. Freundschaftliche, fast familiäre Atmosphäre

Epilog:
Das Geld hat gereicht.
Die Effektivität des für die Flüge in Kuruman eingesetzten finanziellen Aufwandes ist das Beste, was ich in meinen bisherigen geringen fliegerischen Erfahrungen in Afrika angetroffen habe.
Ein Maximum an Kilometern und Freude für das Geld !

d.t. 05.01.2016


1100 km bei Regen und Wettergrenzen

Von Matthias Kühne

Der Tag begann mit einem kurzen knackigen Frühstück. Gert erwähnte dabei schon, daß es ein langer Tag werden wird.
Kurz nach dem Frühstück erfolgte das obligatorische Wetterbriefing. Dazu wurde uns das afrikanische- und das TopMeteo Wettermodel näher erläutert.
Das Wetter war so gut vorher gesagt, daß wir schnell unsere Sachen packten und auf den Flugplatz fuhren. Somit waren wir schon gegen 8:45 Uhr da und machten unseren Flieger fertig.
Gegen 10:30 Uhr schafften alle ihre Flieger zum Startplatz 02, wo es dann wenige Minuten später auch schon in die Luft ging. Richtung Süden sah man am Himmel schon die ersten Entwicklungen. Unser erster Schenkel ging auch in diese Richtung bis zum Ende der Wolken. Nach den ersten 60 km flogen wir gleich in einen super Aufwind mit über 7 m/s Steigen auf dem Vario. Der Ton vom Vario war nur noch konstant geblieben und es ging wie im Fahrstuhl nach oben. Da war uns klar, es könnte ein guter Tag werden.

Aufwind mit 7,1 m/s

Aufwind mit 7,1 m/s

Als wir nach 150 km an der Wettergrenze ankamen, ging es nun Richtung „NW“. Die Optik sah gut aus mit Wolken, aber wir fanden kein brauchbares Steigen. Später nahmen auch noch die Wolken ab und die Basis fiel zugleich. Somit haben wir nun diese Wettergrenze verlassen und flogen ins gute Wetter zurück Richtung Osten. Im Norden sah man schon die ersten Überentwicklungen mit einzelnen Regenschauern.

Regenschauer unterwegs

Regenschauer unterwegs

Da kam im Cockpit kurzzeitig ein nicht so gutes Gefühl auf. Aber wir entschlossen uns, weiter zu fliegen. Es war auch noch zu früh gewesen, um diesen Tag zu verschenken und somit ging der Flug weiter Richtung Vryburg. Hinter Vryburg, so ca. 60 km, stand die nächste Wettergrenze. Diesmal war es eine mit starken Überentwicklungen. Gegen 15:30 Uhr stand auf dem iPAQ schon 656 km. Das deutete darauf hin, daß wir gut in der Zeit liegen und die 1000 km machbar sind!
Daraufhin erwähnte Georg kurz Gert seinen Spruch: „Wenn man bis 16:00 Uhr 600 km hat, kann man die „1000“ schaffen“. Nun flogen wir den gleichen Weg zurück.
Dieser war am Anfang schon aufregender als der Hinweg.
Die Regenschauer wurden mehr und wir mussten durch den einen oder anderen durchfliegen. Das war aber kein Problem, da im Regen trotzdem unser Vario noch steigen anzeigte und es nach oben ging.
Wir flogen also weiter Richtung Westen. Wieder an Kuruman vorbei bis zu einer Entfernung von 100 km.
Um 18:22 Uhr war es dann soweit, die 1000 km Marke war geknackt. Mit kurzem Jubeln im Cockpit ging es weiter Richtung Kuruman. Das Wetter war noch gut. Die Luft wurde schon etwas ruhiger, aber es waren noch vereinzelt Steigwerte bis 3 m/s vorhanden. Das verleitete uns noch, die verbleibenden letzten 60 Minuten bis Sunset sinnvoll in Höhe und Kilometer umzusetzen. Am Ende des Tages standen um 19:03 Uhr 1102 km auf dem iPAQ und wir setzten zur verdienten Landung an.

Landung vor Sunset

Landung vor Sunset

Die Sonne stand schon so tief, dass man etwas höher anfliegen musste als normal. Nach dem wir dann unseren Flieger fertig gemacht haben, fuhren wir in die Lodge wo auch schon Petra und Gert auf uns warteten. Bevor es dann zum Abendessen ging, gab es erstmal eine Abkühlung im Pool mit Savanna Dry.

Nochmal recht herzlichen Dank an Georg für die tollen und großen Flüge. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit dir zu fliegen.

mk 29.12.15


Feuerwalze bedroht Kuruman Airfield

… so oder ähnlich wird es morgen in den Zeitungen stehen

Bild 8-0

… und es war tatsächlich so!

Der zweite Weihnachtsfeiertag, hier in Afrika eigentlich kein Feiertag mehr, begann völlig normal.
Die Stadt fast menschenleer, alle erholten sich offenbar vom Weihnachtsfest. Vormittags so gegen 12.30 Uhr – sah man im Südwesten kleine Rauchwölkchen aufsteigen.
15.30 Uhr – wir waren gerade unterwegs um Proviant und Getränke nachzufassen.
Als wir den Supermarkt 30 Minuten später verließen, hatte sich die Situation grundlegend verändert.

Wie zu erkennen, wurde alles vom „lieben Gott“ beobachtet:

Bild 8-1

Eine schwarze Rauchsäule stieg mittlerweile zu der über ihr stehenden Cumulus auf.

Bild 8-2

Der Wind frischte zusehends auf, natürlich genau aus Südwest, und aus dem kleinen Feuer hatte sich eine rasant ausbreitende Feuerwand gebildet. Der ganze Spuk war allerdings immer noch ca. 3-5 km vom Flugplatz weg. Aus der Lodge wollten wir die Sache im Auge behalten. Hier war der Wunsch der Vater des Gedankens – schnell den Einkauf ausladen und ab zum Flugplatz. Der Weg dorthin führte durch eine fast menschenleere Stadt, keine Polizei, keine Feuerwehr. Aha, dachten wir, die haben alles im Griff.
Am Flugplatz angekommen, dann die große Enttäuschung – kein Mensch außer den Campteilnehmern, die nicht flogen.
Die Feuerwand war bis auf 200 m an die Westseite der Landebahn voran gekommen.

Bild 8-3

In aller Eile haben wir den letzten Segler aus dem Gefahrenbereich geschafft und dann notgedrungen das Naturschauspiel beobachtet.

Bild 8-4

Die Feuerwand erreichte zuerst den Nordteil der Landebahn. Im Nu war das sowieso störende, 80 cm hohe Gras bis zur Bahn verbrannt und das Feuer verendete wegen Nahrungsmangel.
Jetzt passierte das, womit keiner mehr gerechnet hatte. Die ersten 200 m der Bahn waren mittlerweile frei gebrannt. Das erste Löschfahrzeug, ein Pikup mit ca. 1000 l Wasser erschien, kurzer Rundumblick und mitten auf der Bahn abgestellt! Ihm fehlte offenbar ein Plan!

Bild 8-5

Bild 8-6

Dann ging es Schlag auf Schlag, ein feuerwehrähnliches Fahrzeug bog mit fulminantem Speed auf die Bahn und man glaubt es nicht, stellte den Motor ab. Drei oder vier Leute (Feuerwehrmänner???) sprangen vom Fahrzeug um festzustellen, vorn links ein Platter!!! Das Wasser wurde geschont und sofort mit dem Reifenwechsel begonnen.

Bild 8-7

Der Pickup verschwand, wie sich herausstellte, um das Ersatzrad zu holen.
Weitere 300 m waren brandgerodet! Zwischendurch waren weitere Pickup eingetroffen, ebenfalls mit Mindermengen an Wasser. Diese stürzten sich dann tatsächlich in die Flammen. Ein Plan war nicht zu erkennen, aber tatsächlich wurden die Flammen an einigen Stellen gelöscht. Das Feuer hatte mittlerweile 900 m des Nordteils erledigt – die Flammen waren mangels Nahrung erloschen und nun qualmte es nur noch.

Bild 8-8

Das Ersatzrad war dann auch endlich da, wurde montiert und das Gerät war rechtzeitig für den Einsatz am Südende der Bahn bereit.
Zeitgleich, gegen 17.00 Uhr, gab es einen Qualitätssprung. Die Profifeuerwehr erschien mit einem Fahrzeug, bog sofort nach Süden ab und verschwand in den Büschen.

Bild 8-9

Die hatten einen Plan, sie schnitten den Flammen den Weg ab, mit Erfolg. Zwischenzeitlich war geschätzt jeder dritte Weiße aus Kuruman mit dem Auto auf dem Flugplatz. Das war so eine Stimmung zwischen Volksfest und Feuerwehrübung. Frauen verteilten Wasserflaschen für die in Aktion befindlichen Helden. Auch wir wurden nicht vergessen.

Bei uns sträubten sich so ab 18.00 Uhr langsam die Haare, denn irgendwann mußten ja auch unsere Segler mal landen. Mit viel Überredungskunst haben wir dann Schritt für Schritt von Nord nach Süd die Landebahn „autofrei“ gemacht.
Gegen 18.30 Uhr kamen dann auch die ersten beiden Segler über dem Platz an. Sie mußten sich noch etwas gedulden, konnten dann aber mit noch geringer Rauchbelästigung sicher landen.
Die Feuer waren im Wesentlichen gelöscht oder eben wegen Nahrungsmangels von selbst gestorben.
Ein Abenteuer was man so schnell nicht vergessen wird!
Wir danken hiermit allen Helfern und Beteiligten für ihren großartigen Einsatz.

gk 29.12.15


Segelflug-Abenteuer Südafrika – Team Thüringen

Von Steffen Dienst

Wir, Thomas Meißner und Steffen Dienst, zwei Streckenflug-Anfänger aus Bad Berka (Thüringen) waren angesteckt von der Faszination Segelstreckenflug. Nach zwei Saison´s in der Heimat waren wir heiß auf neue Erfahrungen.
Was gibt es für Streckenflieger für Herausforderungen?
Von zwei Vereinsmitglieder erfuhren wir von ihren Erlebnissen in Südafrika. Schnell wurde Verbindung zu einen erfahrenen Piloten geknüpft, der uns zu diesem Abenteuer einlud. Nach dem ersten Treffen mit Manfred Rothhardt war schnell klar, das wird ein außergewöhnliches Abenteuer.
Die Zeit verging im Fluge und wir sitzen im Flieger nach Johannesburg. Schon die Anfahrt zum Kuruman Gliding Camp ließ bei schönstem Segelfliegerwetter und den schönsten Cumulanten am Himmel einiges erahnen.
Später erfuhren wir, es war ein Tausender-Tag, vier Piloten konnten an diesen Tag über Tausend Kilometer von Kuruman aus zurücklegen.
Am Abend wurden wir von Jörg Schumann zünftig mit einem kühlen Bier in unserer Unterkunft – der Shomatobe Lodge – begrüßt.
An den nächsten zwei Tagen waren die Wetterbedingungen nicht für Segelflug geeignet. Für uns gut, so konnten wir uns ein wenig akklimatisieren.
Am Mittwoch war es dann so weit – der erste Start in Südafrika!
Als erster Copilot nahm Steffen hinter Manfred Platz. Bei 35°C ziehen wir uns Wanderschuhe und Thermohosen an, schon seltsam! Eine Jacke wird ebenfalls im Flieger verstaut.

Auch die „Police“ aus Kuruman schaut erstaunt vorbei, was machen die denn da?

Alles ist gecheckt und Manfred startet den Motor. Kurz nach dem Start kreisen wir bereits in einem 3-m-Bart. Nach wenigen Minuten sind wir 900 m über Grund. Der Motor wird eingefahren und wir steigen weiter.
So sieht Afrika von oben aus! Für das ungeübte Auge – alles gleich! Orientierung gleich null, Kuruman okay, und dann? – Eine Gebirgskette im Süden! Ich versuche, mich nach der Sonne zu orientieren – Fehlanzeige, wir sind in Afrika, da steht die Sonne immer oben! Also verlasse ich mich voll auf die elektronischen Hilfsmittel. Ohne die läuft hier gar nichts. Die Entfernungen sind gigantisch. Die nächste Stadt ist 130 km entfernt und am Horizont nicht auszumachen. Wir sind über der Kalahari, roter Sand soweit das Auge reicht.
Es macht sich ein Druck auf meiner Brust bemerkbar. Ist es die Höhe oder doch die Aufregung? Bei 3000 m über dem Meer bereite ich die Sauerstoffanlage vor. Jetzt geht es besser! Es dauert nicht lange und wir sind an der Wolkenbasis, heute bei 4500 m MSL. So macht fliegen Spaß. Wir schießen mit 180km/h Fahrtmesseranzeige unter den Wolken entlang. Über Grund zeigt unser Navi 230 km/h, der Wind und die Flughöhe bewirken diese Abweichung.
Nun kann ich den Nimbus 3DM auch mal steuern. Schon ein Unterschied zu unseren 15-m-Fliegern. Hier müssen 10 m Spannweite mehr bewegt werden. Das bedeutet Arbeit, vor allem der Einsatz am Seitenruder ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ich versuche, den Nimbus zu bändigen, aber bei mir geht es doch mehr Berg ab als nach oben.
Manfred bringt uns zurück an die Basis. Beschäftigt mit Navi, Fotoapparat, Sauerstoffanlage und den vielen neuen Einflüssen bringt mich eine ruppige Thermik aus dem Gleichgewicht. Nach 5 Stunden Flug rebelliert mein Magen. Doch etwas viel für den Anfang? Aber jetzt abbrechen? Um Gottes willen, nein! Ich erhole mich wieder und weiter geht´s.
Die Thermik ist noch sehr gut und ich habe das Gefühl, es wird etwas ruhiger und gleichmäßiger. Nach sieben Stunden und 726 km auf dem Rechner setzen wir zur Landung an. Wir müssen uns beeilen. Der Sonnenuntergang naht und es wird sehr schnell dunkel in Afrika.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Der Nimbus wird geparkt und verzurrt.

Ein berauschender Tag geht zu Ende. Ich bin überwältigt von den Eindrücken und froh, dass ich morgen einen Ruhetag habe – morgen wird Thomas seine ersten Erfahrungen sammeln dürfen.

sd 23.12.15


Ob „El Ninio“ die Hochsaison bremst?

Seit unserem letzten Lebenszeichen sind ja nun paar Tage vergangen.

Von vielen fliegerischen Heldentaten kann, wegen des sagen wir mal bestens durchschnittlichen Wetters, nicht berichtet werden. Ein Tag mit drei Tausendern war da der Höhepunkt. Trotzdem wurde ordentlich geflogen.

Normalerweise ist die Zeit vom 10.Dezember bis 20. Januar die „high season“ in Südafrika, mit länger anhaltenden stabil guten Wetterlagen. Es drängt sich in diesem Jahr, ein Jahr in dem im pazifischen Ozean der „El Ninio „ aktiv ist, der Verdacht auf, dass sein globaler Einfluß auch in Afrika spürbar ist. Hier herrscht extreme Trockenheit, z. B. ist in Kimberley das Wasser rationiert, die Temperaturen gehen in Richtung 40° C und Regen ist nicht in Sicht.

Sandsturm

Sandsturm

 

Die meist etwas früheren Landungen gaben Gelegenheit, die wie schon erwähnt reichlich vorhandenen Restaurants auszuprobieren. Ein fast unangenehm günstiger Wechselkurs €/Rand sorgt für Schonung des Geldbeutels und dafür, manchmal eine zusätzliche Flasche des köstlichen afrikanischen Weins zu probieren.

6-2-mall

Die neu eröffnete Mall in Kuruman lockt selbst den hart gesottensten Einkaufsmuffel in die Geschäfte.

6-3-mall

Beeindruckendes Niveau, komplettes Angebot der vollständig vertretenen Markenanbieter. Das alles vollklimatisiert, da kann man verweilen und verläßt die Anlage nur ungern.

Mittlerweile gab es einen Wechsel bei den russischen Sportfreunden. Beiden ist es gelungen, ihre ersten 1000 km hier zu fliegen. Gratulation!!!

06.12.2015, Dmitry Rakitsky: 1067,83 km

06.12.2015, Dmitry Rakitsky: 1067,83 km

 

18.12.2015, Dmitry Timoshenko: 1016,40 km

18.12.2015, Dmitry Timoshenko: 1016,40 km

 

Auch hier in Afrika ist der Trubel der Vorweihnachtstage aller Orten spürbar

6-6-weihnachtsbaum

Etwas anders als zu Hause – aber trotzdem irgendwie nett.

Wir werden über Weihnachten einen Abstecher in einen nahegelegenen National Park unternehmen. Der „Mokala National Park“ bietet dazu mit seinem gepflegten Ambiente und reichem Tierbestand beste Bedingungen.

Es bleibt, allen Lesern dieser Seite ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen.

gk 22.12.15


Am Sonntag fing in Kuruman für uns das gute Wetter an

Angekündigt hatte es sich ja schon am Samstag – mit Arno als Copilot flogen wir 960 km, scheiterten aber am 1000er durch unerwartet starken Gegenwind am letzten Schenkel – bei stark nachlassender Thermik … irgendwie keine gute Kombination …

Das spürten auch Kollegen im Nimbus 3DM – Manfred und Jörg mussten letztendlich auf dem Flugplatz in Vryburg ca. 120 km vor Kuruman landen – um nicht in die Dunkelheit reinzufliegen. Nach Übernachtung dort starten sie am Sonntag früh wieder, und landen mit ihrem 3DM gegen 09:30 Uhr wieder in Kuruman.

Manfred ist zwar etwas müde, aber ich kann ihn trotzdem innerhalb ca. 2,6 Sekunden überreden, den freien Copilotensitz in meinem 4DM einzunehmen.

Während alle anderen schon am Start stehen, ziehen wir dann – reichlich spät – den Nimbus ebenfalls zur Startstelle 02, helfen den anderen 3 Kollegen beim Start, und schwingen uns dann als Letzte ebenfalls in die Lüfte – mit eher mäßigen Steigraten im Motorbetrieb: Es hatte ja auch an die 40°C …

Gert fliegt mit seiner ASW22 ab Richtung Süden, entlang der Hügelkette bei Kuruman; wir im 4DM etwa 20 km dahinter. Als Gert dann etwa 80 km südlich von Kuruman seine Wende verkündet und von hier Richtung 40° nach Mafikeng fliegt, greifen wir zu einer taktischen List: Wir wenden 20 km vorher, befinden uns dadurch aber nun vor Gert – was ihn bei jedem Funkspruch und Positionsvergleich ordentlich motiviert ‚Gas’ zu geben (was letztlich dann dazu führt, dass er uns irgendwann überholt: Wir haben ihn offensichtlich übermotiviert…)

Es ist ein Super-Tag: Die ersten Wolken werden angesteuert – und wir steigen bald mit bis zu 6 m/s auf 5400 m – und das um 12:00 Uhr, und ohne irgendwelche Anzeichen von Überentwicklungen; der Tag verspricht gut zu werden….

In über 5000 m Höhe nimmt man auch relativ große blaue Löcher gelassen hin – wir fetzen einfach weiter, nehmen mit zwei, drei Kreisen im Blauen ein paar Meter mit, und erzielen so – unterstützt durch etwas Rückenwind – einen Schnitt von 185 km/h über eine ganze Stunde.

In Mafikeng – früher einmal Austragungsort einer Segelflug-Weltmeisterschaft, nun nur noch eine ziemlich große Piste ohne erkennbaren Betrieb – wenden wir, und fliegen nun mehr oder weniger nach Westen – entlang des Grenzflusses zu Botswana. „Fluss“ ist hier etwas übertrieben – nur ein ziemlich großes, aber komplett trockenes Flussbett, gesäumt von je einer Strasse im Süden (Südafrika) und Norden (Botswana).

Die besten Aufwinde verstecken sich nun irgendwie unter den zahlreichen Wolken – vielversprechende Quellungen bieten uns nur magere 2 m/s, während wir gleich nach enttäuschtem Weiterflug irgendwo am Rande der Wolken in einen 5-m-Bart stolpern.

Die Schnittgeschwindigkeiten bleiben trotz leichtem Gegenwind noch immer bei
130-140 km/h; wir peilen nun den Schnittpunkt des 23. Längengrades mit der Botswana-Grenze an – ab hier ist uns der Einflug in Botswana-Gebiet erlaubt. Eine für mich sehr interessante Gegend: – in Botswana kommt man relativ bald in Gebiete mit absolut NULL Spuren von Menschen: Keine Strassen, keine Wege, keine Häuser oder Hütten, keinerlei Bewirtschaftung – absolut NICHTS, nur etwas mageres Gebüsch. Sollten hier einmal Aliens landen, würden sie die Erde als komplett unbewohnt erklären…. Naja, unbestätigten Gerüchten zu Folge gibt es dort zumindest ein paar Löwen, die auf abgesoffene Piloten warten.

Weiter drin in Botswana wird es für uns immer besser: Obwohl schon erste Schauer uns begrüßen, gibt es weiter kräftige 5-m-Bärte; Gert ist nun etwas südlich von uns, wendet bei 220 km von Kuruman; wir ziehen weiter bis etwa 250 km von Kuruman – als dort die Überentwicklung überhand nehmen, wenden auch wir.

Der Rückweg erweist sich als problemlos – in 5000 m hat man einfach keinen Stress … in Kuruman werden wir immer übermütiger, lassen sogar vielversprechende Bärte aus – und müssen zur Kenntnis nehmen, dass man den Thermikgott nicht ungestraft beleidigt: Es ist der letzte gute Bart, den wir da stolz ignorieren, und sind danach froh, zumindest ETWAS Steigen im Süden von Kuruman zu finden.

Immerhin haben wir noch eine stolze Höhe, und setzen diese nun mit 180 km/h in Streckenkilometer um – nur um festzustellen, dass es im Norden von Kuruman immer noch gutes Steigen gibt. Wir haben aber nun genug, und leiten einen Airliner-Endanflug auf Kuruman ein; nachdem wir als letzte – und das reichlich spät – gestartet waren, und nun als Erste nach ca. 1040 km landen, bringt uns das einen Gesamtschnitt von etwa 135 km/h. Wir sind zufrieden – und auch die anderen 3 Kollegen, die ebenfalls alle über 1000 km fliegen.

08.12.2015: Es regnet heute leicht in Kuruman – es ist ja auch Regenzeit in der Wüste Kalahari.

5-Arno

Was sich Arno denkt, wenn wir schon wieder den Bart nicht gefunden haben …

 

5-Flugweg

Unser Flugweg – die Geradlinigkeit deutet auf einen guten Thermiktag hin

 


Das Wetter kommt langsam in Schwung

Die folgende Woche brachte uns fünf Tage mit „Tausender-Wetter“. Allerdings waren die Wetterprogramme leider nicht immer dieser Meinung. So wurde zum Beispiel der 3. Dezember als vorhergesagter hochexplosiver Gewittertag angekündigt:

4-1-Wetter

Wir verzurrten die Flieger ordentlich und erwarteten den angesagten Regen, Blitz, Donner und Sturm. Das Ergebnis waren 3-4/8 Cu von 10 Uhr bis Sonnenuntergang. Also einen sicheren Tag in den Sand gesetzt. Soviel zu der Qualität der hochgelobten Wetterprogramme!

Die Bilanz kann sich trotzdem sehen lassen:

30. November: 3 x 1000 km

4. Dezember: 2 x knapp 1000 km

5. Dezember: 2 x 1000 km

6. Dezember: 4 x 1000 km

Respekt vor diesen nicht immer einfachen Flügen!!!

Entscheidungen zwischen Mut und Leichtsinn

So gut die Zahlen auch aussehen, muss trotzdem jeder Flug individuell erflogen und auch erkämpft werden. Das mussten zwei unserer Piloten am 5. Dezember erleben.Am Ende des Flugtages frischte der Wind entgegen der Vorhersage mäßig auf und beendete ihre Hoffnung, Kuruman zu erreichen. Eine Sicherheitslandung auf einem sicheren Airfield – in dem einem Fall – war eine richtige Entscheidung! Im anderen Fall – 100 km mit dem Motor und dann im Halbdunkel landen ist eben keine gute Entscheidung oder eine Überschätzung des eigenen Leistungsvermögens.

Tolle Flugtage werden dann gern auch mit einem guten Essen in einer der in Kuruman reichlich vorhandenen Restaurants beendet. Klangvolle Namen wie El Dorado, Del Rio, Red Sands, Kalahari Lodge, Palermo und Capello bieten dazu hervorragende Möglichkeiten. Niveauvolles Ambiente und ausgezeichnetes Essen sind hier garantiert.

4-2-Lodge

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gk 08.12.15


Das Camp ist vollzählig

Am Sonnabend sind nun das Team „Austria“ mit Georg Kirchner und Arno Hutter und die Mannschaft aus Thüringen mit Manfred Rothhardt und Jörg Schumann eingetroffen. Damit ist die Sollstärke des Camps für dieses Jahr erreicht. Wir wünschen Beiden tolle Tage hier und Flüge nach ihren Erwartungen.
Sie konnten leider nur als Außenstehende die Berichte der anderen über einen sehr spannenden Flugtag erfahren. Unser Fluggebiet lag an der Vorderkante des sich uns nähernden Troges. Ein eher mäßiger Wetterbericht wurde von der Realität deutlich übertroffen.

3-1-Wetter

3-2-Wetter

Am Abend konnten wir zwei Flüge über 1000 km mit Geschwindigkeiten von 145 und 137 km/h melden. Ein für eine Trogwetterlage untypischer der Front vorgelagerter Cirrusschirm auf den letzten 250 km verhinderte sicher eine noch höhere Geschwindigkeit.

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3-4-Flugweg

Nun schaun wir mal in die nächste Woche. Das Wetter läßt schwache Hoffnung keimen.

gk 29.11.15


Warten auf die Wetterwende

Schnell wie im Endanflug sind die 2 Wochen für den „besten Junior“ vergangen. Seine Eindrücke und Erfahrungen habt ihr ja sicher in seinen Ausführungen unter „Sonderpreis bester sächsischer Junior“ nachgelesen. Das Wetter hat allerdings unser aller Erwartungen leider nicht erfüllt. Nach den ersten beiden Flügen …

2-1-Flugweg

2-2-Wetter

… brachte uns der Durchzug einer schwachen Kaltfront eine langanhaltende Süd-Ostströmung.
Bei Trockenthermik mit Basis in 10 000 ft und 25 km/h Wind in absolut unlandbarem Gebiet rumzufliegen, ist einfach sinnlos.

2-3-Wetter

2-4-Wetter

Somit blieb nur das Warten auf die Wetterwende. Diese stellte sich dann nach fünf langen Tagen endlich ein. Der Trog schwenkte nach Süd-Westen und brachte die dafür typische, mit Gewitterrisiko behaftete, Wetterlage.

2-5-Flugweg

Ein sehr spannender Flug, vier Stunden im Unterhaus und dann völlig unerklärlich plötzlich auf 16 000 ft, wurde leider durch eine mächtige Gewitterzelle über Kuruman, 1,5 h vor Sunset abrupt beendet
Der Folgetag brachte eine ähnliche Lage. Nur war der Trog nochmals 150 km nach Westen gezogen.
Bei uns war die Gewittervorhersage bei 60-80 %.

2-7-Wetter

Im realen Leben sieht das dann so aus:
11 Uhr – Beginn der Konvektion,
12 Uhr – 4/8 Cu,
13 Uhr – 6/8 Cu und die ersten Wolken schießen nach oben,
14 Uhr – 7/8 Cu einzelne Wolken beginnen auszuregnen,
15 Uhr – geschlossene Wolkendecke und die Schauer/Gewitter formieren sich.

Bis dahin könnte man ja theoretisch noch fliegen, allerdings mit dem großen Risiko, dass dann der Platz zu ist und eine Landung nicht mehr geht.
Man entscheidet dann vernünftigerweise in Sinne der Sicherheit.

Heute hat nun unser Junior die Heimreise angetreten, die, wie wir aus den Medien entnehmen konnten, im Schnee enden wird.

gk 23.11.15


Bericht aus der Feder von Max Heilmann, Juniorenpreisträger aus Sachsen

Seine Eindrücke und Erlebnisse berichtet er hier Trainingsbericht


Saison 2015 – 2016
Das Camp ist „open“

Pünktlich am 07.11.2015 wurde der Container angeliefert, etwas staubig, aber ansonsten in perfektem Zustand. Dann lief das übliche Programm ab, Flieger teilweise entladen, Basislager einrichten und das Quartier – die „Shomatobe Lodge“ – sozusagen in Besitz nehmen.
Toller Empfang durch unseren Gastgeber und auch in der Lodge.
Bei einem kleinen Vorbriefing in Douglas, wo wir bei der Anreise einen Tag verbracht haben, wurden uns sehr erfreuliche Informationen überbracht:
Die ohnehin schon bescheidenen

Luftraumbeschränkungen durch die FAR 20,23 und 25 sind für die Saison 2015 – 2016 außer Kraft gesetzt.
Das wär doch mal eine Überlegung für die DFS !!!

Der Sonntag wurde zum Aufrüsten und auch schon für erste Schnupperflüge genutzt.

Der Gewinner des Sonderpreises „Bester sächsischer Junior“ ist für die nächsten14 Tage Gast im Camp. Wir haben ihn gleich am ersten Tag mal auf seine physische Belastbarkeit getestet. Naja, 34°C und Knochenarbeit haben ihre Spuren hinterlassen. Körperlich war er recht schnell wieder fit aber der Sonnenbrand hält noch an.
Der Montag sollte dann der erste Flugtag werden. Trockenthermik, sowieso nicht mein Ding, veranlasste uns gleich mal das nun freie FRA 25 zu testen. Der Erfolg war mäßig und deshalb glaubten wir Flachlandflieger, in den Hügeln der
„Lange Berge“ mehr Glück zu haben. Dort war das Ergebnis noch mäßiger und so endete der Flug recht bald wieder in Kuruman.
Dienstag den 10.11. wollten wir dann mal mit ins Geschehen eingreifen. Trotz eines relativ späten Starts bei Trockenthermik und nochmal 160 km trocken nach dem ersten WP, endlich angekommen im Hammerwetter im Nordosten, ging es mit Basis 5.300 m recht zügig voran. Mit etwas Glück erwischten wir zum Ende des Fluges noch eine Wolkenstraße, die uns zu einem recht ordentlichen Saisonstart geführt hat.


Nun sieht es für die nächsten Tage erst mal etwas bescheidener aus, aber Wetterprognosen müssen ja nicht immer stimmen!

gk 11.11.2015